Schwäbisch Hall Paul Rickert im Interview: „Es geht ums Kameradschaftliche“

Paul Rickert mit seinem Lieblingssportgerät auf dem Platz des SV Gailenkirchen.
Paul Rickert mit seinem Lieblingssportgerät auf dem Platz des SV Gailenkirchen. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 18.08.2018
Paul Rickert hat für den SV Gailenkirchen im Schnitt mehr als zwei Tore pro Partie erzielt. Doch für ihn hat der sportliche Erfolg nicht die oberste Priorität.

Für den SV Gailenkirchen ist Paul Rickert so etwas wie eine Torgarantie. 58 Treffer erzielte der 23-Jährige in der abgelaufenen Saison und damit nahezu die Hälfte aller Gailenkirchener Tore (126). Auch im ersten Pflichtspiel dieser Saison hat Rickert bereits getroffen und den SVG damit in die zweite Runde des Bezirkspokals gebracht. Dort trifft er an diesem Samstag auf den SC Wiesenbach.

Herr Rickert, wie wichtig ist Ihnen der Bezirkspokal?

Paul Rickert: Ich nehme diesen Wettbewerb durchaus ernst, auch wenn er in den ersten Runden Teil der Vorbereitung auf die Liga ist. Im Pokal trifft man auf Mannschaften, gegen die man sonst nicht spielt, wie beispielsweise wir jetzt gegen Wiesenbach. Im Pokal will ich mit dem SV Gailenkirchen so weit wie möglich kommen. Die Auszeichnung „bester B-Kreisligist“ hatten wir schon mal.

In der ersten Runde gewann der SVG mit 1:0 beim SV Tüng­ental. Sie trafen in der 90. Minute und bewahrten Ihr Team vor dem Elfmeterschießen. Hatte sich der Treffer abgezeichnet?

Tüngental hat gut und geschickt verteidigt. Wir hatten einige Chancen, haben sie aber nicht verwertet. Aber insgesamt hatte ich nie das Gefühl, dass wir es nicht schaffen.

Hätten Sie nicht getroffen, wäre es ins Elfmeterschießen gegangen. Wären Sie angetreten?

(überlegt) Da bin ich mir nicht so sicher. Elfmeter sind nicht meine Sache.

Sie haben in der vergangenen Saison 58 Tore in 27 Ligaspielen geschossen. Das ist eine mehr als außergewöhnliche Quote. Was zeichnet Sie aus?

Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es das, was man „den richtigen ­Riecher“ nennt. Der Schnellste bin ich nicht und der Ausdauerndste auch nicht. Gut, schießen kann ich doch ein bisschen (lächelt).

Führen Sie über Ihre Treffer Buch?

Nein, das interessiert mich nicht. Klar, schaue ich ab und zu
mal auf fupa.net auf meine Statistiken, aber wie viele Tore ich schieße, ist im Endeffekt egal, solange wir uns als Team gut präsentieren.

In der vergangenen Saison gehörte der SV Gailenkirchen zur Spitzengruppe der Kreisliga B1. Streben Sie nun den Aufstieg an?

In dieser Liga sollte man nichts prognostizieren. Es gibt diesmal sehr viele zweite Mannschaften. Bei denen weiß man nie, mit welcher Unterstützung von der ersten sie auflaufen. Wir können gegen jeden gewinnen, dafür müssen wir als Team auftreten, sowohl offensiv als auch defensiv. Wenn wir das machen, ist es schwer, gegen uns zu gewinnen.

Wie meinen Sie das?

Wer auf unsere Ergebnisse schaut, der sieht: Tore schießen können wir, aber mal zu null spielen, das fällt uns schwer. Das ist auch jetzt in der Vorbereitung so gewesen, das waren fast Tennisergebnisse wie 6:4. Daran müssen wir arbeiten. Lieber gewinne ich 2:0 als 6:4. Nicht umsonst gibt es den Spruch, dass die Verteidigung Meisterschaften gewinnt.

Mit den A-Junioren der Sportfreunde Schwäbisch Hall sind Sie im Jahr 2013 in die Verbandsstaffel aufgestiegen. Viele trauten Ihnen auch den Sprung ins Verbandsliga-Team der Aktiven zu. Warum haben Sie sich damals entschlossen, zu Ihrem Heimatverein Gailenkirchen zurückzukehren?

Damals ging das recht schnell. Ich hatte schon immer mit meinen Kumpels in Gailenkirchen gespielt und bin deshalb zusammen mit Lorenz Thier zurückgekommen. Das Kameradschaftliche hat mir besser gefallen und auch, dass es, gerade weil es Kreisliga B ist, nicht ganz so streng zuging. Bei den Sportfreunden habe ich damals ab und zu mit der ersten Mannschaft trainiert. Da war natürlich ein ganz anderer Zug drin und alles wird viel ernster genommen.

Das heißt, der „Wohlfühlfaktor“ war für Sie ausschlaggebend?

Ja, das ist hier schon was Besonderes. Ich habe auch nach meiner Rückkehr zum SV Gailenkirchen einige Angebote gehabt. Aber nur des Geldes wegen werde ich nicht gleich wechseln.

Was macht den Teamgeist aus?

Beispielsweise gehen wir alle gemeinsam nach den Spielen weg. Das mag auch daran liegen, dass fast alle aus Gailenkirchen sind – man kennt sich also. Vor Kurzem waren wir auf dem Gerümpelturnier in Übrigshausen. Das war wie immer witzig.

Fragt man die SVG-Verantwortlichen, dann existiert dieser Teamgeist schon mehrere Jahre. Warum hält er sich?

Das mag daran liegen, dass sich das Teamgefüge nur wenig verändert. Bei uns kommen ja nicht fünf Neue und gleichzeitig gehen fünf. Die meisten sind schon jahrelang dabei. Und wenn jemand neu zu uns kommt, dann oft, weil es ihm gleich von Anfang an gefällt und er sich wohlfühlt.

Doch so gut der Teamgeist auch sein mag – im Fußball geht es selbst in der untersten Klasse auch um Erfolg. Wie reizvoll ist es, mit dem SVG in der Kreisliga A zu spielen?

Es ist ja nicht so, dass wir nicht hoch wollen, natürlich wollen wir das. In den entscheidenden Spielen der vergangenen Saison waren wir nicht konstant genug. Das werden wir mit Trainer Roland Beck angehen.

Der Spaß darf aber nicht zu kurz kommen ...

(lacht) Natürlich. Da tickt der Trainer aber wie wir. Wir haben das gleiche Ziel im Blick. Aber er kennt auch das Gemeinschaftliche. Sein Credo lautet: Wer Spaß hat, entwickelt andere Kräfte.

Steckbrief Paul Rickert

Geburtstag: 8. Mai 1995
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Gailenkirchen
Familienstand: ledig
Beruf: Industriemechaniker
Hobbys: Fußball, Freunde treffen, Sport, Musik
Bisherige Stationen: SV Gailenkirchen (bis C-Jugend), Sportfreunde Schwäbisch Hall (bis A-Jugend), seit 2014 wieder SV Gailenkirchen
Größte sportliche Erfolge: Aufstieg in die Verbandsstaffel (A-Junioren), bester B-Kreisligist im Bezirkspokal

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