Ellwangen Zweimal mitgefiebert, zweimal raus

Ellwangen / Luca Schmidt 29.06.2018
Das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in Russland ist bitter. Noch schlimmer ist es aber, wenn an zwei Tagen zwei Teams eines Fans ausscheiden. Das ist Godwin Osagie passiert.

Das waren drei richtig schlechte Spiele“ und „so mies waren wir schon lange nicht mehr“, war öfters zu hören, als die gut 2000 Zuschauer nach dem Deutschlandspiel den Ellwanger Marktplatz verließen. Die Enttäuschung stand den Fans ins Gesicht geschrieben; statt Autokorso fuhren die Fans in stummen Autoschlangen nach Hause.

Nur 25 Minuten vorher: Es läuft die zweite Halbzeit der Partie Deutschland gegen Südkorea, fast jeder auf dem Marktplatz ist zuversichtlich: Die Deutschen schaffen das schon noch. Bis zum 0:1 durch Young-Gwon Kim in der Nachspielzeit. Ungläubige Blicke der Besucher, und erst jetzt realisierten die meisten: Das Spiel ist das letzte bei dieser Weltmeisterschaft.

Aber wer glaubt, dass er als Deutschland-Fan arm dran ist, der sei getröstet: Es geht immer noch schlimmer. Godwin Osagie ist Nigerianer. Sein Heimatland ist bereits am Dienstag extrem unglück­lich gegen Argentinien ausgeschieden. Bis zur 86. Spielminute stand es unentschieden, Nigeria schien schon im Achtelfinale zu stehen. Dann traf Marcus Rojo zum 2:1 für Argentinien und die Afrikaner waren draußen.

Das machte Osagie aber erst mal nicht allzu viel aus. „Ich bin jetzt in Deutschland und unterstütze natürlich die deutsche Nationalmannschaft“, sagte er vor dem Spiel. Er ging fest von einem Sieg der „Mannschaft“ aus. 90 Minuten später schied auch Deutschland aus – zwei Teams innerhalb von zwei Tagen. Für Veranstalter Asma Gebreloel ist das Ausscheiden ebenfalls bitter: Das meiste Geld macht er bei Deutschlandspielen. Zwar werden die anderen Partien auch übertragen; allerdings mit deutlich weniger Zuschauern und in einem kleineren Rahmen. „Da gibt es dann eine Art Biergarten. Dort finden rund 200 Leute Platz.“ Seit 2006 veranstaltet er das Public Viewing, auch wenn ihm so zum Fußballschauen nur wenig Zeit bleibt. Er tippt vor dem Spiel auf einen 2:0-Sieg der Deutschen.

Inder sind optimistisch

Ebenfalls als Zuschauer in Ellwangen dabei waren Singh Harpreet, Singh Irvanpal und Singh Jagmeet. Die drei jungen Männer aus Indien verfolgen die Weltmeisterschaft, auch wenn ihr Team die Qualifikation nicht geschafft hat. Indien belegte in der Qualifikation in der asiatischen Gruppe D den letzten Rang – noch hinter Guam, einer Insel mit rund 160.000 Einwohnern im westpazifischen Ozean.

Trotzdem sind sie sich einig: In Indien bewegt sich beim Thema Fußball gerade einiges. So wurde 2014 die Indian Super League mit acht Mannschaften gegründet. Harpreet ist sich sicher: „Bei der nächsten Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird auch das indische Team dabei sein.“

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