Fußball Ilshofen: Oberligaaufstieg in der 120. Minute

Ilshofen / Viktor Taschner 25.06.2018
In einem Drama bezwingt der TSV Ilshofen den Freiburger FC mit 3:1 in der letzten Minute der Verlängerung. Die Hohenloher schaffen so den Oberliga-Aufstieg in der Relegation.

Am Ende brechen alle Dämme. Spieler, Betreuer, Zuschauer, alle die es mit dem TSV Ilshofen halten stürmen auf das Spielfeld und fallen sich in die Arme. Der Verein hat soeben den größten sportlichen Erfolg der Vereinsgeschichte verbucht, den Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg. Und das auf eine Weise, die die Nerven der 1000 Zuschauer auf eine harte Probe gestellt haben: Nach dem 0:1 im Hinspiel dreht der TSV das Duell mit einem 3:1 nach Verlängerung gegen den gleichwertigen Freiburger FC.

Als die Erleichterung langsam der puren Freude weicht, schnappt sich zunächst Lukas Lienert das Mikrofon. Der vielseitige Akteur bewährt sich diesmal wieder auch als Einpeitscher. Alle müssen auf die Knie, bevor die obligatorische „Humba“ von Lienert angesagt wird. Nach dem ersten Jubeltanz schlüpft Michele Varallo in die Rolle des Showmasters. Erst wird ein isländisches „Huh“ angestimmt, dann legt Varallo auf Italienisch los – genauso wie in der Kabine nach dem Halbfinalsieg im WFV-Pokal gegen Großaspach. Zu guter Letzt führt er noch ein Interview mit dem Torschützen zum 3:1, Andrey Nagumanov.

Nagumanovs Kopfball wird den Ilshofener Fans noch lange in Erinnerung bleiben. Es läuft die letzte Minute der Verlängerung. Paul Weber flankt nach innen. „Es war eine super Vorlage von Paul. Ich weiß auch nicht mehr genau, wie ich den Kopfball gesetzt habe, aber er ist zum Glück rein“, sagt der ehemalige russische U21-Nationalspieler Nagumanov über sein wichtigstes Tor in Deutschland bislang.

Freiburg verpasst Entscheidung

Dass die Ilshofener nach einer dramatischen Partie jubeln, haben sie an diesem Tag vor allem ihrem Willen zu verdanken. Nach einer überlegen geführten ersten Halbzeit, verpassen die Hohenloher es, sich für ihre couragierte Leistung zu belohnen. Nach der Halbzeit verändert sich jedoch das Spielgeschehen.

Der Freiburger FC, Vizemeister der Verbandsliga Südbaden, gestaltet das Spiel offener und kommt selbst zu Torgelegenheiten. Bei Ilshofen läuft es in dieser Phase nicht mehr rund, die Partie verläuft zunehmend zerfahrener. Rund zwanzig Minuten vor Schluss haben die Gäste zwei Großchancen, die Entscheidung herbeizuführen, aber Konrad Faber und Torjäger Marco Senftleber schießen über das Tor.

Als die Hoffnung bei den Ilshofener Zuschauer zu schwinden droht, bekommt der TSV noch einmal einen Freistoß in der 90. Minute. Daniel Schmelzle drischt den Ball mit links aufs Tor. Seinen Schuss lässt der Freiburger Keeper Tim Kodric nach vorne prallen und der eingewechselte Ramazan Kandazoglu egalisiert mit seinem Abstauber das Hinspielergebnis (1:0).

Was bis dato an Dramatik geboten gewesen ist, wird in der Verlängerung noch gesteigert. In der 102. Minute zeigt der bis dahin souveräne Schiedsrichter Philipp Reitermayer auf den Punkt – Elfmeter für Freiburg.

Ilshofens Daniel Schmelzle soll Ivan Novakovic gefoult haben. Den Freiburgern ist der zweifelhafte Strafstoß egal, Kevin Bernauer  verwandelt zum 1:1. Die Badener haben so ihr wichtiges Auswärtstor, Ilshofen muss nun bis zum Ende der Verlängerung zwei Tore erzielen.

Rote Karte gegen die Gäste

Die Breisgauer bringen aber den TSV wieder selbst ins Spiel. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte der Verlängerung lässt sich Karl-Luis Dees wohl zu einer Tätlichkeit hinreißen, was der Referee mit einer roten Karte ahndet.

Ilshofen spielt so die letzten 15 Minuten in Überzahl. Die Freiburger verteidigen mit Mann und Maus, während die Hohenloher anrennen. Beide Teams fahren da schon längst auf der letzten Rille. In der 109. Minute zeigt der Schiedsrichter wieder auf den Punkt, diesmal für Ilshofen. Kandazoglu geht im Strafraum nach einem leichten Kontakt zu Boden – eine ähnlich strittige Situation wie beim Freiburger Elfmeter.

Ilshofens Spielertrainer Ralf Kettemann übernimmt die Verantwortung und platziert den Ball flach ins Tor (2:1). Und weil Ilshofen nie aufgibt, schaffen sie tatsächlich durch Nagumanovs Kopfballtor doch noch den entscheidenden dritten Treffer.

„Es freut mich besonders, weil ich nicht wollte, dass wir am Ende der Saison mit leeren Händen dastehen. Und wenn wir aufsteigen, dann immer doppelt“, sagt Dario Caeiro, Vorstand Fußball des TSV. Bereits beim Aufstieg von der Landesliga in die Verbandsliga in Jahr 2015 ist die zweite Mannschaft von der Kreisliga B in die A-Klasse hochgegangen. Diesmal steigt die Zweite in die Bezirksklasse auf. Die Party in Ilshofen dürfte daher genauso lang werden wie vor drei Jahren.

So spielten sie

TSV Ilshofen –
Freiburger FC

3:1

Tore: 1:0 Kandazoglu (90.+1), 1:1 Bernauer (103., FE), 2:1 Kettemann (108., FE), 3:1 Nagumanov (120.)

Ilshofen: Nowak, Lienert (70. Nagumanov), Egner, Schmelzle, Kettemann, Weber, Wackler, Rummler (82. Lindner), Gebert, Wilske (70. Kandazoglu), Varallo (70. Lehanka)

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