Ab wann sind Kinder reif für den Wettbewerbsgedanken? An dieser Frage scheiden sich momentan die Geister im Bereich des Jugendfußballs – und zwar bei den ganz Kleinen. Während bei den Bambini, also bei den bis zu Sechsjährigen, der „Fair-Play-Modus“ gang und gäbe ist und sich bewährt hat, wurde dieses Jahr beim HT-Cup in den Hagenbachhallen auch das F-Jugend-Turnier in dieser Variante ausgetragen – sprich ohne gezählte Tore, daher auch ohne Ergebnisse. Am Ende sind alle Mannschaften Sieger. Die Sieben- und Achtjährigen spielten auf Handball-Tore mit vier Feldspielern und einem Torwart. Das Spielfeld war quer über eine Hallenhälfte.

Wettkampf ist im Fußball wichtig

„Eigentlich finde ich es nicht so gut. Man sollte den Wettkampf auch in diesem Alter zulassen. Die Kinder wollen sich ja messen“, sagt Tobias Walter. Er ist einer von drei Trainern der F-Jugend der SGM Rosengarten. 23 Kinder vom SV Westheim und dem SV Rieden trainieren gemeinsam in dieser Spielgemeinschaft. „Als wir damals klein waren, hat uns der Wettkampf auch nicht geschadet.“

Fußballturnier HT-Cup 2020 in den Hagenbach-Hallen

Während der zehn Minuten langen Spiele achtet Walter darauf, dass nach fünf Minuten ein Blockwechsel stattfindet, also die vier Feldspieler gleichzeitig gegen vier andere Kinder ausgewechselt werden. „Wir schauen danach, dass alle gleich oft von Beginn an spielen“, so Walter.

„Kinder wollen mitzählen“

Kein Fan von der „Fair-Play-Variante“ bei der F-Jugend ist auch Michael Loos. Der Trainer der SGM Niedernhall/Weißbach spricht sich auch für die klassische Wertung der Turniere aus. „Vor allem beim älteren Jahrgang macht es keinen Sinn. Diese Kinder wollen schon auf die großen Tore spielen und mitzählen. Aber so nimmt man dem Fußball alles weg, was ihn ausmacht.“ Sein Team habe vor kurzem an einem Hallenturnier in Weikersheim teilgenommen. Der Veranstalter dort habe sich über die Vorgaben hinweggesetzt und den Fair-Play-Modus ausgesetzt. „Es gab zwar am Ende für alle die gleichen Medaillen, dennoch wurden Viertelfinale, Halbfinale und Finale ausgespielt und gezählt.“ Ganz ohne Nebengeräusche für den Veranstalter sei das Hinwegsetzen nicht verlaufen, weiß Loos. Für die Idee, dass es dann auch noch in der E-Jugend, wie vom Verband wohl angedacht, zur Fair-Play-Variante kommt, fehlt Loos jegliches Verständnis.

Der Meinung, dass der neue Modus vor allem für die Älteren in der F-Jugend keinen Sinn macht, ist auch Sebastian Sieber vom VfL Mainhardt. Schwierig zu vermitteln sei auch, dass es keinen Schiedsrichter gibt. Regelverstöße sollen die Kinder untereinander und zusammen mit den Trainern klären. „Aber wenn es nach einem Foul einfach weitergeht, ist es schon komisch für die Kinder.“ Auch das Thema mit den Grätschen, die in der Halle eigentlich nicht angewandt werden sollen, sei schwierig, weil kaum eine Grätsche von den Trainern geahndet wird. „Aber generell ist die Kommunikation unter den Trainern sehr gut“, lobt Sieber.

Fast noch wie Kinderturnen

Großer Trubel herrschte am Samstagmorgen bei den Bambini. Eltern, Großeltern, Geschwister – alle wollten ihre kleinen Lieblinge im Drei-gegen-Drei auf dem Kleinfeld sehen. „Oft sieht es natürlich noch aus wie ballorientiertes Kinderturnen“, sagt Andreas Köhler, einer von zwei Bambini-Trainern beim Tura Untermünkheim. Auch sein Sohn Nik­las (5) ist mit dabei. „Wir haben Kinder dabei, die gerade mal vier sind. Und andere sind schon sechs Jahre alt. Da ist der Niveauunterschied natürlich deutlich. Dem muss man dann auch im Training gerecht werden. Für die Kleinen nimmt man als Trainer quasi eine Vaterrolle ein“, sagt Köhler. Der Tura sei zum ersten Mal mit den Bambini beim HT-Cup. „Es ist ein schönes Turnier, dass sehr gut organisiert ist“, erklärt Köhler, der früher selbst als Torwart beim Tura auf dem Feld stand.

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