Fußball Schlafender Riese mit Albträumen

Ein Hoffnungsträger aus dem eigenen Nachwuchs bei 07 ist Stürmer Emanuel Godwin  Mc Donald.
Ein Hoffnungsträger aus dem eigenen Nachwuchs bei 07 ist Stürmer Emanuel Godwin Mc Donald. © Foto: Helmut Pangerl
Der 9 / cp 22.06.2018

Juni 2018 markiert in der 111-jährige Geschichte der Spvgg 07 Ludwigsburg ein trauriges Kapitel: Die Fußballer steigen aus der Landesliga ab. Vom bisherigen Kader bleiben gerade mal sechs Spieler.  „Es war vorauszusehen, dass nicht viele bleiben. Wir wollten und konnten nicht alle halten, einige hatten aber schon zugesagt. Aber das ist typisch“, berichtet der 1. Vorsitzende Olaf Hötzel. „Es kommen aber noch ein paar dazu. Ich werde genau hinschauen, wie sich die Spieler verhalten“, so Hötzel.

„Es war einfach zu viel Unruhe. Es ist schade für den Verein und die vielen netten und überragenden Menschen im Umfeld, dass 07 jetzt Bezirksliga spielen muss“, sagt Haitham Oubeyapwa, der den Verein  verlassen hat. „Zum Schluss ist es unschön abgegangen, dass man den Charakter mancher Spieler anzweifelt. Immerhin haben die Trainer und wir als Mannschaft ein Jahr zusammengearbeitet. Wir sind nicht absichtlich abgestiegen. Spieler an den Pranger zu stellen ist für mich dann eine Charakterfrage“, ärgert sich Oubeyapwa über Aussagen der Verantwortlichen in Medien und sozialen Netzwerken. „Wir haben gut angefangen und in Freiberg den KSK-Cup gewonnen, alle waren sehr motiviert. Dann sind unsere beiden Trainer gegangen. Mit Toni Carneiro schien Ordnung reinzukommen und wir haben eine ordentliche Hinrunde gespielt“, lässt er die Saison Revue passieren. „Wir sind dann schlecht in die Rückrunde gestartet. Unruhe kam durch den Abgang unseres Kapitäns Asilhan Yilmaz auf. Er war fußballerisch und menschlich super. Zum Ende hin hat uns dann seine Qualität gefehlt. In Kleingartach hat uns Kraft gefehlt, dann hätten wir taktisch umstellen müssen und die Wechsel haben uns verunsichert. Hinzu kamen individuelle Fehler“, so Oubeyapwa.

Trainerduo bleibt

Roman Kasiar, gleichzeitig Sportlicher Leiter, und Toni Carneiro bilden weiterhin das Trainerteam. Ab der kommenden Saison kooperiert die Spvgg 07 mit der Spvgg Schlößlesfeld. „Die erste Mannschaft in der Bezirksliga bleibt autark, mit zwei anderen Mannschaften bilden wir eine Spielgemeinschaft“, erklärt Sportvorstand und Jugendleiter Marijo Martincic die Pläne.

„Wir haben ein mageres Budget. Einige Sponsorenverträge laufen weiter, aber wir benötigen noch neue Sponsoren. Es gab Zusagen von verschiedenen Leuten, die nicht eingehalten wurden. Viele reden viel, wenn‘s drauf ankommt, kommt nichts“, erzählt Vorstand Hötzel. Seit Oktober 2017 steht er, ein „Nullsiebener aus vollem Herzen“ und Gründer des Fanclubs an der Spitze des Vereins. Aus der Not heraus stellte er sich im Herbst nach dem Desaster auf der Vorstandsebene für dieses höchste Amt beim Traditionsverein zur Verfügung.

Nach Jahren in der Landesliga sollte alles besser und wieder glanzvoller werden beim Verein mit langer Tradition und einer erfolgreichen Geschichte.  Nach zwei Aufstiegen mit dem FV Ingersheim  in die Landesliga kam Klaus Zürn auf Bitten des 07-Sportvorstands Jürgen Friedrich als Sportlicher Leiter an den Fuchshof. Doch der als Macher und Entscheider über kurze Wegen bekannte Funktionär stieß mit seinem Tempo und seinem Wunsch nach Veränderungen auf Kritik und Widerstände. Pech für die neue Konstruktion war, dass der Aufstieg in die Verbandsliga 2017 verpasst wurde. „Natürlich wäre es einfacher gewesen, wenn wir da aufgestiegen wären. Für die neue Saison hatten wir eine günstigere Mannschaft mit zwei hochkarätigen Spielertrainern“, so Zürn, der den Fehler einräumt, in der Winterpause Interimstrainer Holger Ludwig nicht zum Chefcoach befördert zu haben.

Aufstieg knapp verpasst

Verpasst war die Chance, zum 110-jährigen Jubiläum in die Verbandsliga aufzusteigen. Dabei hatte das für Marketing zuständige Vorstandsmitglied Silvester Apro die Werbetrommel gerührt und den Slogan „Der schlafende Riese erwacht“ entworfen. Zwei Jahre später liegt der Riese immer noch darnieder, geplagt von Albträumen.

Nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung im Juni 2017 kam es zum endgültigen Bruch innerhalb der Vorstandschaft. Der damalige Vereinschef Thomas Rettig, Friedrich, Zürn und der Ex-Vorsitzende Erik Bayer hatten zugesagt, die Etatunterdeckung auszugleichen. Ein Minus  am Saisonende war bei 07 nicht außergewöhnlich, es wurde stets von Vorstandsmitgliedern beglichen. Als Spielertrainer verpflichtete 07 für die Saison 2017/2018 die ehemaligen Profis Marcel Ivanusa und Fabian Gerster, die noch vor dem ersten Saisonspiel aufhörten. Nach  der genannten Vorstandssitzung  spaltete sich das Gremium trotz der Vereinbarungen. Das Trio Wolfgang Metzger, Apro und der damalige Schriftführer Martincic trat zurück und ist unter Hötzel mittlerweile wieder tätig.  Rettig, Zürn, der seinen zugesagten Beitrag als Spende  geleistet hatte, und Friedrich erklärten ihren Rücktritt.  „Dadurch entgingen dem Verein Sponsorengelder in Höhe von etwa 60 000 Euro“, sagt Zürn rückblickend. „Fehler gab es von allen Seiten, die haben auch wir gemacht. Wenn sich aber alle an unsere Vereinbarungen aus der Sitzung im Juli 2017 gehalten hätten, hätte der Verein keinen Schaden genommen“, ist er sich sicher.

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