Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist und der Körper neue Energie tanken kann“, sagt Lisa Wich, die mit dem TSV Crailsheim die Runde in der Regionalliga Süd auf dem sechsten Platz abgeschlossen hat. Die Erholung ist notwendig, denn mit dem Körper hatte die 28-Jährige in ihrer Laufbahn einige Probleme. Zwei Bandscheibenvorfälle bremsten die Vollblutstürmerin, die über ihren älteren Bruder Christian mit sechs Jahren zum Fußball gekommen ist, lange Zeit aus. „Jetzt geht es mir aber richtig gut, der Kopf ist frei, es macht wieder großen Spaß zu spielen“, sagt die Angreiferin, die in dieser Saison sieben Tore in 23 Spielen erzielte.

Bundesliga-Traum wird wahr

Seit 2008/09 trägt Lisa Wich das Trikot des TSV Crailsheim. Als Teenager machte sie ihren ersten Kontakt mit dem TSV bei einem internationalen Turnier in Heidenheim, als ihre damalige Mannschaft auf die Horaffen traf. Der konkrete Kontakt mit Abteilungsleiter Hubert Oechsner entstand durch eine Mitspielerin, die ebenfalls nach Crailsheim wechselte. Mit 17 Jahren spielte Lisa Wich schon in der Bundesliga, traf in 17 Erstligaspielen dreimal. „Das war schon Wahnsinn. Zum Beispiel die langen Auswärtsfahrten mit Übernachtung vor den Spielen. Ich komme von einem kleinen Dorfverein und durfte dann gegen bekannte Nationalspielerinnen wie Birgit Prinz oder Inka Grings spielen.“

Crailsheim

Lisa Wich stammt aus Nemmersdorf, zehn Kilometer von Bayreuth entfernt, zog für den Traum von der Bundesliga extra nach Crailsheim, machte am ASG dann ihr Abitur. Nach ihrer Ausbildung zur Automobilkauffrau schloss sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre – Schwerpunkt Freizeit-, Kultur- und Sportmanagement – in Künzelsau an. „Zwischen Ausbildung und Studium habe ich nicht mehr Fußball gespielt“, erklärt die 28-Jährige, die seit Oktober 2016 als Verwaltungsangestellte im Stadtmarketing der Stadt Crailsheim arbeitet. „Wir organisieren zum Beispiel Messeauftritte und Veranstaltungen, es macht mir großen Spaß, weil es sehr abwechslungsreich ist“, sagt Wich, die in Mariäkappel wohnt. „Man kann schon sagen, dass ich hier in der Region meine zweite Heimat gefunden habe.“

War sie bei ihrem Wechsel nach Crailsheim noch eine der jüngsten Spielerinnen im Team, ist sie mittlerweile die älteste – und das mit gerade einmal 28 Jahren. „In der Bundesliga hatten wir damals viele erfahrene Spielerinnen in der Mannschaft, heute sind sehr viele junge Spielerinnen aus der eigenen Jugend dabei“, erklärt Lisa Wich und betont. „Wir brauchen die Jugend, sie ist ein elementarer Baustein des Vereins. Deshalb hoffe ich, dass die B-Juniorinnen in der Bundesliga bleiben.“

Der zweite Abstieg war „extrem bitter“

Ob der TSV Crailsheim dort den Klassenerhalt schafft, wird sich in den nächsten beiden Wochen entscheiden. „Die sportliche Attraktivität ist für junge Spielerinnen in der Bundesliga natürlich eine ganz andere, auch wenn die Oberliga immer noch hochklassig wäre.“

Lisa Wich selbst stieg nach einem Jahr mit dem TSV Crailsheim aus der Frauen-Bundesliga ab, spielte dann acht Jahre in der zweiten Liga, bevor es in die Regionalliga Süd ging. „Der erste Abstieg war absehbar, der zweite war extrem bitter. Wir haben da einfach eine katastrophale Hinrunde gespielt“, erinnert sich Lisa Wich, die damals auch ihren ersten Bandscheibenvorfall erlitt. „Von draußen zusehen zu müssen und nicht mithelfen zu können, war sehr schlimm“, sagt die 28-Jährige. Das erste Jahr in der Regionalliga war ebenfalls schwierig, lange schwebte man in Abstiegsgefahr. „Jetzt im zweiten Jahr mal wieder ohne Druck spielen zu können, nichts mit den Abstiegsplätzen zu tun zu haben, das hat die Nerven doch sehr entspannt“, betont Lisa Wich.

In der neuen Saison hofft die Stürmerin erneut auf einen gesicherten Mittelfeldplatz. „Es wird aber eine schwierige Saison. Wir haben einige Abiturientinnen, die ins Ausland wollen oder studieren gehen.“ Nadine Steiner, Julia Specht, Nina Müller zieht es in die USA. Die erfahrenen Klenk-Schwestern Juliane und Simone gilt es zu ersetzen, sie wollen eine Pause einlegen, zudem sind Nina Hasenfuß und Luisa Scheidel mit Kreuzbandrissen noch außer Gefecht. Auch ein neuer Trainer muss gefunden werden. „Er sollte eine junge Mannschaft führen können, sich im Frauenfußball auskennen und mit Leidenschaft und Lust dabei sein“, beschreibt Lisa Wich das Anforderungsprofil. Edgar Klärle und sein Trainerteam haben die Mannschaft im vergangenen Jahr fußballerisch vorangebracht, erklärt die erfahrenste Spielerin beim TSV, die sich manchmal etwas mehr Ehrgeiz und Leidenschaft von den jungen Kolleginnen wünscht. „Früher war man vielleicht mehr mit dem Herzen bei der Sache. Wenn man verloren hat, hat man sich richtig geärgert. Man hat den Urlaub nach dem Spielplan ausgerichtet. Das fehlt mir heute ein bisschen.“

Kleinere Vereine wie der TSV Crailsheim haben es schwer

Dass es für den TSV Crailsheim mal wieder Richtung zweite Liga gehen könnte, sieht Lisa Wich realistisch. „In der ersten und zweiten Liga wird die Professionalisierung immer weiter vorangetrieben. Bekannte Vereinsnamen aus dem Männerfußball engagieren sich auch im Frauenfußball. Da werden es kleinere Vereine wie Crailsheim immer schwerer haben, hochzukommen.“ Schon in der Regionalliga sei der zeitliche, personelle und finanzielle Aufwand extrem hoch, betont Lisa Wich. „Das letzte Spiel war in Niederbayern, da sind wir am Sonntagmorgen losgefahren und erst in der Nacht wieder heimgekommen. Ich denke, die Regionalliga ist die Klasse, in der der TSV Crailsheim glücklich sein kann.“

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