An diesem Samstag feiert Hans-Jürgen Boysen seinen 63. Geburtstag. Den begeht er aber nicht im trauten Kreis der Familie, sondern als Trainer der SG Sonnenhof im leeren Stadion im Aspacher Fautenhau. Mit dem Duell gegen den Tabellendritten Spvgg Unterhaching beginnt für den erfahrenen Coach und die abstiegsgefährdeten Fußballer aus dem Fautenhau um 14 Uhr der Wiedereinstieg in der Dritten Liga. Für den Vorletzten geht es darum, irgendwie die zwölf Punkte ans rettende Ufer aufzuholen.

Auf 104 Einsätze und fünf Tore hat es Boysen als Abwehrspieler des Karlsruher SC und des 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga gebracht. Als Trainer war er viele Jahre für den FSV Frankfurt, Kickers Offenbach und den SV Sandhausen in Liga zwei tätig. Der gebürtige Mannheimer hat im Fußball schon sehr, sehr viel gesehen. Das, was auf ihn und seine Mannschaft nun zukommt, ist aber auch für ihn neu. Nachdem der DFB bestimmt hat, dass die Dritte Liga trotz Corona-Krise zu Ende gespielt werden soll, warten elf Partien binnen 36 Tagen.

„Noch nie erlebt“

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Boysen zu dem Stress und fügt an: „Wenn bei Bayern München zur Champions League noch der DFB-Pokal dazu kommt, dann sind das auch viele Spiele, aber selbst solche Topteams müssen in so kurzer Zeit nicht so viele Partien wie wir jetzt absolvieren.“ Boysen hält das, was von den Drittliga-Fußballern verlangt wird, für „sehr bedenklich“. Er nennt es „eine Mammutaufgabe, auf die der Körper der Spieler eigentlich nicht vorbereitet ist“.

Erst recht nicht, wenn die Spieler wie in Aspach nicht mal drei Wochen Vorbereitungszeit hatten. Ein Fakt, den der SG-Trainer im Sinn hat, wenn er mit Blick auf die Diskussionen um die Fortsetzung der Liga erklärt, dass jeder Verein dabei vor allem an seine eigenen Interessen und Vorteile gedacht hat. Aber: „Es geht doch vor allem um die Spieler, die Menschen, die das nun leisten und mitmachen müssen.“ Wenn der Ball aber rollen muss, damit der Rubel rollen kann, dann sind Interessen der Sportler aber offenbar unwichtig. Deshalb konzentriert sich Hans-Jürgen Boysen auf das, was von ihm und seiner Mannschaft abverlangt wird: „Tatsache ist, dass wir heute spielen. Wir müssen laufen und kämpfen, was das Zeug hält.“ Da zählt dann auch nicht, dass der Tabellendritte aus Unterhaching nicht nur sportlich höher einzuschätzen ist, sondern auch mit einem riesigen Wettbewerbsvorteil in den Fautenhau kommt. Denn während es der Vorletzte aus Großaspach wegen behördlicher Vorgaben auf gerade mal 20 Tage Vorbereitungszeit bringt, steht der Aufstiegsaspirant aus der Münchner Ecke seit sage und schreibe 54 Tagen wieder auf dem Trainingsplatz.
Boysen und seine Mannschaft kennen diese Zahlen, wollen sich davon aber nicht zu sehr beeinflussen lassen. Schließlich ist das Kellerkind zum Siegen verdammt, will es das Fußballwunder noch schaffen und die zwölf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz in den fünf englischen Wochen in Folge noch wettmachen. Aspachs Cheftrainer sagt klipp und klar: „Unser Ziel ist es, gegen Unterhaching die drei Punkte zu holen.“ Dabei weiß er, dass „wir auf einen echten Hochkaräter treffen, der über enorme Qualität verfügt“. Wie groß die ist, das bekam Aspach schon in der Vorrunde zu spüren, als sie zwar gut mithielt, am Ende aber gegen einen sehr effektiven Kontrahenten 0:2 verloren hatte. Das soll dieses Mal anders werden.

Personalsituation bei der SG


Neben den Langzeitverletzten Michael Vitzthum (Hüfte), Timo Röttger (Knöchel), Jamil Dem und Eric Hottmann (beide Aufbautraining) fehlen Charmaine Häusl und Marin Sverko (beide Oberschenkelprobleme). Dafür sind Korbinian Burger, Jonas Meiser und Joel Gerezgiher nach monatelanger Ausfallzeit zurück. Innenverteidiger Burger hat sogar gute Chancen auf einen Platz in der Startelf und kann dann mithelfen, dass Boysen den 63. Geburtstag zwar nicht im trauten Familienkreis, dafür aber mit einem Drei-Punkte-Präsent feiern kann. uf