Die Stimmung ist locker, der ein oder andere Witz wird am Montagabend im Tagungsraum in der Feuerwache Ost in Hessental gerissen. Rund 30 Unparteiische kommen zur letzten Schulung der Schiedsrichtergruppe Schwäbisch Hall in dieser Saison. Die personelle Gesamtsituation bei den Haller Schiris lässt bei den Verantwortlichen im Moment eher die Sorgenfalten wachsen, als dass man es auf die leichte Schulter nehmen kann.

„Normalerweise sind um die 60 Leute bei den Schulungen. Wegen der Ferien sind es aber diesmal weniger“, erklärt Lars Krimmer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Fußballbezirk Hohenlohe und selbst Schiedsrichter für den SV Gailenkirchen. Krimmer machen aber nicht die Ferienzeiten Sorgen, sondern die generelle Entwicklung bei den Schiedsrichterzahlen. „Im vergangenen Jahr hatten wir nur noch 76 anrechenbare Schiedsrichter in unserer Gruppe.“ Zum Ende dieser Saison werden es wohl lediglich 70 sein. Anrechenbar für die Statistik ist ein Schiedsrichter, wenn er im Regelfall mindestens 15 Partien in einer Saison leitet und an vier Schulungen teilnimmt.

Rund 30 Schiedsrichter fehlen

Eigentlich bräuchte die Gruppe aber mehr als 100 Schiedsrichter. Diese Zahl ergibt sich aus der Anzahl der Mannschaften (Aktive, Jugend, Frauen), die die Vereine aus dem Altkreis Hall im Wettbewerb haben (ein benötigter Schiri pro Mannschaft). Manche Teams zählen drei Schiedsrichter, weil sie in einer überregionalen Liga spielen. Diese Spiele werden von einem kompletten Gespann mit zwei Assistenten geleitet. Manche Vereine nehmen die Strafe in Kauf, die man für zu wenige Schiedsrichter entrichten muss, anstatt Nachwuchs für die Schiedsrichter-Ausbildung zu generieren. Die Strafe kann ein vierstelliger Betrag pro Saison sein.

Vor sechs Jahren war die Bilanz noch ausgeglichen. Mittlerweile fehlen rund 30 Prozent der Schiedsrichter im Vergleich zu 2013. „Spiele in der E-Jugend und jünger werden gar nicht mehr von uns besetzt. Da müssen die Heimvereine einen Schiedsrichter stellen“, verdeutlicht Krimmer. Die Personalnot sei mittlerweile deutlich spürbar. „Die Planung steht jedes Wochenende auf der Kante. Wenn jemand krank wird zum Beispiel, wird es extrem knapp, die Spiele neu zu besetzen.“ Fehlt beispielsweise ein Bezirksliga-­Schiedsrichter, darf er nicht von jemandem ersetzt werden, der nur Kreisliga pfeifen darf.

Die Gründe für den Rückgang sieht Krimmer zum einen im Umgang auf dem Sportplatz. Ein Neuling mache eben Fehler. Aber wenn er nach dem Spiel verbal angegangen werde von Trainern, Betreuern oder Eltern, dann vergehe bei vielen wieder die Lust am Pfeifen. Körperliche Übergriffe auf die Schiris habe es im Haller Bereich – anders als beispielsweise in Fellbach – noch nicht gegeben.

Auch das Image der Schiedsrichter in den Medien sei nicht das beste. „Es werden immer nur die Fehlentscheidungen gezeigt und darüber diskutiert. Wenn der Schiedsrichter eine gute Leistung bringt, interessiert das niemand“, spricht Krimmer das Dilemma an.

Um gemeinsam neue Ideen und Lösungen für das Personalproblem zu finden, lädt die Schiedsrichtergruppe nun die heimischen Vereine zu einem Dialog ein. Acht, neun Clubs hätten sich schon angemeldet. „Es soll ein Austausch werden. Den Vereinen muss klar werden, dass es ohne Schiedsrichter keinen Fußball gibt“, so Krimmer.

Info Zum Vereinsdialog trifft sich die Schiedsrichtergruppe mit den Vereinen aus dem Altkreis Hall am Montag, 1. Juli, um 19.30 Uhr im Vereinsheim des TSV Hessental. Vereinsvertreter können sich per E-Mail beim Obmann Volker Stellmach anmelden.

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