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Crailsheim / Joachim Mayershofer  Uhr
Der Klassenerhalt der B-Juniorinnen des TSV Crailsheim in der Bundesliga Süd sichert das Überleben der Abteilung. Sponsoren und Unterstützer werden dringend gesucht.

Die B-Juniorinnen des TSV Crailsheim haben am Wochenende mit einem 4:1-Sieg gegen den direkten Abstiegskonkurrenten 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt in der Bundesliga Süd geschafft – für die Frauenfußballabteilung ein immens wichtiger Erfolg, wie Abteilungsleiter Günther Herz erklärt. „Wenn wir bei den B-Juniorinnen nicht die Liga gehalten hätten, dann wäre das das Aus für den höherklassigen Frauenfußball beim TSV Crailsheim gewesen.“ Wohlgemerkt nicht das Aus für die Abteilung, wie Herz betont. „Aber die Frage wäre gewesen: Auf welchem Niveau wäre es dann weitergegangen? Jetzt fließt noch der ein oder andere Euro vom DFB an uns.“ Denkbar wäre zum Beispiel gewesen, dass sich die erste Frauenmannschaft aus der Regionalliga Süd zurückgezogen hätte.

Stellenwert geht verloren

Das große Problem sei, dass kaum noch Sponsoren zu finden seien, die sich ohne Gegenleistung engagieren („Wir haben eben keine VIP-Lounge, wo man bei Spielen etwas essen kann“), sagt Herz und wirkt dabei leicht resigniert. „Ich habe 100 Briefe an mögliche Sponsoren geschickt und bis jetzt, bis auf eine Privatperson, noch keine Zusage erhalten. Ich telefoniere gerade noch viel nach.“ Der Respekt vor dem Amateursport sei „leider nicht mehr gegeben. Der Frauenteamsport, egal ob Handball, Basketball oder Fußball, hat seinen Stellenwert verloren. Wir spielen mit den Frauen in der dritthöchsten von neun Ligen, mit den B-Mädchen sogar in der Bundesliga, der höchsten von fünf Klassen“, erklärt Herz.

Die Crailsheimer B-Juniorinnen haben den Klassenerhalt in der Bundesliga Süd geschafft.

70.000 bis 80.000 Euro muss die Frauenfußballabteilung pro Jahr in etwa aufbringen, um den Spielbetrieb für den Frauen- und den Nachwuchsbereich gewährleisten zu können. Zwischen 20.000 und 30.000 Euro fehlen derzeit noch zu dieser Summe. „Das ist etwa der Betrag, den ich letzte Saison selbst investiert habe“, verrät Günther Herz und ergänzt. „Das haben vor mir auch schon andere privat investiert.“ Private Mittel in dieser Höhe in die Abteilung hineinzustecken, sei nicht Sinn und Zweck des Ehrenamts, so Herz.

Bis zur Abteilungsversammlung am 17. Juni muss der Abteilungsleiter den Finanzierungsplan für die kommende Runde vorlegen. „Das fällt mir als Betriebswirtschaftler Stand jetzt schwer, muss ich zugeben.“ Deswegen geht er heute und morgen im Kaufland in der Schönebürgstraße auf die Suche nach Unterstützern. „Im Förderverein kann man sich schon mit einem Euro monatlich beteiligen“, erklärt Günther Herz. Eine Woche später, am Freitag und Samstag, 14. und 15. Juni, versucht er dasselbe dann im Kaufland in Roßfeld.

„Unser Ziel ist es, dass die Leute ständig einen kleinen Beitrag leisten. Der Raum an Großsponsoren ist wohl ausgelutscht. Wir sind in der Region hier ein Stück weit weg vom Schuss, haben keinen Hochschulstandort in der Nähe. Wenn unsere jungen Spielerinnen studieren gehen, dann ist es schwierig, dass sie weiter ins Training kommen können“, sagt Herz. Sechs B-Juniorinnen rücken nächste Saison altersmäßig zu den Frauen auf, ob alle in Crailsheim bleiben werden, ist noch unklar. Neun Frauen verlassen den Verein. „Ich kann derzeit keine Fahrtkosten versprechen, das macht die Suche nach Neuzugängen natürlich schwierig“, erklärt Herz.

Jugendfußball-Bundesliga Krimi um Klassenerhalt

Der TSV Crailsheim muss im Schönebürgstadion unbedingt gegen den 1. FC Nürnberg gewinnen.

Lizenzen sind vorgeschrieben

Benzingeld und Gehälter für fünf Trainer sind die größten Kosten, die die Abteilung stemmen muss. „Bei uns gibt es keine Siegprämien“, sagt Günther Herz. Der Coach der Regionalliga-Frauen muss mindestens den B-Schein vorweisen können, der Trainer der Bundesliga-B-Juniorinnen die DFB-Elite-Jugend-Lizenz.

Momentan sei sein Job nicht vergnügungssteuerpflichtig, gibt der Abteilungsleiter zu. „Der Aufwand wird immer größer, die Sponsoren werden dagegen immer weniger. Und einen guten neuen Trainer zu finden, der bezahlbar ist und hierher kommen will, ist auch schwierig.“ Trotzdem sei er positiv gestimmt, dass alles klappt, betont Herz.

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