Eine aktuelle Studie der Universität Tübingen hat sich mit Gewaltvorfällen im Amateurfußball im Bereich des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) beschäftigt. Dazu wurden die vergangenen fünf Spielzeiten seit der Saison 2012/2013 mit insgesamt 745 736 Spielen hinsichtlich Spielabbrüchen mit Gewaltvorfällen (verbal und physisch) analysiert. Dies berichtet der Württembergische Fußballverband. Grundlage sind Sondermeldungen der Schiedsrichter auf dem Spielbericht.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahlen auf einem sehr konstanten Niveau bewegen. Da die Anzahl der Tätlichkeiten, insbesondere im direkten Fünfjahresvergleich, rückläufig sind, lässt sich ein Trend zur Abnahme von Gewalt auf den württembergischen Fußballplätzen konstatieren.

Zahlen für Hohenlohe ähnlich

Auch im Fußballbezirk Hohenlohe stellt sich die Situation dementsprechend dar. Die Statistik der vergangenen drei Jahre zeigt, dass die Zahl der Tätlichkeiten in der vergangenen Saison 2016/17 auf 47 zurückging. In der Spielzeit 2015/16 waren es noch 67. 2014/15 wurden 57 Tätlichkeiten begangen. Die Anzahl des Verschulden eines Spielabbruchs ging ebenfalls zurück (2016/17: 1, 2015/16: 3, 2014/15: 2).

„Die aktuelle Studie der Universität Tübingen bestätigt unsere weitreichenden Bemühungen, sowohl in der Gewaltprävention, als auch hinsichtlich der Sanktion von Gewaltvorfällen“, erklärt Matthias Schöck, Präsident des Württembergischen Fußballverbandes. „Einzelne Situationen werden wir niemals ausschließen können, aber es ist unsere Aufgabe als Verband, schnell und konsequent zu reagieren. Die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ist der Respekt voreinander. Das gilt uneingeschränkt für den Fußball und dies fordern wir von allen Beteiligen ein“.

Seminare für Sünder

Seit zehn Jahren arbeitet der Württembergische Fußballverband intensiv mit dem kriminologischen Institut der Universität Tübingen zusammen und analysiert Ursache und Wirkung der Gewalt auf den württembergischen Sportplätzen. Gegenstand der Analyse sind insbesondere Spielabbrüche, Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter oder grobe Übergriffe. Erstes konkretes Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die Einführung präventiver Maßnahmen zu Beginn der Spielzeit 2009/10 mit drei wesentlichen Neuerungen. Seitdem sind beide Mannschaften zum Handschlag vor dem Spiel aufgerufen, die Trainer haben sich an einer „technischen Zone“ zu orientieren und  – die weitreichendste Maßnahme – die beteiligten Vereine haben Platzordner zu stellen, zu kennzeichnen und zu instruieren.

Zusätzlich bietet der Württembergische Fußballverband an Wochenenden regelmäßig Anti-Aggressions-Seminare für Vereine und einzelne Spieler an, die vom Sportgericht aufgrund von Gewaltvorfällen bestraft wurden. Im Jahr 2017 waren es 26 Veranstaltungen mit insgesamt 336 Teilnehmern, davon elf Seminare mit Einzelpersonen und 13 mit Mannschaften. Die betroffenen Vereine und Spieler werden laut der WFV-Spielordnung zu den Fortbildungsveranstaltungen verpflichtend eingeladen.

Schrozberger Akteur bedrängt Referee


Mit einem aktuellen Fall eines Spielabbruchs musste sich das Sportgericht des Hohenloher Fußballbezirks beschäftigen. Bei der Partie TSV Schrozberg – TSV Laudenbach am 5. November (Kreisliga B4) kam es in der 70. Minute zu einer Strafstoßentscheidung. Ein Spieler des TSV Schrozberg stürmte daraufhin wutentbrannt auf den Schiedsrichter zu und bedrängte ihn. „Hierbei kam es zu einem Körperkontakt“, heißt es in der Mitteilung des Verbands. Daraufhin brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Die Begegnung wird nun für den TSV Schrozberg mit 0:3 Toren als verloren gewertet. Gegen den Spieler wurde eine Sperrstrafe vom 6. November bis zum 25. Februar (längstens jedoch 16 Spiele) sowie eine Geldstrafe verhängt. Bei der Bemessung der Geldstrafe gegen den Spieler wurde berücksichtigt, dass die Sperrstrafe teilweise in die spielfreie Winterpause fällt.