Markus Lutz steht bei seinem Hobby Fußball auf die Farben Grün und Weiß. Seit zwei Jahren trainiert der 35-Jährige den VfL Gemmrigheim, für den er seit der Jugend gespielt hat. Zudem ist er glühender Fan des Bundesligisten SV Werder Bremen. Beide Klubs haben als Vereinsfarben grün und weiß. Begonnen mit dem Kicken hat Lutz an seinem Heimatort beim FV Kirchheim. Im D-Jugend-Alter wechselte er über die Neckarbrücke zum VfL Gemmrigheim – und ist bis heute geblieben. Als Aktiver stieg er 2005 mit dem VfL in die Bezirksliga auf, nach einem einjährigen Gastspiel dort spielen die Gemmrigheimer seit 2006 durchgehend in der Kreisliga A 3. In der Vorsaison wurde es nach einem Fehlstart eng mit dem Klassenerhalt. Nach sieben Spieltagen übernahm Lutz, der nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn 2014 die D- und die A-Jugend beim VfL trainiert hatte, das Traineramt. „Ich bin stolz, dass ich gefragt wurde und dass man mir die Aufgabe zugetraut hat“, sagt Lutz. „Ich habe mich der Verantwortung gestellt und will mit der Mannschaft Schritt für Schritt besser werden. Es war aber schon knapp am Ende, wir haben die Klasse mit Glück gehalten“, erzählt der 35-Jährige.

Gute Chancen auf Relegation

In der laufenden Saison spielt der VfL oben mit und hat durchaus gute Chancen, den Relegationsplatz und damit die Aufstiegsrunde zur Bezirksliga zu erreichen. Mit drei Siegen ist der VfL prima ins neue Jahr gestartet. „Die Liga ist ähnlich wie die Bundesliga. Klar vorne wie der FC Bayern ist bei uns der SV Riet, dahinter ist alles eng beisammen. Wir müssen aber vorsichtig sein, nachdem wir in der letzten Saison mit Ach und Krach die Liga gehalten haben. Wir wollen uns dort etablieren, wo wir hingehören“, so Lutz, der die Mannschaft aus dem Tabellenkeller in die Spitzengruppe geführt hat. „Der Stamm der Mannschaft spielt seit Jahren zusammen und bringt viel Herzblut ein. Bei uns stimmen die Charakterstärke und die Moral. Auch bei Rückständen gibt die Mannschaft nicht auf, sie ist topfit. Das und der Zusammenhalt sind unsere Stärken. Wir haben aber dennoch keinen Druck, aufsteigen zu müssen“, geht Lutz die Restrückrunde gelassen an, in der die vor dem VfL platzierten TSV Häfnerhaslach und TSV Kleinglattbach noch im Wasenstadion antreten müssen.

Raiser im Amt bestätigt

Druck gibt es auch von Seiten des Vorsitzenden keinen, aber viel Lob. „Wir vertrauen Markus Lutz, er hat die Jungs im Griff. Wir haben eine tolle Truppe und wären alle stolz, wenn sie den Aufstieg schaffen würde. Unser Publikum ist kritisch, geht aber immer zufrieden heim“, sagt Hans-Michael Raiser, der am Freitagabend bei der Mitgliederversammlung in seinem Amt, das er seit vier Jahren ausübt, bestätigt wurde.

Neben Gemmrigheimern gehören auch einige Spieler aus der Umgebung dem aktuellen Kader an und sind schon seit Jahren dabei. Das liegt sicher auch an der Infrastruktur mit drei Rasenplätzen bei der Wasenhalle, in der auch das Vereinsheim und die Umkleidekabinen untergebracht sind. „Wir haben traumhafte Anlagen und jammern auf hohem Niveau“, sagt Trainer Lutz. Gerne hätte der VfL den Umbau des Rasenspielfeldes direkt am Neckar in einen Kunstrasen gesehen. Diesen Wunsch aber erfüllte die Gemeinde dem Verein nicht. Wenn am Wasen nicht trainiert werden kann, weichen die Fußballer auf den kleinen Kunstrasen bei der Schule aus.

Jugend durchgehend besetzt

Nach Ablauf der Saison werden zwei, drei Spieler ihre Karriere aus privaten Gründen beenden. Dann sollen aus der A-Jugend und der in der Kreisliga B spielenden zweiten Mannschaft einige junge Kräfte nachrücken. Beide Teams trainiert mit großem Engagement mit Wolfgang Hamburger ein alter Haudegen, der in seiner aktiven Zeit beim FV Zuffenhausen einer der besten Mittelfeldspieler in Württemberg war. Bis auf die F-Jugend hat der VfL unter Jugendleiter Albrecht Schweiker alle Altersklassen besetzt.

Einer, der als Kirchheimer ebenfalls sein Herz an den VfL verloren hat, ist Benjamin Kupke. Der 29-Jährige spielt seit 18 Jahren in Gemmrigheim und steht auch aktuell im Tor des VfL. Zudem kümmert er sich zusammen mit Trainer Lutz und Mitspieler Andreas Schweiker um die Belange der Fußball-Abteilung und ist im Hauptverein zweiter stellvertretender Vorsitzender. Einen klassischen Abteilungsleiter Fußball gibt es momentan nicht. „Ich fühle mich als Gemmrigheimer. In unserer Mannschaft stimmen Spaß und Ernst“, so Kupke. „Wir haben nicht die Mittel, Spieler von außerhalb zu verpflichten. Das wollen wir auch gar nicht. Wir wollen die Mannschaft so beibehalten und sie mit Bedacht verstärken“, kündigt der Torwart und Funktionär an. Für die laufende Saison ist Kupke zuversichtlich: „Wir sind guter Dinge, dass wir weiter eine gute Rückrunde spielen und Häfnerhaslach ärgern können. Wir tun uns tendenziell gegen Mannschaften von oben leichter. Unser Ziel war vor der Saison aber ein Mittelfeldplatz. Wir wissen, wo wir herkommen. Aber Relegationsspiele wären schön.“ Unterstützung bei der Arbeit außerhalb des Spielfeldes erhält er von Andreas Schweiker, der selbst auch mitkickt, am Saisonende aber wohl aufhören wird. „Es ist schon ein Riesensprung von der Kreisliga A in die Bezirksliga. Da geht es noch ein Stück härter zu.“ Auch er lobt die gute Atmosphäre auf dem Wasen: „Es sind viele Spieler gekommen und geblieben – nicht wie bei anderen Vereinen, bei denen es Jahr für Jahr Wechsel gibt.“

Der engagierte und kommunikative VfL-Vorsitzende Raiser ist stolz, dass mit seinem zweiten Stellvertreter Kupke und Schriftführer Simon Kraut aus der zweiten Mannschaft zwei aktive Fußballer aus der zweitgrößten Abteilung des Vereins nach dem Turnen bereits Vorstandsaufgaben übernommen haben: „Bei uns ist der spartenübergreifende Zusammenhalt groß, gerade auch bei Veranstaltungen im Verein oder beim Fleckenfest. Es ist wichtig, das jungen Leuten klarzumachen, damit ein Verein eine Zukunft hat.“

Raiser selbst stammt aus der Ringer-Abteilung des VfL und war fünf Jahre lang Sportlicher Leiter beim Zweitligisten Benningen. Er verrät eine Besonderheit beim VfL Gemmrigheim, die ungewöhnlich ist: „Alle sieben Abteilungen haben nur eine gemeinsame Kasse. Jede Abteilung erhält ihren Jahresetat. So haben wir im Ausschuss immer Transparenz und ersparen uns unnötige Diskussionen. Jeder weiß, wieviel für jeden zur Verfügung steht. Das funktioniert.“ Der Vorsitzende selbst kontrolliert zudem jeden Beleg über Ein- und Ausgaben. „Wir kriegen fast immer eine Punktlandung hin“, freut er sich.