Fußball Spezialisten für Traumtore

Der Bissinger Innenverteidiger Maurizio Macorig trifft im Kopfballduell auf Ravensburgs Maskenmann Jona Boneberger (links). Im Hintergrund beobachtet Simon Lindner die Szene.
Der Bissinger Innenverteidiger Maurizio Macorig trifft im Kopfballduell auf Ravensburgs Maskenmann Jona Boneberger (links). Im Hintergrund beobachtet Simon Lindner die Szene. © Foto: Helmut Pangerl
Bissingen / Andreas Eberle 10.09.2018

Der Oberligist FSV 08 Bissingen ist neuerdings ein Spezialist für Traumtore. Im Derby am Mittwoch beim SGV Freiberg (2:0) traf Alexander Götz mit einem Schuss von der Mittellinie. Am Samstag gegen den FV Ravensburg zeigte nun Patrick Milchraum ein feines Füßchen. Der linke Flügelflitzer, „Speedy“ genannt, jagte den Ball in der 51. Minute aus 17 Metern mit dem Innenrist ins rechte obere Tordreieck zum 1:0. Am Ende siegte der Bruchwald-Klub nach einer hochklassigen und spannenden Partie mit 2:1. Mit dem fünften Dreier im sechsten Saisonspiel und 16 von 18 möglichen Punkten löste Bissingen den SSV Reutlingen auf Rang eins ab. „Die Saison ist noch lang, es kommen noch einige schwere Spiele. Wir werden aber natürlich alles versuchen, um oben dranbleiben. Dann wird man sehen, was herauskommt“, sagte Milchraum und sprach – auch wegen seines wunderschönen ersten Saisontreffers – von einem „perfekten Tag“.

Noch keine Minute war absolviert, als 08-Stadionsprecher Aaron Glock versehentlich das Torjingle anspielte – und damit fast richtig lag. Denn Lukas Lindner setzte nach dem ersten Bissinger Angriff zum Scherenschlag an, doch Ravensburgs Innenverteidiger Philipp Altmann klärte vor der eigenen Torlinie. Auf der Gegenseite holte FSV-Schlussmann Sven Burkhardt einen Schuss von Felix Schäch aus dem oberen Torwinkel und knüpfte mit dieser Parade gleich wieder an seine Glanzleistung aus dem Derby an.

Die beiden Aufstiegskandidaten lieferten sich ein Duell auf Augenhöhe. Den Nullachtern fehlten gegen die kompakt stehenden Oberschwaben die nötigen Räume, um ihr gefürchtetes Umschaltspiel aufzuziehen. Erschwerend kam hinzu, dass auf dem ramponierten und holprigen Rasen (siehe Infobox) mit Spielkultur nicht viel auszurichten war. Mehr und auch die besseren Tormöglichkeiten hatte Ravensburg, allen voran Rahman Soyudogru. Der FVR-Kapitän rutschte nach einer Hereingabe von Jona Boneberger aus und setzte die Kugel am langen Pfosten unbedrängt aus drei Metern vorbei (41.). Kurz vor der Pause prüfte Yannick Toth den Gästekeeper Haris Mesic mit einem Schuss aus 14 Metern. So blieb’s beim 0:0 zur Pause. „Keine Auswechslung und keine Tore – das war wieder eine Halbzeit, bei der sich der Stadionsprecher arbeitslos hätte melden können”, stellte Glock launig fest.

Nach Wiederanstoß hatte er dann mehr zu tun. Ravensburg begann zwar stärker, aber der Gastgeber schoss durch Milchraums Kunstschuss das erste Tor (51.). „Ab und zu passiert mir so was schon noch, aber der Ball kann auch ganz wo anders landen. Ich bin froh, dass er heute im Knick gelandet ist“, kommentierte der Ex-Profi sein Traumtor. Es folgten drei Schusschancen zur Vorentscheidung, die Lindner vergab. Wieder mal wurde den Bissingern dann in der 68. Minute ein Standard zum Verhängnis: Bei einer Ecke spielte der FVR seine Lufthoheit aus. Der erste Kopfball ging noch an die Latte, den zweiten setzte Rahman Soyudogru zum 1:1 ins Netz. Dusel hatten die 08-Kicker zudem, dass der Gästekapitän mit einem 17-Meter-Freistoß nur den Pfosten traf. Dafür traf auf der Gegenseite Daniel Schachtschneider im Strafraum das Standbein von Marius Kunde, der zu Boden ging – Schiedsrichter Michael Kimmeyer zögerte keinen Moment und pfiff Elfmeter, den der eingewechselte Götz sicher zum 2:1 verwandelte (80.).

In der Endphase drückte Ravensburg wütend auf den Ausgleich, doch erneut konnte sich die Bruchwald-Elf auf Glücksgöttin Fortuna verlassen – und auf Burkhardt: Der bekam in der gut vierminütigen Nachspielzeit bei einem weiteren brandgefährlichen Freistoß, diesmal von Jascha Fiesel getreten, irgendwie noch die Finger an den Ball und lenkte diesen an den Pfosten. So blieb’s beim etwas glücklichen Bissinger 2:1-Erfolg – mit dem hübschen Nebeneffekt, dass die Nullachter nun vom Tabellengipfel grüßen.

„Der schlechteste Platz in der Oberliga“

Der Zustand des Rasens erhitzte im Lager des FSV 08 Bissingen die Gemüter. Dieser machte in der Tat einen ziemlich ramponierten Eindruck. Auf dem holprigen Untergrund war an ein gepflegtes Kombinationsspiel nicht zu denken – und auch nicht an das schnelle Umschaltspiel, das die Bissinger gerne zeigen. „Auf dem schlechten Platz war es nicht einfach, Spielkultur hineinzubekommen“, bestätigte 08-Kicker Patrick Milchraum. Tacheles redete Trainer Alfonso Garcia bei der Pressekonferenz: „Das ist mit Abstand der schlechteste Platz in der Oberliga. Es ist eigentlich eine Zumutung, hier spielen zu müssen.“  ae

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