Bühlerzell Abschiedsspiel: „Irgendwie surreal“

Mike Dörr klatscht ab. In seinem Abschiedsspiel trifft er sowohl für die erste Mannschsaft der Sportfreunde als auch für das Allstar-Team.
Mike Dörr klatscht ab. In seinem Abschiedsspiel trifft er sowohl für die erste Mannschsaft der Sportfreunde als auch für das Allstar-Team. © Foto: Hartmut Ruffer
Bühlerzell / Hartmut Ruffer 31.07.2018
Die Sportfreunde Bühlerzell ehren Mike Dörr mit einem Abschiedsspiel. Nach 16 Jahren und 700 Partien im Bühlerzeller Trikot ist für den 37-Jährigen Schluss – fast.

Egal, wen man rund um den Sportplatz in Bühlerzell fragt – ausnahmslos jeder ist voll des Lobes für den Mann, der beim Einlaufen der Mannschaften so unscheinbar am Rand steht und so wirkt, als wisse er nicht, ob ihm das jetzt behagen soll oder nicht. Mike Dörr hört bei den Sportfreunden Bühlerzell auf. Eine Nachricht, die beim Verein mit viel Bedauern aufgenommen wurde.

Ein Mal noch wird der 37-jährige Mike Dörr das rote Trikot der Sportfreunde tragen. Am 1. Spieltag der neuen Saison wird er bei der Partie gegen den VfR Altenmünster für sein 700. Spiel geehrt. Doch am vergangenen Sonntag wollten sie ihm bereits jetzt die Zuneigung spüren lassen, die im Laufe der vergangenen 16 Jahre immer größer geworden ist.

Als 2002 Manfred Faust den damals 22-jährigen Mike Dörr im „Hirsch“ vom Wechsel nach Bühlerzell überzeugte, dachte dieser, er würde maximal zwei Jahre bleiben. Doch der Zusammenhalt der Mannschaft bewog Mike Dörr selbst 2006, als er viele Angebote hatte, in Bühlerzell zu bleiben. „Ein Glücksfall“ nennt ihn Sportfreunde-Archivar und HT-Berichterstatter Erwin „Ede“ Fischer.

Professionelle Einstellung

Dörrs ehemaliger Trainer Manfred Faust lobt ihn in höchsten Tönen: „Mike ist ein Spieler, den man sich als Trainer nur wünschen kann. Herauszuheben sind nicht nur seine sportlichen Qualitäten, sondern seine überaus professionelle Einstellung.“ Mike Dörr hat in den 16 Jahren nur acht Pflichtspiele verpasst. „Wenn er Probleme mit einem Muskel hatte, hat er selbst im Fitnesstudio alles versucht, um eine Verletzung zu vermeiden.“ Zudem sei seine Spielweise speziell gewesen.

Das unterstreicht auch Reinhard Kubis, langjähriger Co-Trainer unter Manfred Faust. „Mike hat sich nie auf einen Pressschlag eingelassen.“ Torgefährlich war er trotzdem und zwar immer. Und er hatte eine spezielle Art des Selbstvertrauens. Das berichtet Josef Wagner, ebenfalls einer der Bühlerzeller „Legenden“. „Er konnte fünf Riesendinger auslassen und hat doch noch in der letzten Minute scheinbar selbstverständlich das entscheidende Tor erzielt.“ Das mag auch daran liegen, dass Mike Dörr großen Ehrgeiz hat. „Er wollte immer gewinnen“, so Manfred Faust. Eine „Schwäche“ hatte aber selbst Dörr, wie Vorstand Josef Kohnle mit einem Schmunzeln berichtet. Sonntags vor den Spielen gab es für Mike Dörr gerne einen Braten mit Spätzle bei seiner Mutter.

Noch mehr als für seine sportlichen Meriten wird Mike für sein Verhalten gelobt. „Integer“ ist das meist genannte Wort und Manfred Faust ergänzt. „Aufgrund seines Status’ hätte er sich viel herausnehmen können, doch das ist ihm nie in den Sinn gekommen.“

Auch bei dem Spiel zu seinen Ehren zieht Mike Dörr das normale Aufwärmprogramm durch. Vor Anpfiff erhält er ein Buch, in dem alle Artikel aus dem Haller Tagblatt und anderen Zeitungen über ihn während seiner Bühlerzeller Zeit zusammengestellt sind. Als er die ersten Seiten durchblättert, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Das Spiel selbst nimmt er ernst, es ist schließlich Teil der Saisonvorbereitung. Und die macht Mike Dörr komplett mit, schließlich wird er am 26. August noch einmal spielen. „Das Sahnehäubchen“ nennt er es. Zu seiner Gefühlswelt nach dem Abpfiff der Partie, die die erste Mannschaft mit 5:2 gegen die Allstars gewinnen – Mike Dörr trifft für beide Seiten – „fehlen mir die Worte, irgendwie surreal“.

Nach dem ersten Spieltag fliegt er mit seiner Frau für vier Wochen nach Afrika. „Das hat sie sich verdient.“ Urlaub während der Saison wäre Mike Dörr nie in den Sinn gekommen. Bei den Alten Herren will er später mitspielen. „Alles andere lasse ich auf mich zukommen.“

Mike Dörrs Karriere in Zahlen

16 Jahre spielte Mike Dörr für die Sportfreunde Bühlerzell, 15 davon in der Bezirksliga, eines in der Kreisliga A2. In dieser Zeit hat Mike Dörr lediglich acht Spiele verpasst. Insgesamt lief er 700 Mal für die Sportfreunde auf, erzielte dabei in Pflichtspielen 409 Tore.

In jedem seiner 16 Jahre war er Bühlerzells bester Torschütze. Dreimal wurde er in der Liga Torschützenkönig (Bezirksliga 2006: 36 Tore, Bezirksliga 2012: 27 Tore, Kreisliga A2 2016: 31 Tore)

Das erste Tor, das Mike Dörr in Bühlerzell geschossen hat, war noch im Trikot der Sportfreunde Hall. Diese gewannen damals bei den Sportfreunden Bühlerzell mit 1:0. (Quelle: efi)

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