Die Frage nach dem Ende der ersten Halbzeit vor den 112 Zuschauern im Derby Schrozberg gegen Blaufelden konnte nur lauten: Wie hoch wird der Gastgeber gewinnen? Die Gäste waren in allen Belangen unterlegen. Sie standen zu weit weg von ihren Gegenspielern, konnten kaum Druck nach vorne aufbauen und waren so abschlussschwach, dass sich ihre Fans an der Seitenlinie die Haare rauften.

Nach 90 Minuten sah die Situation komplett anders aus. Wie konnte es nur passieren, dass die Schrozberger diese Partie komplett aus den Händen gaben? Warum ließen sie die Blaufeldener so aufkommen, dass die Gäste ohne allzu große Gefahr ihren ersten Saisonsieg feiern konnten?

Glasklare Chancen vergeben

Heimcoach Thorsten Arbanas schüttelte nur den Kopf: „Die waren doch mausetot. Aber wenn man so viele klare Möglichkeiten vergibt, wie will man da gewinnen? Wir brauchen 150-prozentige Chancen, um als Sieger vom Platz zu gehen.“ Sein Gegenüber Jochen Schneider hatte sich in der 69. Minute beim Stand von 1:1 selbst eingewechselt, um dann nur zwölf Minuten später beim 1:3 wieder den Platz zu verlassen: „Das war eine top zweite Halbzeit. Die Umstellung auf die Dreierkette und dann zwei Stürmer hat sich gelohnt. Wir sind danach viel besser in die Zweikämpfe gekommen.“ Sein Team hüpfte im Kreis und sang „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey hey“, während die Schrozberger frustriert an der Seitenlinie saßen und den Erklärungen ihres Trainers zuhörten.

Zur ersten Halbzeit dürfte TSV-Trainer Arbanas nur ein Kritikpunkt eingefallen sein: die mangelhafte Chancenauswertung. Eigentlich hätte es nach 45 Minuten bereits 3:0 oder 4:0 stehen können – oder sogar müssen. Die 18. Minute und das schön herausgespielte 1:0 von Jonas Meuder (18.) schien nur der Auftakt zu einer klaren Angelegenheit zu sein. Christian Wagner, Robert Voß und Steffen Hefke hatten weitere Treffer auf dem Fuß, allerdings ohne Erfolg. Dazu kam das Pech, dass zwei Tore wegen Abseits’ nicht zählten. Derweil stand Sonja Gennrich, Mutter des Blaufeldener Torwarts Nico Gennrich, ruhig unter den Zuschauern und meinte: „Mein Sohn macht das schon. Trotz seiner 130 Kilogramm ist er ein Kämpfer, sein Team wird gewinnen.“ Sie sollte recht behalten.

Vor allem Mansour Bah sorgte ab der 46. Minute dafür, dass Blaufelden endlich Torgefahr ausstrahlte. „Er war überhaupt nicht glücklich, dass er nicht von Anfang an gespielt hat“, meinte sein Trainer Schneider. „Aber dann hat er seine Sache richtig gut gemacht.“ Bah legte beim 1:1 quer auf Adrian Heger, der aus kurzer Distanz Torhüter Chined Anudu mit etwas Glück überwand (55.). Danach spielte fast nur noch Blaufelden, zeitweise unterstützt auf dem Feld vom eigenen Trainer. Heger tanzte vor dem 1:2 den Torwart aus (74.). Das 1:3 fiel nach einer unübersichtlichen Situation im Schrozberger Strafraum und wurde als Eigentor von Kai Henning Flurer gewertet (81.). Spielentscheidend war das nicht.

Kein Selbstvertrauen

Schrozberg hätte noch stundenlang weiterspielen können, ein Tor wäre ihnen an diesem Samstag nicht mehr gelungen. Nachdem Meuder Mitte der zweiten Hälfte mehrere klare Chancen vergeben hatte, war das Selbstvertrauen so gering, dass die Schrozberger selbst bei Alleingängen nicht mehr den Torabschluss suchten – sondern noch einmal quer spielten.

Der Schrozberger Coach Arbanas wird zuerst einmal seine Jungs wieder aufbauen müssen. Er meinte: „Nun müssen wir monatelang warten, bis wir die Chance bekommen, diese Niederlage im Rückspiel in Blaufelden auszumerzen.“ Für beide Teams wird es im weiteren Saisonverlauf nur darum gehen, einzelne gute Spiele zu zeigen. Mit den Topplätzen in der B4 werden sie nichts zu tun haben.

So spielten sie


Schrozberg – Blaufelden

1:3

Tore: 1:0 Jonas Meuder (18.), 1:1, 1:2 Adrian Heger (55., 74.), 1:3 Kai Henning Flurer (81., ET)

Schrozberg: Anudu, Weigel, Rohr, Hafke, Voß, Meuder, Wolf (57. Brenner), Feuerlein (57. Flurer), Jörg (85. Tishukaj), Flaig, Wagner (75. Waldmann)

Blaufelden: Gennrich, Pistek, Feyh, Kober, Martin, Grundhoff, Heger, Seckel, Leiser, Heth (46. Bah), Weber (69. Schneider, 81. Hertweck)