Das Stadionmagazin wegen einer kaputten Maschine in der Druckerei nicht ausgeliefert, der VIP-Raum wegen eines Wasserrohrbruchs gesperrt, das Mikrofon bei der improvisierten Pressekonferenz auf dem Kunstrasen zeitweise defekt und vor allem das Ergebnis sowie die Leistung unbefriedigend – beim SGV Freiberg war im ersten Pflichtspiel nach der Winterpause der Wurm drin. Nach einer 2:0-Führung zur Pause mussten sich die Oberliga-Kicker vom Wasen am Samstag gegen den FC 08 Villingen noch mit einem 2:2 begnügen. Damit büßten sie ihre Tabellenführung ein und rutschten auf Rang zwei hinter die Stuttgarter Kickers (1:0 gegen Oberachern) ab. Nach dem Triumph bei der Sindelfinger Hallengala Anfang Januar (zehn Siege in zehn Spielen) und fünf überzeugenden Erfolgen in der Vorbereitung war das Resultat für die Freiberger ein erster Dämpfer im Jahr  2019.

Schuld daran war ein rapider Leistungsabfall des SGV in der zweiten Hälfte. Im ersten Durchgang schien es so, als würde das Team, das seit 5. September nicht mehr verloren hat, seinen Höhenflug fortsetzen. Ein umstrittener Strafstoß führte bereits in der achten Minute zum 1:0: Spetim Muzliukaj drang in den Villinger Strafraum ein, ging ins Dribbling gegen Gianluca Serpa und Dragan Ovuka – und kam zwischen den beiden 08-Abwehrspielern zu Fall. Schiedsrichter Marvin Maier wertete die Situation als elfmeterwürdig und pfiff. Zur Tat schritt SGV-Torjäger Marcel Sökler, dessen halbhoch in die Mitte geschossener Elfmeter Gästekeeper Christian Mendes Cavalcanti abwehrte, doch im Nachschuss war Sökler erfolgreich – sein bereits 20. Saisontreffer (33.).

Damit begnügten sich die Schützlinge von Trainer Ramon Gehrmann fürs Erste. Die Villinger übernahmen nun vor den 510 Zuschauern das Kommando und verbuchten innerhalb weniger Minuten vier Ecken. Holprig war allerdings ihr Spielaufbau – ein Manko, das sicherlich auch mit der durch den Wintereinbruch im Schwarzwald erschwerten Vorbereitung zu tun hatte.

Villinger Neuzugang patzt

Den Lapsus des US-Amerikaners Mamadou Sanoussy Baldé konnte man freilich nicht mit mangelnder Spielpraxis entschuldigen. Der zur Winterpause gekommene Villinger Neuzugang erlaubte sich kurz vor dem eigenen Strafraum einen groben Fehlpass, den Sökler dankend aufnahm. Der Stürmer spielte in die Gasse zu Patrick Fossi, der verlud Ovuka und Cavalcanti mit einer Körpertäuschung und schob den Ball aus fünf Metern zum 2:0 ins Netz (33.). Zweite Chance, zweites Tor, hundertprozentige Trefferquote.

In diesem Stil ging es aber im zweiten Durchgang nicht weiter. Erst scheiterte Muzliukaj aus halblinker Position an Cavalcanti, der mit einer Fußabwehr rettete (49.). Dann gewann Sökler sein Laufduell gegen Ovuka, brachte aber nur ein Schüsschen zustande (60.). Das war’s dann auch fast schon aus Freiberger Sicht. In der letzten halben Stunde verfiel der SGV in eine erstaunliche Lethargie, stellte seine Angriffsbemühungen praktisch ein, tat nur noch das Nötigste – und wurde dafür noch bitter bestraft. Die Gäste aus Südbaden gewannen dagegen immer mehr an Sicherheit und nagelten die Wasen-Elf  in deren Hälfte fest.

Vollends Oberwasser bekamen sie mit dem 1:2-Anschlusstreffer, den der vom eingewechselten Yanick Haag freigespielte Benedikt Haibt erzielte (69.). Bei mehreren guten Chancen lag der Ausgleich in der Luft, der schließlich in der 90. Minute fiel: Leon Braun kam im Strafraum gegen Haibt einen Schritt zu spät und erwischte den Villinger am Fuß. Maier verhängte erneut einen Strafstoß. Thomas Bromma parierte den Versuch von Haag zwar, aber im anschließenden Gewühl  lenkte der eingewechselte Steven Kröner den Ball bei seinem Rettungsversuch zum 2:2 ins eigene Tor. Es war die letzte Aktion der Partie – und das dicke Ende für den SGV.