Auf dem Rasen im Wasenstadion liegt doch kein Fluch: Nach drei Niederlagen und einem Remis haben die Fußballer des SGV Freiberg erstmals in dieser Oberliga-Saison einen Sieg auf ihrem Hauptspielfeld gefeiert – und einen überzeugenden noch dazu. Die Mannschaft um Kapitän Thomas Gentner schoss den Abstiegskandidaten 1. FC Normannia Gmünd am Samstag mit 5:1 vom Feld und verbesserte sich auf Rang drei. „Der Platz ist in einem super Zustand. In jedem Training haben die Jungs richtig Bock, dort zu kicken. Das haben sie auch heute gezeigt“, sagte Coach Ramon Gehrmann, dessen Team zu Hause bisher nur auf dem Kunstrasen für Furore gesorgt hatte. Da die Aufstiegsrivalen aus Bahlingen und Bissingen jeweils nur unentschieden spielten, sind die Freiberger – gemeinsam mit Spitzenreiter Stuttgarter Kickers und dem FC Nöttingen – die Gewinner des 27. Spieltags.

Ein Standard bringt die Führung

Die Wasen-Elf hatte gegen den Drittletzten aus Gmünd nur in der ersten Hälfte Probleme. Die Normannia zog sich weit zurück und überließ dem SGV die Kontrolle. Bereits in der fünften Minute bewahrte Torhüter Yannick Ellermann die Gäste vor einem Rückstand, als er Marcel Söklers Großchance mit einer Fußabwehr vereitelte. Freiberg benötigte einen Standard zur Führung: Innenverteidiger Maximilian Rohr köpfte eine Gentner-Ecke am Fünfmeterraum zum 1:0 ein (35.).

Keine fünf Minuten später fiel allerdings das 1:1: Routinier Andreas „Bobo“ Mayer verwandelte einen Foulelfmeter. Vorausgegangen war ein Gmünder Konter. Nach einem Foul am Ex-Freiberger Serkan Uygun an der Seitenlinie ließ Schiedsrichter Joshua Zanke Vorteil laufen, doch als Rohr dann auch noch Felix Bauer ungestüm im Sechzehner zu Fall brachte, pfiff der Regelhüter Strafstoß. Der schon verwarnte Abwehrspieler konnte froh sein, dass er für diese Aktion nicht auch noch mit Gelb-Rot vom Feld flog. Der erste Saisontreffer von Denis Zagaria bescherte dem SGV noch eine 2:1-Führung – der Mittelfeldstratege war nach einem Doppelpass mit Leon Braun per Flachschuss erfolgreich (44.).

Sökler erzielt sein 27. und 28. Tor

In der zweiten Hälfte spielte der SGV den Gegner schwindelig und sich mit flüssigen Kombinationen viele Chancen heraus. Innerhalb von sechs Minuten erzielte Sökler seine Saisontore Nummer 27 und 28. Erst traf der 28-jährige Ausnahmestürmer mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze (51.). Dann schlug er nach einem Doppelpass mit Youngster Denis Latifovic zu (57.). Der Widerstand der Normannen war nun endgültig gebrochen.

In der 69. Minute trat Sökler bei einem von Rohr initiierten Konter dann auch als Vorbereiter in Erscheinung: Seinen Querpass nahm Mittelfeldmann Patrick Fossi dankbar an und schob die Kugel zum 5:1-Endstand ins Netz. Wenig später verpasste Sökler das halbe SGV-Dutzend nur knapp – sein Geschoss aus vollem Lauf krachte an die Latte (73.). Auf der Gegenseite verhinderte Rohr in der Schlussphase den zweiten Gmünder Treffer, indem er Uyguns Schuss für den bereits geschlagenen Keeper Alexander Michalik auf der Torlinie klärte.

Forsche Töne waren nach dem Kantersieg aus dem Freiberger Lager zu hören. „Wir müssen jetzt dranbleiben. Wenn wir die Aufgabe Neckarsulm meistern, werden wir vorne ein ganz großes Wort mitreden“, sagte Zagaria und unterstrich die Ambitionen des SGV im Schlussspurt der Runde: „Ich will beides: einen Topplatz in der Liga und den WFV-Pokal. Der Aufstieg ist eine Pflichtaufgabe für uns.“

Zagaria trifft zum ersten Mal seit Juni 2017 – weil sein größter Fan im Stadion ist


Seit Monaten zeigt Denis Zagaria Topleistungen im Trikot des SGV Freiberg, nur mit dem Toreschießen haperte es bisher. Am Samstag gegen den 1. FC Normannia Gmünd platzte bei dem 25-jährigen Italiener in seinem 24. Oberliga-Saison­einsatz endlich der Knoten: Er traf kurz vor der Pause nach einem Doppelpass mit Leon Braun zum 2:1. „An mein letztes Tor kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern“, sagte Zagaria. Ein Blick in die Statistik hilft weiter: Zuvor hatte er, noch zu Freiberger Verbandsliga-Zeiten, einen Treffer bejubeln dürfen: Am 3. Juni 2017, dem letzten Spieltag, gelang ihm beim 2:1 gegen den TSV Essingen per Strafstoß das 1:0. Seine Torbilanz kommentierte Zagaria selbstkritisch: „Das ist zu wenig für einen Mittelfeldspieler. Ich will in dieser Saison jetzt noch mindestens zwei weitere Tore schießen.“ SGV-Trainer Ramon Gehrmann verriet bei der Pressekonferenz, warum bei seinem Defensivstrategen mit der Rückennummer 23 ausgerechnet am Samstag der Torbann gebrochen ist: „Der größte Fan von Denis war heute im Stadion – und das ist mein Sohn. Ich glaube, den muss ich das nächste Mal auch nach Neckarsulm mitnehmen.“ ae