Projekt Angelo Bianco: Der Sozialpädagoge im FCH-Fanblock

Seit vier Wochen ist das Heidenheimer Fanprojekt genehmigt: Angelo Bianco knüpft zunächst einmal Kontakt zu den Fangruppen des 1. FC Heidenheim und begleitet vor allem die jugendlichen Fans bei Heim- und Auswärtsspielen.
Seit vier Wochen ist das Heidenheimer Fanprojekt genehmigt: Angelo Bianco knüpft zunächst einmal Kontakt zu den Fangruppen des 1. FC Heidenheim und begleitet vor allem die jugendlichen Fans bei Heim- und Auswärtsspielen. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Karin Fuchs 13.10.2015
Einige Fans kennen den Mann bereits, der mindestens die nächsten drei Jahre der professionelle Sozialpädagoge im Fanblock des 1. FC Heidenheim sein wird. Angelo Bianco ist Mitarbeiter im Heidenheimer Fanprojekt, das seit vier Wochen offiziell genehmigt am Start ist.

Eines vorneweg: Angelo Bianco trägt kein FCH-Fantrikot und er ist auch kein Angestellter des Zweitligavereins. Träger des Fanprojekts ist vielmehr der Verein Sicherer Landkreis, der seit Jahren in der Jugendhilfe aktiv ist. Dennoch ist das Angebot speziell für die FCH-Fans zugeschnitten, die Zielgruppe sind die Fans bis 25 Jahre.

Die jährlich 180.000 Euro an Kosten für das Fanprojekt wird zur Hälfte finanziert von der Deutschen Fußball Liga. Ein Viertel bezahlt das Land und den Rest übernehmen Stadt und Landkreis Heidenheim. Ein zweiter Sozialpädagoge wird neben Bianco in Kürze seine Arbeit im Fanprojekt aufnehmen. Der FCH zahlt dafür keinen Cent.

Warum wird der FCH nicht zur Kasse gebeten für eine Arbeit, die die eigenen Fans betrifft? „Weil wir unabhängig sein wollen“, sagt Angelo Bianco. 56 Fußballvereine in den oberen Ligen haben solche Fanprojekte und werden vom Ligaverband so gewollt. So auch das Heidenheimer Projekt.

Die Heidenheimer Fans gelten nicht als die kritischen Fans in der Zweiten Bundesliga. Warum dann das Fanprojekt? „Es gibt keinen akuten Anlass, sondern meine Arbeit soll präventiv wirken“, sagt Angelo Bianco. Bei seinen Vorstellungsbesuchen sei er überall offen empfangen worden, berichtet der 29-Jährige, der in Augsburg Sozialwissenschaft studiert hat. Die Stelle in Heidenheim scheint für ihn perfekt zu passen. In Heidenheim geboren, am MPG zur Schule gegangen , aktiv als Fußballspieler des AC Milan, kennt sich Angelo Bianco hier bestens aus.

Zuletzt aufgefallen sind die FCH-Fans mit der Geldschein-Attacke auf den Mannschaftsbus von RB Leipzig. Muss da der Fanprojekt-Mitarbeiter einschreiten? Angelo Bianco will keinesfalls Richter sein. „Es ist eben passiert“, wiegelt er ab. „Die Fans sind in der Regel sehr reflektiert, es besteht kein Bedarf zum Maßregeln.“ Er wolle die Fans nicht einschränken in ihrer Freiheit. Seine Aufgabe sehe er vielmehr im sozialpädagogischen Wirken. Das kann während eines Spiels sein, aber auch der Rat bei alltäglichen Dingen. Die Fußballszene sei die größten wachsende Jugendsubkultur in Deutschland. Das genau sei die Chance, früh an Jugendliche heran zu kommen und wenn nötig eben Hilfe anzubieten.

Das Fanprojekt wird in Heidenheim an einem Ort verwurzelt sein. Eine Fabrikhalle ist angemietet. Sobald die Baugenehmigung da ist, wird die Adresse bekannt gegeben und Bianco und die Fans können loslegen. Denn umgestaltet werden soll das Gebäude von den Fans selbst, ebenso das Logo. In der alten Fabrik soll es Platz geben, um Choreographien einzustudieren. Zudem gibt es dreimal pro Woche abends einen offenen Treff, einmal speziell für die U18-Fans. Genau zu diesen jungen Fans will Bianco einen engen Kontakt aufbauen. Bianco wird sie zu Auswärtsspielen begleiten, wenn nötig wird für die Fahrt dorthin auch ein Bus angemietet oder angeschafft.

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