„Ich weiß, wie Hohenloher ticken“, meinte Harald Müller, der Vorsitzende des WFV-Spielausschusses, Mitglied des WFV-Vorstandes und einer der beiden Leiter der Kommission Verbandsstruktur des Württembergischen Fußballverbandes (WFV). Am Ende des Halbzeit-Infoabends des Fußballbezirks Hohenlohe dürfte aber Müller klar geworden sein, dass die Hohenloher doch anders ticken als gedacht. Und als wollte sich der WFV-Funktionär schon vor seinem Sachvortrag unbeliebt machen, erläuterte er am Freitag den mehr als 120 Vereinsvertretern im Foyer der Gaildorfer Sporthalle, was unter dem Begriff „Hohenlohe“ zu verstehen sei. Nach seiner Auffassung fallen die Vereine aus dem Landkreis Hall jedenfalls nicht darunter.

Ziel der Strukturveränderung ist für Müller die Steigerung des Wettbewerbs. Die Notwendigkeit zeige sich daran, dass kein WFV-Verein in der Bundesliga spielt – was das mit Hohenlohe zu tun hat, blieb im Dunkeln. Im Schnelldurchlauf ging Müller auf die von der Kommission ausgearbeiteten Vorschläge zur neuen Spielstruktur ein. Dies war kein Problem, denn abgesehen von wenigen Vereinsvertretern hatten die vorgeschlagenen Strukturen nach den Regionalkonferenzen die Runde gemacht.

Müller erläuterte auch noch ganz kurz weitere Vorschläge für eine neue Struktur, die aus seiner Sicht aber zu viele Schwachstellen aufgewiesen haben und deshalb von der Kommission nicht weiterverfolgt wurden.

Chef des Spielausschusses will weniger Kreisligen A in Hohenlohe

Eine Variante der neuen Struktur sieht eine Aufteilung des Bezirks Hohenlohe vor. Und als wollte es sich der WFV-Spielausschusschef auch noch mit letzten Vereinsvertretern im Saal verderben, stellte er die Begrüßungsworte des Bezirksvorsitzenden Ralf Bandel infrage. Der meinte: „Im Bezirk Hohenlohe läuft es reibungslos.“ Doch Müller sieht „Änderungsbedarf: Drei Kreisligen A sind eine zu viel.“ Statt der vier Kreisligen B forderte er bis zu sechs. Zudem wiederholte der WFV-Funktionär die Aussage, dass sich Fahrstrecken zwischen den Spielorten nur geringfügig verlängern. Schon in den Regionalkonferenzen wurden daran Zweifel laut – ebenso wie an der Zusicherung, dass die Kommission ergebnisoffen und transparent die Struktur untersuche.

Diese Zweifel kamen auch beim Halbzeit-Infotag auf. Kaum jemand im Saal hielt es für glaubhaft, dass die Entscheidung nicht schon längst gefallen ist. Was den Vereinen Sorgen macht, ist nicht die Bezirksstruktur, die sie gerne behalten möchten, sondern der Nachwuchs. Da bringe ein Verschieben der Bezirksgrenze keine Besserung.

Stellvertretender Bezirksvorsitzender kämpft gegen Vorschläge

Mit seiner Meinung hinter dem Berg zu halten, das ist nicht unbedingt die Sache von Hartmut Megerle. Mit den Vorschlägen der Kommission steht der Stellvertretende Bezirksvorsitzende und Bezirksspielleiter auf Kriegsfuß. Dies wurde schon bei der Regionalkonferenz in Heilbronn-­Frankenbach deutlich. Dort konfrontierte er die Kommission mit der Frage: „Der Antrag auf dem WFV-Verbandstag lautet Überprüfung und gegebenenfalls Änderung der Verbandsstruktur. Warum unterhält man sich dann über Änderungen der Bezirke und des Spielsystems.“ Eine Antwort wurde ihm von den WFV-Funktionären in Aussicht gestellt. Er solle sich gedulden. „Ich habe sie bis heute nicht bekommen“, sagte er nun in Gaildorf. Und dort bekam er sie auch nicht. Megerle verwahrte sich auch gegen die Kommentare zum Spielsystem im Bezirk: „Wir brauchen niemanden, der uns in den Bezirk Hohenlohe reinpfuscht.“

Vielmehr sollten sich der Verband und die Kommission an den Interessen der Vereine orientieren. Die fragte Megerle in eine Online-Umfrage unter den Hohenloher Vereinen ab. 170 machten dabei mit. Rund 73 Prozent sprachen sich gegen eine Reduzierung der Zahl der Bezirke aus. Und sollte es zu einer Änderung der Struktur kommen, dann sollte kein Bezirk zerschlagen werden, meinten rund 92 Prozent. 98,4 Prozent der Vereine sprachen sich dafür aus, dass der Bezirk Hohenlohe selbstständig bleibt. Auch fanden 95,8 Prozent, dass der Spielbetrieb in Hohenlohe gut organisiert ist.

Obgleich diese Zahlen im Gegensatz zu den vom WFV verbreiteten Zustimmungswerten für eine Strukturreform stehen, wollte Müller nicht darauf eingehen. WFV-Geschäftsführer Ralf Gabriel bedauerte, dass hier „parallele Strukturen“ geschaffen worden seien. Der WFV stellte im März 2019 eine Beteiligungsplattform ins Netz. Dort sind nach zehn Monaten bislang aber nur rund 30 Einträge in vier verschiedenen Themenbereichen aus dem gesamten WFV-Gebiet verzeichnet.

Megerle droht: Wenn Hohenlohe zerstückelt wird ist „Schluss für mich“

Megerle befürchtet, dass die Entscheidungen für das Model 1-4-12b und damit für die Zerstückelung des Bezirkes Hohenlohe längst gefallen ist. „Es kann nicht sein, dass man Hohenlohe kaputt macht!“ Das klang nach einem Hilfeschrei. „Eine Zerschlagung wird aber den WFV in seinen Grundfesten erschüttern“, gab der Hohenloher Bezirksspielleiter den WFV-Vertretern mit auf den Heimweg – und den mehr als 120 Vereinsvertretern: Wird der Bezirk Hohenlohe aufgeteilt, „dann ist für mich Schluss. Hohenlohe abwickeln. Dass mach ich nicht“.

Der Zielkorridor


Variante 1-4-12: Unter der Verbandsliga gibt’s wie bisher 4 Landesligen. Die Zahl der Bezirksligen wird von 16 auf 12 reduziert. Die Zahl der Teams variiert zwischen 104 bis 190. Unter der Bezirksliga (16 Teams) kommen 2 bis 3 Kreisligen A (je 16). Unter jeder Kreisliga A sind 2 Kreisligen B (je 14).

Variante 1-3-9: Unter der Verbandsliga stehen 3 Landesligen und 9 Bezirke (mit jeweils 194 bis 240 Teams). Die große Zahl von Mannschaften macht allerdings die Einführung der Kreisliga C notwendig. jjs