Crailsheim Köchin backt tolle WM-Torten

An der Torte kann es nicht gelegen haben – die war weltmeisterlich.
An der Torte kann es nicht gelegen haben – die war weltmeisterlich. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / juvo 29.06.2018
„Halbzeitschnittchen“ Sandra Häfner läuft bei EM und WM immer wieder zu kulinarischer Hochform auf.

Ein Deutschlandspiel, eine Torte und im besten Fall ein Sieg. Das sind die Pläne von Sandra Häfner für jede EM und WM seit über zehn Jahren. Die dritte Torte wurde zum Trostessen.

Eigentlich ist Sandra Häfner Köchin, doch in ihrer Freizeit legt sie die Schürze nicht ab, sondern verwirklicht sich beim Backen. Bevorzugt Motivtorten zu den Spielen der Nationalmannschaft. Fußball, Tor, Spielfeld, Kickschuhe und Fahnen sind ihre Lieblingsmotive und Fondant und Speisefarbe ihr Handwerkszeug. „Seit über zehn Jahren bringe ich zu jedem Spiel bei unserem Public Viewing eine Torte. Die Kinder hier sind damit aufgewachsen und freuen sich schon darauf“, erzählt sie und zeigt ein Fotoalbum, in dem alle ihre Werke verewigt sind. Sorgfältig hat sie alles dokumentiert, vom schwarz-rot-goldenen Rührkuchen über die tollsten Torten bis hin zu „kleinen Spielereien“, wie Fußballmuffins.

Von Spiel zu Spiel steigern

Abzulesen an dem Album sind nicht nur die Turniere, Austragungsorte und Spielergebnisse der deutschen Elf, sondern auch die Fortschritte, die Sandra Häfners Torten über die Jahre hinweg gemacht haben. Von der einfachen Halbkugel hat sie sich zur mehrstöckigen Torte mit unterschiedlichen Füllungen, Färbungen und immer aufwendigeren Dekorationen vorwärtsgearbeitet. Inzwischen hat sie einen ganzen Raum gefüllt mit Back- und Deko-Utensilien, fein säuberlich geordnet nach Form und Größe, in Stapelboxen verstaut.

„Ich muss mich von Spiel zu Spiel steigern“, erklärt sie, weshalb sie bei Weltmeisterschaften einen ganz besonderen Ehrgeiz entwickelt. Jede Torte für jedes Spiel wird noch ausgefallener und leckerer, denn der Geschmack steht an erster Stelle vor der Optik. Unter buntem Fondant verstecken sich Mohrenkopftorte, Schwarzwälder und manchmal sogar eine Überraschung, wie ein Kern aus Smarties, die herauspurzeln, wenn die Torte angeschnitten wird. Inspiration holt sich Sandra Häfner aus dem Internet. Von den unterschiedlichen Turnierlogos bis zu den Maskottchen hat sie alles auf Torten verewigt. Sogar ein Mannschaftstrikot gab es schon, für das das Originaltrikot des Neffen herhalten musste, damit die Größe und die Details am Ende auch stimmen.

 „Ein paar Stunden brauche ich schon für jede Torte“, verrät sie. Das Anschneiden passiert zur Halbzeit, was ihr den Spitznamen „Halbzeitschnittchen“ eingebracht hat, der auch auf ihrem T-Shirt zu lesen ist. Die Schürze in Deutschlandfarben hat sie dann meist schon abgelegt und die Nerven, die es kostet, die Torte von ihrer Dachgeschosswohnung über kurvige Landstraßen zum Public Viewing zu bringen, haben sich bis dahin meist beruhigt.

Transport nicht überlebt

Nur einmal hat eine Torte den Transport nicht überlebt, ein schlechtes Omen. Prompt schied Deutschland an diesem Tag aus. Die Torte am Mittwoch, ein Meisterwerk mit einem Ball auf grünem Tortengrund hat die Fahrt überlebt, kam heil an, ist am Ausscheiden der deutschen Elf also nicht schuld. Allerdings versüßte sie den Fans das Ende des Turniers. Am meisten bedauert sie, dass sie heuer keinen Pokal backen darf. Diese Herausforderung hätte sie gerne noch einmal angenommen.

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