Moment mal, bitte! „Hab’ mir keine Gedanken gemacht“

Lara Mack hat als Abwehrspielerin im letzten Saisonspiel zwei Tore erzielt. Dadurch hat der TSV Michelfeld den Klassenerhalt in der Landesliga geschafft.
Lara Mack hat als Abwehrspielerin im letzten Saisonspiel zwei Tore erzielt. Dadurch hat der TSV Michelfeld den Klassenerhalt in der Landesliga geschafft. © Foto: Ufuk Arslan
Michelfeld / Viktor Taschner 16.06.2018

Es gehört viel Mut dazu, einen entscheidenden Elfmeter kurz vor Spielende zu schießen. Lara Mack vom TSV Michelfeld hat im letzten Saisonspiel diese Verantwortung übernommen. Allerdings hat sie die Nerven der Michelfelderinnen auf eine harte Probe gestellt.

Frau Mack, haben Sie einen Glücksbringer bei Ihren Spielen dabei?

Lara Mack: Nein, sowas habe ich nicht.

Aber bei Ihren letzten Spiel hatten Sie und Ihr Team sehr viel Glück …

Ja, das war auf unserer Seite (lacht).

Ihre Mannschaft hat in Löchgau noch ein Unentschieden gebraucht, um sicher drin zu bleiben …

Genau. Wenn wir verloren hätten, dann hätten wir in die Relegation gemusst und Löchgau hätte den Klassenerhalt geschafft. Bis zur Nachspielzeit stand es dann 1:1. Ich hatte nach einem Eckball den Ausgleich erzielt.

Und dann zeigte der Schiedsrichter eine Nachspielzeit von sage und schreibe elf Minuten an. Warum?

Es gab davor öfter Unterbrechungen wegen Verletzungen. Eine Löchgauerin wurde sogar mit dem Krankenwagen abtransportiert. Es war sehr heiß an diesem Tag und sie ist umgekippt.

In der 92. Minute kassiert Ihre Mannschaft dann das 1:2. Was ging bei Ihnen da durch den Kopf?

Ich dachte wirklich, dass es jetzt gelaufen ist. Das Spiel ging ja schon so lang. Ich dachte, dass der Schiedsrichter gleich danach abpfeift. Und Löchgau war durch das Tor natürlich obenauf, deswegen haben sie anschließend stark dagegengehalten.

Wer hat bei Ihnen das Team wieder vorangetrieben?

Wir uns gegenseitig. Auch unsere Fans von außen haben uns nochmal nach vorne gepusht. Und dann haben wir doch noch einen Elfmeter bekommen. Da war die große Chance wieder da.

War es von vornherein klar, dass Sie den Elfmeter schießen?

Nein, wir haben zwei Schützinnen, entweder Nathalie Schmiedt oder ich. Tanja Hofmann, unsere Spielführerin, hat mich dann bestimmt, wahrscheinlich weil ich mir da nicht so einen Stress mache (lacht).

Haben Sie nicht gezögert? An diesem Schuss hing ja der Erfolg einer ganzen Saison …

Nein, ich mache mir da vor dem Schuss gar keine Gedanken darüber, was passieren könnte. Ich konzentriere mich nur auf den Schuss. In Löchgau wollte ich dann in die von mir aus gesehen linke Ecke schießen. In diese Richtung ging der Schuss auch, aber zunächst mal gegen den Innenpfosten. Der Ball hat sich dann schon nach innen gedreht. Gleichzeitig ist die Löchgauer Torspielerin irgendwie nach hinten gefallen. Sie hat den Ball an den Hinterkopf bekommen und so ging der Ball vollends rein. Es war aber schon viel Glück dabei.

Wie groß war die Erleichtung?

Die war sehr groß (holt tief Luft). Erst im Nachhinein kam dann der Gedanke, was passiert wäre, wenn ich den Elfmeter verschossen hätte.

Würden Sie nochmal einen Elfer in der gleichen Situation schießen?

Ja, klar (überlegt kurz). Aber ehrlich gesagt: Wenn der Elfmeter in Löchgau schief gegangen wäre, dann wüsste ich jetzt nicht, ob ich noch einmal so einen Strafstoß ausführen würde. Aber bis jetzt hat es ja immer funktioniert (lächelt).

Wie hat es sich danach angefühlt, die Heldin des Tages zu sein?

Das ganze Team und die Zuschauer haben mich beglückwünscht. Das war schon ein schönes Gefühl, zumal man als Abwehrspielerin nicht so viele Tore schießt. Am Tag drauf haben wir zusammen mit der zweiten Mannschaft gegrillt. Da war die Stimmung dann auch gut (lächelt).

Wie lange hielt das Glücksgefühl an?

Den ganzen nächsten Tag auf jeden Fall. Auch im Laufe der Woche wurde ich von Freunden oder Arbeitskollegen darauf angesprochen, weil sie den Spielbericht in der Zeitung gelesen haben. Dann erinnert man sich automatisch wieder an das Spiel. So direkt habe ich das noch noch nie erlebt, dass man so häufig auf etwas angesprochen wird. So einen entscheidenden Treffer hatte ich davor noch nie erzielt. Deshalb war es das wichtigste Tor meiner Karriere bislang.

Die zweite Mannschaft des TSV Michelfeld ist in die Bezirksliga aufgestiegen und sie hat den Klassenerhalt in der Landesliga geschafft. Viele andere Vereine im Umkreis haben überhaupt keine Frauenteams oder drei, vier Vereine müssen eine Spielgemeinschaft bilden. Warum ist das beim TSV anders?

Das ist eine gute Frage. Wir sind insgesamt rund 30 Spielerinnen. Ich denke, ein Grund ist, dass wir uns alle gut verstehen und teilweise schon seit mehreren Jahren zusammenspielen. Wir unternehmen auch privat viel zusammen. Manche bringen dann auch Freunde mit, die mitspielen wollen. So wird die Gruppe auch größer.

Diese Woche hat ja die Fußball-WM der Herren begonnen. Wo schauen Sie die Spiele?

In unserem Sportheim in Michelfeld wird es Übertragungen geben. Dann schauen wir uns die Spiele mit dem Team gemeinsam an. Und natürlich werden die Partien gleich analysiert und Kommentare dazu abgeben, weil man sich auskennt.

Und wer wird Weltmeister?

Natürlich Deutschland! Auch wenn die Vorbereitungsspiele nicht optimal liefen, aber ich traue der Mannschaft trotzdem den Titel zu.

Steckbrief Lara Mack

Geburtstag: 20. Juli 1996
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Michelfeld
Familienstand: ledig
Beruf: Auszubildende zur operationstechnischen Assistentin
Hobbys: Fußball, Freunde treffen
Bisherige Stationen: Seit 2005 TSV Michelfeld
Größte sportliche Erfolge: Aufstieg von der Regionenliga in die Landesliga (2016), zweimal Bezirkspokalsieg (2015, 2016)

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