Fußball-Landesliga Taugt dem TSV die Außenseiterrolle?

In der Landesliga gab es für den TSV Crailsheim (gelb) mit Tamás Herbály (am Ball) und Marc Wagemann (im Hintergrund) am Wochenende eine Nullnummer gegen die TSG Öhringen.
In der Landesliga gab es für den TSV Crailsheim (gelb) mit Tamás Herbály (am Ball) und Marc Wagemann (im Hintergrund) am Wochenende eine Nullnummer gegen die TSG Öhringen. © Foto: Bernd Wolf
Crailsheim / Klaus Helmstetter 30.10.2018
Der TSV Crailsheim trifft am Mittwoch im Achtelfinale des WFV-Pokals auf Oberligist SSV Reutlingen. Dort fungiert der Ex-TSV-Spieler Volker Grimminger als Co-Trainer.

Ein ganz besonderer fußballerischer Leckerbissen wartet am Mittwoch auf die hiesigen Fußballfans. Im Achtelfinale des WFV-Pokals hat Landesligist TSV Crailsheim ein Team mit bekanntem Namen zu Gast. Der SSV Reutlingen kommt ins Schönebürgstadion, seines Zeichens aktuell Zweiter in der Oberliga, einen Punkt zurück hinter Tabellenführer FC Villingen.

Am Wochenende gewannen die Reutlinger das Spitzenspiel der Oberliga mit 1:0 gegen den Bahlinger SC. Auf der Bank hatte Volker Grimminger das Sagen. Eigentlich Co-Trainer beim SSV vertrat er Teodor Rus, der sich bei der Trauerfeier für seine Mutter in Rumänien aufhielt.

Grimminger früher beim TSV

Der Name Volker Grimminger wird den heimischen Fußballfans bekannt vorkommen. In der Saison 2003/04 trug er für eine Spielzeit das Trikot des TSV Crailsheim. Trainer war seinerzeit Martin Hägele. Mit im Kader vertreten waren damals bekannte Namen der lokalen Kickerzunft. Unter anderem spielten Petar Kosturkov, Ralf Kettemann, Timo Dörflinger oder Werner Rank in dieser Phase im Dress des TSV. „Wir hatten eine tolle Saison. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück und freue mich, wieder einmal dorthin zurückzukehren“, betont Grimminger. „Jetzt habe ich ein paar Bilder angeschaut und muss feststellen: Es hat sich viel verändert. Zum Beispiel gab es damals noch keine Tribüne im Stadion“, berichtet Grimminger, der „drei vier, Jahre“ in Waldtann gewohnt hat.

Reutlingen hat in den bisherigen WFV-Pokalrunden bei der Spvgg Trossingen und dem SSC Tübingen jeweils 7:0 gewonnen. Im Anschluss gab es einen 5:1-Erfolg beim FV Rottweil.

Die Crailsheimer hatten die Nase gegen den SV Fellbach (3:0) und Germania Bietigheim (3:1) vorn – beide Mitstreiter aus der Landesliga. Dann folgte in Runde 3 der Pokalcoup gegen den benachbarten Oberligisten TSV Ilshofen (6:5 nach Elfmeterschießen).

Reutlingen klarer Favorit

Sportlich geht der Oberligist natürlich als Favorit ins Rennen. „Aber“, bemüht Volker Grimminger alte Fußballer-Weisheiten, „der Pokal hat seine eigenen Gesetze und wir wollen auf keinen Fall den Fehler begehen, die Crailsheimer zu unterschätzen. Natürlich haben wir uns mit dem TSV beschäftigt.“ Zu welchen Erkenntnissen er dabei gekommen ist, wollte Grimminger nicht verraten. „Zu was sie in der Lage sein können, haben sie gegen Ilshofen im Pokal unter Beweis gestellt. Wir wollen auf jeden Fall am Mittwoch voll da sein und in die nächste Runde einziehen.“

Ziel für den SSV in der Oberliga ist es, „besser als letzte Saison abzuschneiden. Da sind wir Siebter geworden“, führt Grimminger weiter aus. So gesehen läuft es bis dato eigentlich besser als erwartet. „Unser Kader passt gut zusammen. Wir haben keine Grüppchenbildung. Keiner ist böse, wenn er mal auf die Bank muss“, nennt Grimminger Gründe beim Namen. Aus Schweinfurt gekommen, hat er eine Saison in Crailsheim gekickt, ist dann nach Sandhausen weitergezogen. „Mit 29 Jahren bin ich Sportinvalide geworden. Zweimal habe ich davor Bandplastiken eingesetzt bekommen. Doch danach war mit höherklassigem Fußball nichts mehr drin.“ Nach einer Pause fand der jetzt 39-Jährige schließlich mittels Trainergeschäft zurück zur kickenden Zunft.

„Für uns ist es eigentlich eine sehr einfache Ausgangslage. Reutlingen spielt in der Oberliga, ist dort eine Spitzenmannschaft, hat einen 25-Mann-Kader, ist vom Umfeld und von der Struktur her eher Richtung Profitum ausgerichtet“, überlegt Michael Gebhardt. „Wir haben es uns hart erarbeitet, dieses Pokalspiel unter Flutlicht austragen zu dürfen und freuen uns auf ein tolles Event mit hoffentlich vielen Zuschauern“, fügt der Crailsheimer Trainer hinzu.

In der Landesliga rangieren die Crailsheimer auf dem elften Platz. Zuletzt lieferte der TSV im Bezirksderby gegen die punktgleiche TSG Öhringen eine Nullnummer ab. „Nachdem wir in den Heimspielen davor sieben Gegentore kassiert haben, war natürlich wichtig, dass wir in der Defensive stabil stehen. Was die Umschaltbewegung gegen den Ball und die Kompaktheit angeht, war ich zufrieden. Und wir hätten das Spiel sogar noch gewinnen können“, bilanziert Michael Gebhardt.

„Beim einen oder anderen zwickt und zwackt es hier oder da. Vielleicht wird es deshalb auch personelle Wechsel geben. Das bleibt abzuwarten“, befindet der Trainer. Sicher fehlen werden dem Vernehmen nach Tobias Hertfelder (Verletzung am Mittelfuß) und Niko Schneider.

An eine Pokalsensation mag Matthias Koch, frischgebackener Abteilungsleiter des TSV Crailsheim, für Mittwoch nicht so recht glauben. Auf fünf Prozent beziffert er die Wahrscheinlichkeit. „Reutlingen hat einen guten Lauf in der Oberliga, bei uns ist der Trend eher gegenläufig.“

Auflagen zu erfüllen

Die Gastgeber haben für das Spiel einige Auflagen von Stadt und Polizei zu beachten. Grund: Vorkommnisse mit Reutlinger Fans in der Vergangenheit. „Für die Gäste ist eine separate Zone mit entsprechendem Eingang und auch Verpflegungsstand vorzusehen. Die Polizei wird voraussichtlich mit etwa 15 Leuten vertreten sein. In dieser Größenordnung werden sich zusätzlich ein Security-Team und Ordner des Vereins vor Ort aufhalten.“ Matthias Koch hofft auf 500 Besucher am Mittwoch, hält aber „300 wohl eher für realistisch“.

Info

TSV Crailsheim – SSV Reutlingen, Mittwoch, 18.30 Uhr

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel