Spieler greift Trainer an Ilshofen siegt, Pforzheimer Spieler wird angezeigt

Die Führung für den TSV: Ralf Kettemann verwandelt gegen Manuel Salz, mit dem er vor zehn Jahren bei den Stuttgarter Kickers gespielt hat, einen Foulelfmeter.
Die Führung für den TSV: Ralf Kettemann verwandelt gegen Manuel Salz, mit dem er vor zehn Jahren bei den Stuttgarter Kickers gespielt hat, einen Foulelfmeter. © Foto: Werner Kurz
Pforzheim / Hartmut Ruffer 08.10.2018
Der TSV Ilshofen feiert in der Oberliga seinen ersten Auswärtssieg. Der Aufsteiger gewinnt mit 2:0 beim 1. CfR Pforzheim.

Das deutlich jüngere Team hat sich durchgesetzt. Ilshofen (Durchschnittsalter 25,3 Jahre)  gewinnt mir 2:0 in Pforzheim (Durchschnittsalter 29,0 Jahre).  Dabei waren die Vorzeichen für den TSV  nicht besonders gut. Simon Wilske fiel wegen eines grippalen Infekts aus. Schlimmer erwischte es Michele Varallo. „Er hatte einen Arbeitsunfall, war kurzzeitig bewusstlos. Mittlerweile geht es ihm wieder gut, aber an einen Einsatz war nicht zu denken“, berichtete Ralf Kettemann.

Der Spielertrainer bereitete noch am späten Samstagabend per Videoanalyse die Begegnung auf. „Das mache ich meistens so. Nach einem Sieg fällt das natürlich leichter.“ Was er sah, gefiel ihm zu großen Teilen. „Nur zu Beginn hatten wir ein kleines Problem, richtig ins Spiel reinzukommen. Dann aber waren wir spielbestimmend.“ Lukas Lienert traf mit einem Schuss aus 18 Metern nur den Pfosten.

Wieszt pariert Strafstoß

In der 31. Minute herrschte Aufregung. Lukas Lindner wurde am Rande des Strafraums gefoult. Die Pforzheimer Zuschauer wollten das Vergehen außerhalb des Sechzehners gesehen haben, doch dem war nicht so: Elfmeter für Ilshofen. In diesem Moment holte Ralf Kettemann seine Vergangenheit ein. Denn 2008 spielte er zusammen mit Manuel Salz für den damaligen Drittligisten Stuttgarter Kickers. Mittlerweile steht Salz bei den Pforzheimern im Tor. „Manu hat damals fünf oder sechs Elfmeter am Stück gehalten. Das ging mir kurz durch den Kopf.“ Doch Kettemann drängte die Gedanken beiseite, legte sich den Ball zurecht und verwandelte souverän zur Ilshofener Führung.

Es folgte eine Szene, „in der wir Glück gehabt haben“. Drei Minuten nach dem Elfmeter gab es erneut Strafstoß, diesmal für Pforzheim. Jonas Wieszt hatte Dominik Salz, den Bruder von Manuel Salz, von den Beinen geholt. Doch beim Schuss von Kreshnik Lushtaku ahnte Wieszt die richtige Ecke und parierte den Elfmeter. „Das war wichtig, denn Rückschläge haben uns zuletzt gar nicht gut getan“, meinte Kettemann.

Pforzheimer geht auf eigenen Trainer los – Rippenbruch?

In der Pause des Spiels kam es zu einem Eklat: Der Pforzheimer Ersatzspieler Kushtrim Lushtaku schlug und trat seinen eigenen Trainer Gökhan Gökce zusammen. Auslöser war womöglich der von Kushtrim Lushtakus Bruder Kreshnik verschossene Elfmeter. Bei der Wahl des Schützen soll es zum Streit gekommen sein. Gökce erlitt eine Körperprellung und wurde von einem Arzt untersucht. Der 1. CfR Pforzheim erstattete Anzeige gegen Kushtrim Lushtaku, verhängte ein Stadionverbot und schloss ihn sofort aus dem Verein aus.

Herbert Schürl, der 1. Vorsitzende des TSV Ilshofen, stand zufällig hinter der Pforzheimer Trainerbank, als der Streit aufflammte. Kushtrim Lushtaku war gegen die Nominierung seines Bruders als Elfmeterschütze. „Der Ersatzspieler hat sich überhaupt nicht beruhigt und hat den Trainer auf völlig unflätige Weise beschimpft. Ich habe mir in der Pause im VIP-Zelt einen Kaffee geholt, als auf einmal der Pforzheimer Trainer, gestützt von zwei Betreuern, hereinkam. Wir dachten, dass er sich mindestens eine Rippe gebrochen hatte. Zum Glück ist das anscheinend nicht passiert. Alle waren geschockt. Das Spiel wurde normal wieder angepfiffen, bei Pforzheim haben andere gecoacht. Nach dem Spiel saß ein CfR-Verantwortlicher bei der Pressekonferenz. Er war den Tränen nahe und konnte das alles kaum fassen. Es war absolut unterste Schublade.“

Ilshofen defensiver nach der Halbzeitpause

Kettmanns Team agierte nach dem Wechsel defensiver auf dem holprigen Boden im Pforzheimer Holzhofstadion. „Wir haben es in Kauf genommen, dass der CfR mehr Ballbesitz hat, sind aber gut gestanden.“

Pforzheim, das nach eigenen Angaben einige Spieler einsetzte, die noch durch einen Infekt geschwächt waren, kämpfte. Doch viele Aktionen waren zu ungenau – Ilshofen machte geschickt die Räume eng. Das zeichnete dieses Team schon die vorherigen Oberligaspiele aus.

Je länger das Spiel andauerte, desto häufiger ergaben sich für den TSV Konterchancen. Ramazan Kandazoglu traf in der 81. Minute den Außenpfosten. 60 Sekunden vor dem Ende sorgte dann der Spielertrainer für die Entscheidung. Kettemanns Freistoß aus 21 Metern wurde von der Mauer abgefälscht und landete unhaltbar im Tor. Der TSV Ilshofen konnte über die ersten drei Punkte auf des Gegners Platz jubeln.

So spielten sie

1. CfR Pforzheim –
TSV Ilshofen

0:2

Tore: 0:1 Ralf Kettemann (32., Foulelfmeter), 0:2 Ralf Kettemann (89.)

Besonderes Vorkommnis: Jonas Wieszt (Ilshofen) hält einen Foulelfmeter von Kreshnik Lushtaku (35.)

Ilshofen: Jonas Wieszt, Carl Murphy, Dominik Rummler, Maximilian Egner, Baba Mbodji, Lamar Yarbrough, Ramazan Kandazoglu, Lukas Lienert, Daniel Schelhorn (80. Sangar Aziz), Ralf Kettemann, Lukas Lindner (90. Florian Weidner)

Schiedsrichter: Lukas Heim (Wiesental)

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