Fußball Überraschendes Aus für Germane Leno

Bietigheim-Bissingen / cp 05.06.2018

Am Sonntag feierte der SV Germania Bietigheim die Meisterschaft in der Fußball-Bezirksliga. Tags darauf verzichtete  Bundestrainer Joachim Löw in seinem endgültigen WM-Aufgebot auf den aus Bietigheim-Bissingen stammenden Torhüter Bernd Leno von Bayer Leverkusen, der seine Karriere beim SV Germania begann. Für Fußball-Experten aus der Region waren die Nichtnominierungen von Nils Petersen und Jonathan Tah keine Überraschung, im Gegensatz zur Streichung von Leno und Leroy Sané.

Trainer Ramon Gehrmann vom Oberligisten SGV Freiberg kennt einige Spieler aus dem WM-Aufgebot persönlich. Joshua Kimmich und Timo Werner waren seine Schüler am Stuttgarter Wirtemberg-Gymnasium, Antonio Rüdiger spielte unter ihm bei der U 19 des VfB Stuttgart, ebenso Leno. „Für den Bernd tut es mir unheimlich leid. Er hätte es verdient gehabt, denn er war Stammtorhüter bei seinem Klub. Der dritte Torhüter kommt bei einer WM sowieso nicht zum Einsatz, da zählen andere Sachen als das rein Sportliche“, sagt Gehrmann.

Nachvollziehen kann der Freiberger Coach aus sportlicher Sicht den Verzicht auf Sané: „Er ist ein überragender Fußballer mit einem Tempo wie kaum ein anderer Spieler. Aber er ist Marco Reus in seiner Spielweise ähnlich. Julian Brandt ist zwischen den Ketten auf engstem Raum vielleicht einen Tick besser als Sané. Dass er nicht dabei ist, ist für mich aber eine sehr große Überraschung. Petersen fehlt die internationale Erfahrung, dass Tah nicht dabei ist, war abzusehen.“

Den Kader allgemein sieht Gehrmann gut ausgewogen. „Gut finde ich, dass einige Spieler auf mehreren Positionen spielen können. Das ist ganz wichtig, das hat man bei der letzten WM gesehen. Deshalb ist auch Rudy dabei, der rechts hinten spielen kann. Goretzka kann auf der sechs und der zehn spielen. Der Kader ist gut aufgestellt. Es sind sehr, sehr gute Offensivspieler dabei“, findet Gehrmann.

„Sehr überrascht“ war Sven Burkhardt, Torhüter beim Oberligisten FSV 08 Bissingen, dass Leno nicht mit zur WM fährt. „Trapp hat ja während der Saison kaum ein Spiel gemacht, er sitzt bei Paris ja nur auf der Bank. Es ist Leno gegenüber unfair, ihn daheim zu lassen, denn er hat alle Spiele für Leverkusen gemacht. Klar war für mich, dass Ter Stegen und Leno hinter Neuer mitfahren“, meint Burkhardt. Begeistert war der Bissinger Torwart von der Leistung Manuel Neuers im Länderspiel am Samstag gegen Österreich in Klagenfurt: „Er hat überragend gehalten. Wenn einer so lange weg war und so zurückkommt, muss er einfach dabei sein bei der WM. So wie er gespielt hat, ist er fit.“

Vieles nachvollziehbar

„Mit Tah und Petersen habe ich gerechnet, überrascht war ich von der Nichtnominierung von Leno und Sané“, erzählt Daniel Brodbeck, Sportlicher Leiter beim Landesligisten FV Löchgau. „Ich bin den Kader aus Trainersicht durchgegangen und kann das Ausscheiden des einen oder anderen nachvollziehen. Löw hat in der Vergangenheit vieles richtig gemacht, da können seine Entscheidungen nicht so falsch sein“, vertraut Brodbeck dem Bundestrainer. Auf der Streichliste hätte er aber eher mit Trapp anstatt mit Leno gerechnet. „Im Kader ist jede Position doppelt besetzt. Brandt statt Sané ist die strukturiertere Variante“, ist Brodbeck überzeugt.

Sascha Hodzic, der Teammanager des Bezirksliga-Meisters SV Germania Bietigheim, hätte anstatt Sané aus dem vorläufigen WM-Kader Brandt gestrichen. „Tah und Petersen waren klar. Bei den Torhütern bin ich überrascht, alleine schon wegen der Spielpraxis, denn Leno hat eine gute Saison gespielt. Ich hätte Sané nicht gestrichen. Er wurde mit ManCity englischer Meister und hat unter Pep Guardiola gespielt. Ich kenne die Kriterien von Löw nicht“, so Hodzic.

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