Aalen Der VfR Aalen will wieder in die 2. Liga - aber wie?

Sportlich läuft es angesichts der Rahmenbedingungen nicht schlecht für Aalen – hier bejubelt Mathias Morys in einer allerdings nicht sonderlich gefüllten Ostalb-Arena das 1:0 gegen Fortuna Köln. Doch ist auch die 2. Liga für den VfR schon wieder drin?
Sportlich läuft es angesichts der Rahmenbedingungen nicht schlecht für Aalen – hier bejubelt Mathias Morys in einer allerdings nicht sonderlich gefüllten Ostalb-Arena das 1:0 gegen Fortuna Köln. Doch ist auch die 2. Liga für den VfR schon wieder drin? © Foto: Langer/Eibner-Pressefoto
Aalen / Thomas Jentscher 09.02.2018
Der Fußball-Drittligist VfR Aalen will bis spätestens 2021 wieder den Aufstieg schaffen und setzt bei diesem Projekt unter anderem auf ein neues Trainerteam.

Bald drei Jahre ist es her, dass der 1. FC Heidenheim und der VfR Aalen gemeinsam in der 2. Liga auf Torejagd gingen, in der Folge versank der nördliche Nachbar langsam aber sicher im Mittelfeld der 3. Liga. Dies soll sich nach dem Willen der Aalener aber bald wieder ändern: Bis spätestens 2021 wollen sie wieder im Unterhaus des deutschen Fußballs am Ball sein – in dem Jahr, in dem der VfR seinen 100. Geburtstag feiert.

Für diese Aufstiegspläne entwickelt der Verein schon jetzt eine überraschende Betriebsamkeit. So wurde in der Winterpause vorzeitig mitgeteilt, dass der Ende Juni auslaufende Vertrag von Coach Peter Vollmann nicht verlängert wird. Der Drittliga-Rekordtrainer (219 Partien) hatte den Klub 2015 nach dem Abstieg aus der 2. Liga in einer sehr schwierigen Situation übernommen. Nur vier Spieler standen damals noch unter Vertrag, dazu kamen finanzielle Probleme durch den Ausstieg von Sponsor Berndt-Ulrich Scholz, die schließlich in einer Insolvenz endeten.

Vollmanns gute Bilanz

Trotzdem hielt die Mannschaft in den folgenden beiden Jahren die Klasse, hätte in der Saison 2016/17 ohne die neun Punkte Abzug wegen des Insolvenzantrags sogar um den Aufstieg spielen können. Auch in der laufenden Spielzeit schlägt sich der VfR gut, ist derzeit Elfter.

Mit Vollmann, der gerne noch ein Jahr dran gehängt hätte, plant der Verein trotzdem nicht mehr. „Wir wollen einen jungen Konzepttrainer, mit dem wir einen Dreijahresplan verfolgen“, sagte Hermann Olschewski, seines Zeichens Präsidiumsmitglied Sport beim VfR. Vollmann hatte seinerseits stets nur Einjahresverträge abgeschlossen.

Die Rolle des strategisch planenden Coaches wird Argirios Giannikis einnehmen. Der 37-jährige Grieche sitzt derzeit noch bei Rot-Weiß Essen, dem Tabellenzehnten der Regionalliga West, auf der Bank, sein Vertrag läuft Ende der Runde aus. Vermutlich hat Giannikis auch genaue Vorstellungen von seinem Assistenten, denn gestern kündigte nun der bisherige Co-Trainer Jan Kilian an, den VfR zum Saisonende zu verlassen. „Jan Kilian hat uns im Gespräch mitgeteilt, dass er andere Pläne verfolgt“, so Olschewski.

Auch der Co-Trainer geht

Einen guten Zeitpunkt, die Wechsel auf der Trainerbank anzukündigen, haben sich die Aalener ausgesucht, denn diese Saison dürfte keine Aufregungen mehr mit sich bringen. 15 Spieltage vor dem Ende hat die Aalener Mannschaft eine komplett ausgeglichene Bilanz von acht Siegen, sieben Unentschieden und acht Niederlagen sowie 31:31 Toren. Der Abstand zum ersten Abstiegsplatz beträgt zwölf Punkte, zu Rang drei und damit zur Aufstiegsrelegation fehlen ebenfalls zwölf Zähler – mehr tabellarisches Niemandsland geht nicht.

Insofern kann man wohl auch eher unmotivierte Auftritte wie zuletzt beim 0:2 in Lotte verkraften. Vollmann sprach nach dieser Partie gar davon, dass man sich habe vorführen lassen und verwies auf die „noch sauberen Trikots“ seines Teams.

Am Samstag (14 Uhr) steht das prestigeträchtige Württemberg-Duell gegen die SG Sonnenhof Großaspach an. In dieses Spiel gehen die Aalener mit großen personellen Sorgen, unter anderem steht kein einziger Außenverteidiger mehr zur Verfügung. Anbrennen dürfte trotzdem nichts mehr, wenn man die bisherige Bilanz der Drittliga-Kellerkinder betrachtet, fehlen dem VfR vielleicht noch sieben, acht Punkte (aus 15 Partien) zum sicheren Klassenerhalt.

Ob die Grundlagen für einen mittelfristigen Aufschwung in Aalen vorhanden sind, wird sich zeigen. Bei seinen Trainern hat der VfR schon öfter ein gutes Händchen beweisen, Vollmanns Vorgänger Ralph Hasenhüttl und Oliver Ruthenbeck haben mittlerweile bei den Erstligisten RB Leipzig und 1. FC Köln das Sagen. Allerdings gab es in der Geschichte des Vereins auch immer wieder überraschende Rücktritte und Rauswürfe.

Die finanziellen Turbulenzen am Ende der Ära Scholz kamen zu einem guten Ende, nach einem Insolvenzverfahren ging der Klub schuldenfrei in die Saison 2017/18. Die 3,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten gehören damit der Vergangenheit an, die Gläubiger erhielten übrigens 1,6 Prozent ihrer Forderungen. Dennoch dürfte die finanzielle Lage aktuell nicht so sein, dass hochkarätige Verstärkungen möglich sind.

Bei einem Zuschauerschnitt von 3600 (Auslastung 28 Prozent) ist auch die Ostalb-Arena nur spärlich gefüllt. Auf der anderen Seite laufen bei sechs Spielern die Verträge aus, unter anderem bei Sebastian Vasilidis. An dem Mittelfeldakteur sollen auch Zweitligisten interessiert sein, vom 1. FC Heidenheim kam allerdings schon ein klares Dementi.

In der Winterpause holte der VfR die beiden Japaner Natsuhiko Watanabe und Junyo Suzuki. Beide sind allerdings noch nicht spielberechtigt, noch seien, so Pressesprecher Sebastian Gehring „behördentechnische Dinge“ zu klären. Ob die College-Spieler eine echte Stärkung darstellen, ist ohnehin die Frage.