Obersontheim / Guido Seyerle

Wenn Obersontheim II auf den SC Bühlertann traf, dann sah es in den vergangenen vier Vergleichen schlecht aus für den TSV. Zwölf Gegentreffer hagelte es. „Ich habe Vertrauen, das Team wird nicht absteigen“, sagte das Obersontheimer Fußball-Urgestein Harry Schwerin trotzdem kurz nach Spielbeginn. Da stand es bereits 0:1, der TSV schien endgültig in der Abstiegsregion fest zementiert.

Dem Führungstreffer der in Grün gekleideten Bühlertanner war eine Abwehrschwäche der Gastgeber vorausgegangen. Sie brachten den Ball nicht aus dem Strafraum, der lange verletzte Marco Fischer hielt bei seinem Comeback aus kurzer Distanz einfach drauf und traf. Danach kam von den Gästen wenig, von den Obersontheimern gar nichts.

Aufregung am Spielfeldrand

Dafür tat sich einiges am Spielfeldrand. Weil der TSV-Kunst­rasenplatz an einer der windigsten Stellen der Gemeinde erbaut worden ist, stürmte es heftig. Doch zum Frieren blieb keine Zeit, denn die Emotionen kochten an der Seitenlinie über. Michael Schmidt spielte den Ball mit dem Knie, das Spielgerät rollte ins Aus. „Wir haben uns nichts Böses gesagt, keiner von uns“, berichtete der SC-Trainer Andreas Kurz in der Halbzeitpause. Lautstark war es aber. Der sicher leitende Schiedsrichter Thomas Spang zeigte dem TSV-Spieler die Gelbe Karte, Trainer Kurz wurde zum ersten Mal in seiner Laufbahn des Platzes verwiesen und musste sich in den Regen hinter den Ballfangzaun stellen.

Am Spielgeschehen änderte sich nichts. Bei Obersontheim erreichten nur wenige Bälle den Mitspieler. Bühlertann wartete ab – und hoffte bei den sehr wenigen TSV-Gelegenheiten auf Torhüter Noah Ehrmann. Der hatte in der 22. Minute den platzierten Kopfball von Nico Otterbach gerade noch aus dem linken Eck gefischt.

Der Obersontheimer Bezirksliga-Torwart Eugen Frescher machte sich in der Pause am Spielfeldrand warm und meinte: „Bei dem Sturm ist das ein pures Glücksspiel. Da fliegt kein Ball geradeaus.“ Die Bühlertanner nahmen sich im Mannschaftskreis vor, bei Freistößen und Eckbällen energisch auf den Ball zu gehen und den TSV früh unter Druck zu setzen. Doch es war klar, dass es bei den widrigen äußeren Bedingungen immer wieder zu nicht gewollten Situationen kommen würde. In der 59. Minute war es allerdings ausnahmsweise etwas windstill. Plötzlich war der eingewechselte Niklas Häusinger 25 Meter vor dem Tor frei, zog Richtung Gästegehäuse und traf mit einem energischen Schuss aus 16 Metern zum 1:1, nachdem der Ball kurz zuvor noch nach einem Standard nur an den Pfosten gegangen war.

Treffer aus dem Gewühl

Danach wurde die Partie etwas lebhafter. Nach kleineren Chancen auf beiden Seiten sagte Kurz zehn Minuten vor dem Ende: „Ein Punkt wäre bei dem Lotteriespiel okay. Das hat nichts mit einem Fußballspiel zu tun.“ Sein Gegenüber Yavuz Tuncel stimmte ihm zu: „Einer ist besser als keiner.“ Doch die Spieler hielten sich nicht daran. Der in der 80. Minute eingewechselte Tom Schlosser, sonst in der Jugend aktiv, stocherte nach einem Gewühl am Fünfmeterraum den Ball kompromisslos zum 2:1 über die Linie (89.). Die Gastgeber gewannen damit etwas glücklich das Derby vor den 150 Zuschauern und klettern auf Rang 12.

So spielten sie

TSV Obersontheim II –
SC Bühlertann

2:1

Tore: 0:1 Marco Fischer (5.), Niklas Häusinger (59.), 2:1 Tom Schlosser (89.)

Obersontheim II: Köger, Schmidt, Coblenz, Aller, M. Schwerin, Häusinger (80. Schlosser), Söllner, Wagner, Moser (46. Spitzenberger), Glasbrenner, Otterbach

Bühlertann: Ehrmann, Knobel, Zauner, Fischer, Idler, Wengert (62. Engel), Heese, Schneider (71. Lang), Müller (66. Stoll), Köbler, Wengert