Zum ersten Mal seit 2007 steht der FV Löchgau wieder im WFV-Pokal-Viertelfinale – dank einer beherzten Vorstellung gegen den klassenhöheren Verbandsligisten VfL Sindelfingen. Und dank Kubilay Baki. Der 21-jährige Flügelspieler erzielte am Donnerstag in der Verlängerung das 4:3-Siegtor für den FVL. „So haben wir uns das vorgestellt. Wir haben die Erfolge aus der Liga mitgenommen und alles gegeben“, sagte der Matchwinner glücklich. Einen Wunschgegner fürs Viertelfinale hat Baki allerdings nicht: „Wir nehmen, was kommt. Die Gegner sind alle stark und hochklassig, aber im Fußball und gerade im Pokal ist immer alles möglich.“

Das Duell gegen den VfL Sindelfingen, mit dem die Hausherren in der Vorsaison noch in einer Liga gekickt hatten, erwies sich vor den 150 Zuschauern als hart umkämpfte Angelegenheit zwischen zwei gleichwertigen Teams. Nicht nur die Ausbeute von insgesamt sieben Toren lag deutlich über dem branchenüblichen Schnitt, sondern auch die Zahl der Karten, die Schiedsrichter Tobias Bauch aus Tübingen zeigte: zehnmal Gelb, einmal Gelb-Rot und zweimal Rot.

Nach 18 Minuten steht es 2:2

Schon nach 18 Minuten waren vier Treffer gefallen, die ersten zwei für Löchgau. Peter Wiens staubte in der Anfangsphase zum 1:0 ab, nachdem VfL-Keeper David Kocyba einen Schuss von Tim Schwara mit dem Fuß abgewehrt hatte und ein weiterer Versuch von Mario Andric abgeblockt worden war (6.). Nur vier Minuten später köpfte der ungedeckte Schwara einen Freistoß von Cedric Cramer zum 2:0 ein (10.). Dies wollte der Tabellenvierte der Verbandsliga nicht auf sich sitzen lassen und zeigte ebenfalls innerhalb kürzester Zeit zweimal seine Offensivkünste. Erst traf Ivan Vargas Müller per Kopf zum Sindelfinger 1:2 (12.). Dann überwand Samuel Mayer den FVL-Schlussmann Sven Altmann mit einem Flatterball, der noch tückisch aufsprang und dann zentral im Kasten einschlug – das 2:2.

Damit hatten beide Mannschaften ihr Pulver aber erst mal verschossen. Es dauerte bis zur 69. Minute, ehe Treffer Nummer fünf fiel: VfL-Torjäger Oliver Glotzmann köpfte eine Flanke zur erstmaligen Gästeführung ein. Doch die formstarken Löchgauer glaubten weiter an sich und ihre Chance – und wurden für den nimmermüden Einsatz in der Endphase noch belohnt: Wiens behauptete sich im Mittelfeld gegen zwei Sindelfinger und chippte die Kugel steil in den Lauf des eingewechselten Fabian Gurth – und der spitzelte den Ball an Kocyba vorbei zum 3:3 ins Netz (84.). In der 90. Minute „opferte“ sich dann Außenverteidiger Jannik Trautwein, indem er gegen den durchgebrochenen Mayer als letzter Mann zu einer Notbremse griff und die Rote Karte sah. Selbst in Unterzahl blieb der FVL aber ein ebenbürtiger Gegner. Und exakt in der 100. Minute schlug dann „Kubi“ Baki mit dem 4:3 zu. Er profitierte bei seinem Volleyschuss freilich davon, dass sich der eben erst eingewechselte Timo Krauß bei Alexander Jordans Hereingabe böse verschätzte. Nach einer Roten Karte für VfL-Joker Ender Özcan, der sich einen Tritt von hinten in Wiens’ Hacken erlaubt hatte (106.), musste auch Sindelfingen mit einem Mann weniger auf dem Kunstrasen auskommen.

Dusel hatte Löchgau schließlich in der 114 Minute, als plötzlich Fabian Rupp frei vor Altmann auftauchte. Der Torhüter lenkte den Schuss mit den Fingerspitzen noch an den einen Innenpfosten, von dort sprang der Ball an den anderen Innenpfosten – und dann zurück ins Feld. Pechvogel Rupp war wohl so frustriert über sein Schusspech, dass er sich kurz darauf zu einer Beleidigung hinreißen ließ und noch mit Gelb-Rot vom Platz flog (116.).

„Die Hektik, die wir reingebracht haben, haben wir gebraucht. Wenn wir Sindelfingen nicht gestört oder genervt hätten, hätten die ihren Stiefel noch voll heruntergespielt und wären mit einem Sieg nach Hause gefahren“, sagte FVL-Trainer Thomas Herbst nach der Nervenschlacht. Lange wird sich seine Mannschaft über den Pokal-Triumph nicht freuen können, denn schon am Sonntag (15 Uhr) ist sie wieder in der Landesliga gefordert – zu Hause gegen den TSV Schwaikheim.

Noch zwei Plätze fürs Viertelfinale sind offen


Neben dem FV Löchgau (Landesliga, Staffel 1) haben bereits fünf weitere Teams das WFV-Pokal-Viertelfinale erreicht: Regionalligist TSG Balingen, die drei Oberligisten VfB Stuttgart II, FV Ravensburg und 1. Göppinger SV sowie Landesligist TSV Pfedelbach. Für die beiden noch freien Plätze kommen zwei Klubs aus der Region in Frage, die erst nächste Woche ihr Achtelfinalduell bestreiten. Am Mittwoch, 9. Oktober (18 Uhr), fordert der Oberligist FSV 08 Bissingen den klassenhöheren SSV Ulm 1846 aus der Regionalliga Südwest heraus. Am Samstag, 12. Oktober (15.30 Uhr), tritt Drittligist SG Sonnenhof Großaspach beim Außenseiter SC Stammheim (Landesliga, Staffel 2) an. ae