Pokal FCH fliegt gegen VfL Wolfsburg aus dem DFB-Pokal

Thomas Grüninger 26.10.2016
DFB-Pokal: Der 1. FC Heidenheim scheiterte zum dritten Mal am VfL Wolfsburg, doch bei der 0:1-Niederlage gegen den Bundesligisten lag zumindest eine Verlängerung in Reichweite.

Viel war nicht zu sehen von Nationalspieler Mario Gomez. Mathias Wittek hatte den VfL-Star während der gesamten 90 Minuten gut im Griff. Doch in der 48. Minute fackelte der Wolfsburger Angreifer nicht lange, als er nach einer kuriosen Angriffssituation an den Ball kam und mit dem Tor des Tages dem krisengeplagten Bundesligisten die Tür ins Achtelfinale des DFB-Pokals öffnete.

Dabei schien bei einem der wenigen gefährlichen Angriffe der Niedersachsen die Situation eigentlich schon bereinigt, als Daniel Caligiuri im Heidenheimer Strafraum ausrutschte und mit dieser unglücklichen Aktion für Lacher auf der Tribüne sorgte. Doch allzu lange dauerte das Amüsement für die Betrachter nicht, denn trotz des Missgeschicks erreichte der Ball noch Paul Seguin, der wiederum zu Gomez zurückpasste – und schon zappelte die Kugel im FCH-Netz.

Diese spielentscheidende Szene hatte durchaus gewissen Symbolcharakter, denn letztlich stolperte sich der VfL Wolfsburg in Heidenheim eine Runde weiter, während der FCH zwar kämpferisch und spielerisch mithalten konnte, letztlich aber die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor vermissen ließ.

Dramatischer Schlussakt

In einem typischen Pokalfight, in dem sich die beiden Mannschaften vor allem in Mittelfeld-Zweikämpfen zerrieben, mangelte es über weite Strecken an hochkarätigen Torchancen. Auf Heidenheimer Seite wurden die besten Möglichkeiten kurz vor Feierabend vergeben: Erst wurde ein Schuss des eingewechselten Dominik Widemann noch abgeblockt, wobei die Heidenheimer vergebens Handspiel reklamierten. Dann vergab Timo Beermann nach einem Drehschuss, den Torhüter Diego Benaglio parieren konnte. Und schließlich blieb auch noch ein Wittek-Schuss aus aussichtsreicher Position am Wolfsburger Bollwerk hängen.

Das alles geschah zwischen der 90. Minute und den drei Zeigerumdrehungen, die der mitunter rätselhaft leitende Schiedsrichter Benjamin Brand als Zugabe gestattete. Die finale Dramatik stellt dem FCH aber immerhin das Zeugnis aus, bis zum letzten Moment um die Pokal-Überraschung gerungen zu haben.

Auch Frank Schmidt machte seinem Team „ein Riesenkompliment für das, was die Mannschaft investiert hat“. Doch der Heidenheimer Trainer bemängelte auch, dass vor allem beim Abschluss, aber auch in anderen Situationen, etwas die Cleverness fehlte: „Wir machen einen Fehler, und Wolfsburg schießt das Tor. Andererseits können wir unsere drei, vier guten Chancen nicht verwerten.“

Auch wäre es Schmidt recht gewesen, wenn sein Team in manchen Phasen mit etwas mehr Ruhe agiert hätte. „Uns fehlten in den ersten 80 Minuten die erforderliche Zielstrebigkeit und Genauigkeit“, sagte er.

Für den VfL Wolfsburg schien das Pokalspiel auf dem Heidenheimer Schlossberg zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Der Tabellen-16. der Bundesliga musste Nationalspieler Julian Draxler (Sprunggelenk-Verletzung) ersetzen. Und nach 30 Minuten war für zwei weitere Akteure der Arbeitstag beendet: Erst verletzte sich Rechtsverteidiger Vieirinha an der Wade, dann fädelte dessen Stellvertreter Bruno Henrique bei Denis Thomalla ein und legte sich mit einer Knieverletzung selbst aufs Kreuz. „Wir haben den Sieg teuer bezahlt“, befand Wolfsburgs Trainer Valerien Ismael, der schon früh Gefahr lief, das Auswechselkontingent komplett ausschöpfen zu müssen.

Bis zur Pause sahen die 9200 Zuschauer eine ausgeglichene Partie mit je einer guten Chance auf beiden Seiten. Einen Schuss von Seguin wehrte Kevin Müller zur Ecke (19.) ab, während Diego Benaglio auf der Gegenseite einen Freistoß Thomallas über das Tor lenkte.

Nach Tor auf Nummer sicher

Nach Wiederbeginn fiel dann relativ schnell das Tor des Tages – und danach waren die Wolfsburger vor allem bemüht, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Valerien Ismael erklärte diese Marschroute vor allem mental. Nach den vorausgegangenen Niederlagen in der Bundesliga habe im Kopf der Spieler erst einmal der Gedanke vorgeherrscht, auf Nummer sicher zu gehen.

Der FCH versuchte den Druck zu erhöhen, Frank Schmidt brachte mit Bard Finne, Dominik Widemann und Tim Skarke drei weitere Offensivkräfte, doch richtige Chancen konnten die Heidenheimer kaum kreieren.

Sie mussten andererseits auch aufpassen, für das erhöhte Risiko mit einem weiteren Gegentreffer zu bezahlen. Zum Glück stand die Defensive insgesamt gut, und als Caligiuri kurz vor Schluss enteilt war, wurde er vom erneut stark spielenden Sebastian Griesbeck noch gestellt.

Der Zweitligist betrieb insgesamt einen hohen kämpferischen und läuferischen Aufwand, für den er sich aber erst in den Schlussminuten noch hätten belohnen können.

Doch letztlich endete der Traum vom erneuten Erreichen des Pokal-Halbfinales an der Kaltschnäuzigkeit des Mario Gomez. „Er hat eiskalt zugeschlagen, und das zeichnet ihn eben auch aus“, anerkannte Schmidt.

FC Heidenheim: Müller – Strauß (75. Skarke), Wittek, Beermann, Feick – Halloran (60. Finne), Griesbeck, Titsch-Rivero, Schnatterer – Verhoek (75. Widemann), Thomalla

VfL Wolfsburg: Benaglio – Vieirinha (19. Henrique, 30. Möbius), Bruma, Rodriguez, Gerhardt – Seguin, Luiz Gustavo – Blaszczykowski, Arnold (88. Knoche), Caligiuri – Gomez

Zuschauer: 9200

Gelbe Karten: Schnatterer, Müller– Seguin, Arnold

Schiedsrichter: Brand (Bamberg)