Die Ausgangslage vor dem Landesliga-Derby ist klar: Der TSV Bad Boll braucht ein Remis, um mindestens den jetzigen zwölften Rang im Klassement zu verteidigen, der gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt wäre.

Damit ist für Manuel Doll das Ziel klar: „Wir wollen den einen Punkt holen und nicht auf andere schauen müssen.“ Dabei ist dem Boller Übungsleiter die besondere Nervenbelastung vor den finalen 90 Saisonminuten aber bewusst. „Wir werden versuchen, ganz normal an die Partie heranzugehen, aber natürlich ist Anspannung da“, so Doll, der auf eine frühe Führung hofft, um die Nerven zu beruhigen.

Für den SV Ebersbach geht es sportlich um nichts mehr, die Elf von Dinko Radojevic hat seit einigen Wochen mit größeren Personalproblemen zu kämpfen und unterlag zuletzt dem Absteiger TSV Blaustein mit 2:4. Für Doll spielt an einem letzten Spieltag, an dem es immer wieder zu sehr überraschenden Ergebnissen kommt, der Gegner keine Rolle.

„Es ist egal, gegen wen wir spielen, wir brauchen den einen Punkt“, erläutert der ehemalige Torhüter und begründet seine Meinung: „Erstens nimmt man in unserer Situation niemanden auf die leichte Schulter. Zweitens kann so eine Situation, in der Ebersbach ist, auch Kräfte freisetzen, wenn man ohne Druck befreit aufspielen kann. Und drittens ist es ein Derby und die Ebersbacher wollen die Saison, mit der sie sicherlich nicht zufrieden sind, positiv abschließen.“

Bad Boll (33 Punkte, Torverhältnis -2) konkurriert mit dem TV Echterdingen (31 Punkte, Torverhältnis -13), der im Augenblick in die Relegation müsste, um den direkten Klassenerhalt. Der Filder-Klub empfängt in den heimischen Goldäckern den TSV Blaustein, die Boller werden über die dortigen Geschehnisse informiert sein, wie Doll bestätigt, „jemand wird in Echterdingen vor Ort sein.“ Da das Erlengarten-Ensemble in den letzten Jahren in ähnlichen Situationen war, ist Routine dabei – und auch ein Schuss Aberglaube, wie der 33-Jährige ergänzt: „Es war so üblich, dass eine Person aus der Abteilungsleitung die relevante Begegnung live verfolgt. Das behalten wir auch jetzt bei.“ Dass sein TSV mit Druck umgehen kann, habe seine Truppe gegen die Absteiger Blaustein und Bargau bewiesen, verweist Doll auf die beiden Pflichtsiege, auch wenn das 5:3 gegen Bargau „nicht ruckelfrei“ war.

Diese sechs Zähler haben Boll überhaupt erst in die Lage versetzt, das Schicksal nun in den eigenen Händen zu haben: „Nach unserem Katastrophen- Start sind wir froh über diese Ausgangsposition“, meint Doll, dem alle Mann zur Verfügung stehen.

Zur Boller Lebensversicherung avancierte in den letzten Wochen Max Pradler, für den mittlerweile 17 Saisontore notiert werden. Dementsprechend lobt der TSV-Coach seinen Mittelstürmer: „Unser Spiel ist offensiv auf ihn zugeschnitten, seine Teamkollegen legen Max uneigennützig auf. Er verdient sich das aber auch, weil er unheimlich viel rackert und gegen den Ball arbeitet.“

Andreas Böhringer