Aktionstag Ex-Nazi warnt Schüler vor üblen Demagogen

Maik Scheffler erzählt von seinem Ausstieg als Neonazi.
Maik Scheffler erzählt von seinem Ausstieg als Neonazi. © Foto: Ralf Mangold
Crailsheim.  / Ralf Mangold 06.10.2018
Mark Scheffler erzählt von seinem Irrweg und wie er aus der rechten Szene wieder herauskam

Gespannt warteten die Schülerinnen und Schüler in der Großsporthalle auf den letzten Programmpunkt vor den Abschlussmelodien der ASG-Bigband. Der ehemalige Neonazi und stellvertretende Landesvorsitzende der NPD in Sachsen, Maik Scheffler, kam zum Podiumsgespräch auf die Bühne. Rund eine Dreiviertelstunde lang erzählt er, wie und warum er rechter Populist wurde und wie er vor rund drei Jahren den Absprung geschafft hat.

„Man steigt nicht einfach so aus“, beginnt er und im jugendlichen Publikum wird es immer stiller. „Es gab ein Schlüsselerlebnis und das war menschliche Enttäuschung.“ Bis dahin war er überzeugt davon, das Richtige zu tun und seine Mitmenschen auf den wahren Weg zu führen. „Enttäuschung kam dazu, als ich bemerkte, dass die Ideale, die verbreitet wurden, gar nicht der Wahrheit entsprachen. Es wurden nur Themen gesucht, welche die Menschen emotional berühren wie beispielsweise die Flüchtlingskrise, um damit Wähler zu gewinnen.“

Damals bei der Wende war Scheffler gerade einmal 16 Jahre alt und konnte mit den neuen Gesellschaftsstrukturen und persönlichen Anforderungen nicht umgehen. Vier Jahre später hat er sich deshalb der „freien Kameradschaft“ angeschlossen. „Ich habe damals einfach die Gemeinschaft und den sich kümmernden Staat vermisst.“ Die Extremisten gaben ihm Halt und nahmen sich seiner Probleme an, „das war für mich die vermeintlich bessere Welt und irgendwann habe ich die ganzen Negativerzählungen auch geglaubt“ – das sei vergleichbar mit einer Sekte. „Die Heilsbringer versprechen den jungen Menschen Lösungen.“ So war Scheffler viele Jahre als „Straßennazi“ unterwegs und hat dabei alle gesellschaftlichen Brücken aus seinem „alten“ Leben verloren.

Für Fremde kein Platz

Inzwischen geht Scheffler mit seiner Lebensgeschichte an die Schulen. Er will die Kinder frühzeitig vor dem Einstieg in die rechte Szene warnen, damit sie nicht denselben Irrweg beschreiten wie er. „Ich bin durch meine Reden selbst zum Täter geworden“, ist ihm inzwischen klar. Möglicherweise gab es einige Straftaten durch seine Aufhetzungen. „Ich hatte mit 40 Jahren meinen ersten Kontakt zu einem Ausländer“, berichtet er von einer fragwürdigen Weltanschauung, in der das Fremde für ihn keinen Platz hatte. „Ich will nun aber Flagge zeigen gegen jeglichen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. Beinahe 15 Jahre lang war ich nämlich auf einem Irrweg.“ Der Aktionstag in Crailsheim sei der richtige Weg, „Geschichtsaufklärung ist ganz wichtig. Da haben Politik und Bildung in den letzten Jahren insbesondere im Osten versagt.“ Inzwischen habe er gelernt, dass jeder seine eigene Meinung haben dürfe. Widerstand sei dann zu leisten, wenn Mitmenschen Schaden nehmen können.

„Nehmt euch den Charakter von Hans Scholl als Vorbild“, gab er den Schülern mit auf den Weg. Und einen persönlichen Wunsch hat er noch: „Es wäre schön, wenn die Gesellschaft Aussteiger wieder aufnehmen würde“, hofft er auf eine bessere Zukunft als „normaler“ Mensch.

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