Aufstieg AC Milan auf dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte

Bilder aus einem erfolgreichen Vereinsleben. Die Meistermannschaft des AC Milan Heidenheim aus der Saison 1991/92 und vier Männer, die neben etlichen anderen maßgeblich die Entwicklung des Clubs geprägt haben: (von links oben entgegen dem Uhrzeigersinn) Andrea Ravida, Maurizio Villani, Giuseppe Di Benedetto (bei einem der legendären Jahresfeste) und Giovanni Malagrino.
Bilder aus einem erfolgreichen Vereinsleben. Die Meistermannschaft des AC Milan Heidenheim aus der Saison 1991/92 und vier Männer, die neben etlichen anderen maßgeblich die Entwicklung des Clubs geprägt haben: (von links oben entgegen dem Uhrzeigersinn) Andrea Ravida, Maurizio Villani, Giuseppe Di Benedetto (bei einem der legendären Jahresfeste) und Giovanni Malagrino. © Foto: Oliver Vogel/Archiv
Heidenheim / MICHAEL BRENDEL 28.08.2014
Anfang Juni gelang dem AC Milan Heidenheim der größte Erfolg seiner bislang 47-jährigen Vereinsgeschichte: der Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga. Noch wartet der Neuling dort auf den ersten Sieg, Club-Vize Maurizio Villani ist jedoch zuversichtlich: „Es ist eine riesige Herausforderung für uns, aber wir haben eine Chance, und die wollen wir unbedingt nutzen.“

Überlegener geht's kaum: 70 Punkte auf der Habenseite, dazu ein Torverhältnis von 100:35. Unangefochten sicherte sich der AC Milan Heidenheim mit Trainer Pino Donato den Titel in der Kreisliga A. Es war der vorläufige Höhepunkt einer sportlichen Geschichte, die streng genommen 1982 begann. Damals wechselte der AC unters Dach des Württembergischen Fußballverbands und ging in der Kreisliga B auf Torejagd, nachdem er das zuvor in einer Liga für Gastarbeiter getan hatte, einer Erfindung des italienischen Konsulats in Stuttgart.

Ein Triumvirat lenkte die Geschicke: Giovanni Malagrino als Vorsitzender, Abteilungsleiter Giuseppe Di Benedetto sowie Schriftführer Andrea Ravida. Bis zum heutigen Tage treiben sie den Verein mit ihrem ehrenamtlichen Engagement an, das in der Saison 1991/92 erstmals Früchte trug. Spielertrainer Maurizio Villani, heute stellvertretender AC-Vorsitzender, führte die Mannschaft in die Kreisliga A. Vier Jahre lang hielt sich der Club dort, ehe es wieder eine Etage tiefer ging.

Zwei Jahrzehnte nach dem ersten Aufstieg glückte dieses Kunststück erneut, und abermals stand Villani an der Seitenlinie. Dieser sieht im jetzt vollzogenen Sprung in die Bezirksliga den sportlichen Erfolg einer überragenden Mannschaft, aber auch den verdienten Lohn für die Lebensleistung der Männer der ersten Stunde: „Man kann ihren Einsatz gar nicht hoch genug schätzen. Sie sind immer da, wenn man sie braucht, und haben den Verein zu dem gemacht, was er heute ist.“

Dabei galt es, mit allerlei Widrigkeiten fertig zu werden. So bereite in der Anfangszeit mangelnde Disziplin Schwierigkeiten. Immer wieder sah sich das Team wie auch andere ausschließlich mit Ausländern besetzte Mannschaften auf dem Platz Provokationen gegenüber – und reagierte dann prompt falsch: „Es gab Hitzköpfe, die schnell die Beherrschung verloren haben, und dann war der Ärger da“, räumt Villani ein.

Mittlerweile habe sich das grundlegend geändert, sagt der 57-Jährige. Das liege nicht zuletzt daran, dass heute Spieler acht verschiedener Nationalitäten im AC-Dress steckten, die sich gegenseitig perfekt ergänzten. Ohnehin sei die Kameradschaft ein wesentlicher Faktor des Erfolgs: „Es kommt nicht von ungefähr, dass noch nie ein Leistungsträger die Mannschaft verlassen hat, weil er mit den anderen Spielern nicht mehr auskam“, sagt Villani.

Vielmehr zog es immer wieder auch etablierte deutsche Akteure zum AC, beispielsweise Gerold Klinger, Peter Baamann, Freddy Finkbeiner, Thomas Potzner und Peter Gschwendner. Beinahe wäre auch ein torgefährlicher Stürmer bei den Rot-Schwarzen gelandet, der heute Geschäftsführer des Zweitligisten FC Heidenheim ist: Holger Sanwald nahm seine Zusage nur zurück, weil er kurz zuvor zum Abteilungsleiter der HSB-Fußballer gewählt worden war.

Villani gibt die Parole aus, den Zusammenhalt weiterhin zu pflegen. Das Abenteuer Bezirksliga sei für einen kleinen Verein wie den AC Milan Heidenheim mit gerade einmal 90 Mitgliedern eine riesige Herausforderung, möglicherweise sogar eine Nummer zu groß. Allerdings gebe es im Leben immer eine Chance, und sei sie noch so klein: „Auch wir haben eine, und die wollen wir unbedingt nutzen und die Klasse halten.“

Hilfreich könnte bei diesem Vorhaben ein leistungsstarker Unterbau sein, allerdings verfügt der AC seit zwei Jahren über keine eigene Jugend mehr. Das soll sich schnellstmöglich ändern, weil der Verein andernfalls eine Strafe bezahlen und außerdem mehr Geld hinblättern muss, wenn er Spieler für den Aktivenbereich verpflichten will.

Eine wichtige Rolle könnte spielen, dass der Verein nach einer langen Zeit des Nomadentums mittlerweile auf der Anlage des SV Mergelstetten eine sportliche Heimat gefunden hat. „Wir fühlen uns sehr wohl und sind der Stadt und der Führung des SVM dankbar, weil die guten Bedingungen dabei helfen, unsere Mannschaft zusammenzuhalten“, sagt Villani.

Er erinnert an die Jahre der permanenten Ortswechsel: In Ermangelung eines eigenen Vereinsgeländes wurde einst auf dem Gelände der früheren Polizeischule in den Heeräckern gespielt. Anschließend waren der schon lange nicht mehr existierende Mergelstetter Sportplatz an der Paul-Hartmann-Straße, ein Bolzplatz an der Steinheimer Straße, der Hartplatz im Rauhbuch, der Sportplatz am Fischerweg und der Hartplatz auf dem Moldenberg sowie der B-Platz hinterm Albstadion an der Reihe.

Jetzt, da neben Villani und Antonio Sabino, der seit mehr als zehn Jahren die wichtige Rolle des Spielleiters inne hat, auch Angelo Bianco (2. Abteilungsleiter) und Carlo Seddio (Manager) die immer noch umtriebigen Funktionäre der Anfangsjahre unterstützen, geht der Blick bereits in Richtung Jubiläum. Wenn sich 2017 die Vereinsgründung zum 50. Mal jährt, soll mit einer großen Feier an die aus Kostengründen vor Längerem aufgegebenen, legendären AC-Jahresfeste erinnert werden; natürlich zusammen mit einer immer noch in der Bezirksliga spielenden Mannschaft.

Spätestens dann ist es auch an der Zeit, mit dem immer wiederkehrenden Gerücht aufzuräumen, beim AC Milan Heidenheim handele es sich um eine Filiale des großen AC Mailand: Die Gründer auf der weit entfernten Ostalb wählten den Namen zwar, weil sie allesamt begeisterte Anhänger des vielfachen italienischen Meisters waren. Ein offizieller Kontakt kam jedoch trotz eingehender Bemühungen nicht zustande, und das offizielle Wappen durfte nur in abgewandelter Form übernommen werden.

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