Fußball Röcker erlebt die beste Zeit seiner Karriere in Dänemark

Von einem Kopfballduell gezeichnet bejubelt der Löchgauer Benedikt Röcker von Bröndby seinen Treffer zum 1:1 im Spiel gegen Aalborg BK. 
Von einem Kopfballduell gezeichnet bejubelt der Löchgauer Benedikt Röcker von Bröndby seinen Treffer zum 1:1 im Spiel gegen Aalborg BK.  © Foto: Imago
dh 06.06.2018

Freud’ und Leid liegen im Sport oft ganz nah beieinander. Das hat der Löchgauer Fußballprofi Benedikt Röcker mit seinem Verein Bröndby IF in seiner zweiten Saison in Dänemark selbst erfahren. Mitte Mai traf Röcker mit dem Kopenhagener Vorstadtklub im Finale um den dänischen Landespokal auf Silkeborg IF und geriet nach einer guten halben Stunde mit 0:1 in Rückstand. Doch nur zwei Minuten später köpfte der 1,97 Meter große Verteidiger zum 1:1-Ausgleich ein. Am Ende gewannen Röcker & Co. mit 3:1 und holten damit nach zehn Jahren wieder einen Titel für Bröndby. „Das ist der bisher größte Erfolg meiner Karriere und ein absoluter Meilenstein. Ich bin Pokalsieger in Dänemark. Das nimmt mir keiner mehr und da bin ich auch stolz darauf“, erzählt Röcker auch noch knapp drei Wochen später mit leuchtenden Augen bei einem Heimatbesuch.

Zehn Tage nach dem Pokaltriumph lag Röcker mit seinen Mannschaftskameraden am Boden. In der Meisterrunde wurden im Endspurt die letzten vier Spiele nicht gewonnen, wodurch man den sicher geglaubten Meistertitel noch aus der Hand gab und an den FC Midtjylland verlor. „Das war das Härteste, was mich sportlich bisher in meinem Leben getroffen hat. Ich habe einige Zeit gebraucht, um das alles zu verdauen und musste mal wegkommen vom Fußball. Auch jetzt fällt es mir noch schwer, darüber zu sprechen“, gesteht der 28-Jährige.

Super Runde unter Zorniger

Dabei spielte Bröndby unter Alexander Zorniger, dem  ehemaligen Trainer der SG Sonnenhof Großaspach und des VfB Stuttgart, über weite Strecken der Saison in einem wahren Rausch. „Man hat über die vergangenen Monate gemerkt, wie sich auch im Umfeld eine Rieseneuphorie entwickelt hat“, berichtet Röcker. In der Liga hatte er mit seinem Team in 26 Spielen nur zweimal verloren und sich als Tabellenführer souverän für die sogenannte Meisterrunde qualifiziert, in der in Dänemark nach dem letzten regulären Spieltag die Top 6  im System Jeder-gegen-Jeden mit Hin- und Rückspiel nochmal gegeneinander antreten und den Meister ausspielen.

Nach der einzigen Niederlage in der Finalrunde  gegen Midtjylland und zwei Unentschieden in den letzten beiden Partien, war das sicher geglaubte Double futsch. Röcker zieht trotzdem ein positives Fazit: „Wir haben eine sehr gute Saison gespielt und mit dem Pokal nach langer Durststrecke mal wieder einen Titel geholt“, freut sich der Innenverteidiger. Bis auf drei Spiele, in denen Röcker gesperrt fehlte, kam er in der Liga immer zum Einsatz. „Meine erste Saison bei Bröndby war schon konstant gut, aber jetzt die zweite war der bisherige Höhepunkt meiner Karriere“, sagt der gebürtige Bietigheim-Bissinger, der sich als Abwehrspieler wettbewerbsübergreifend insgesamt fünf Mal in die Torschützenliste eintrug.

Durch die Vizemeisterschaft tritt Bröndby, wie in den vergangenen Jahren wieder in der Europa-League-Qualifikation an. „Die Möglichkeit, international zu spielen, war einer der Hauptgründe, warum ich zu Bröndby gegangen bin. Auch wenn es bisher nur Qualispiele waren, bin ich dankbar, dass ich das erleben darf“, sagt Röcker. Vier Spiele müssen erfolgreich gestaltet werden, um die Gruppenphase zu erreichen. „Das muss dieses Jahr das Ziel sein und wäre ein Riesenerfolg“, weiß Röcker, der gemeinsam mit seiner Freundin in einer Wohnung südlich von Kopenhagen direkt am Wasser lebt.

Gerne noch einmal Bundesliga

Bereits in der kommenden Woche beginnt wieder die Vorbereitung bei Bröndby. Dort hat der Linksfuß noch einen Vertrag bis Juni 2019. „Ich bin froh, dass ich noch ein weiteres Jahr hier sein kann. Mein Ziel ist es schon irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukommen, aber ich lasse das alles auf mich zukommen.“ Für den VfB Stuttgart kam Röcker 2012 und 2013 bereits dreimal in der Bundesliga zum Einsatz. „Es war schade, dass ich die wenigen Chancen, die ich damals bei meinem Herzensverein hatte, nicht nutzen konnte. Wenn ich könnte, würde ich mich gerne nochmal in der Bundesliga auf höchster deutscher fußballerischer Ebene beweisen.“ Deutlich mehr Erfahrung und den dänischen Pokalsieg hat er dafür inzwischen in seiner Bewerbung stehen. Sein Cousin Julian Schuster, der langjährige Kapitän des SC Freiburg, hat seine Karriere mit Ablauf der Saison 2017/2018 beendet.

Zur Person

Benedikt Röcker wurde am 19. November 1989 in Bietigheim-Bissingen geboren. In Löchgau aufgewachsen, begann er beim FV Löchgau mit dem Fußball. 2009 ging er für eineinhalb Jahre zum damaligen Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach, wo er sich unter Trainer Alexander Zorniger zum Stammspieler entwickelte und in den Fokus des VfB Stuttgart rückte, zu dem er im Januar 2011 wechselte. Dort spielte er überwiegend für die U 23 in der 3. Liga, kam aber auch zu fünf Einsätzen bei den Profis: Dreimal in der Bundesliga, zweimal in der Europa League. Von Januar 2014 bis Juni 2016 absolvierte Röcker 80 Zweitliga-Spiele für den Zweitligisten  Spvgg Greuther Fürth. Seit Juli 2016 spielt der Innenverteidiger in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen für Bröndby IF. dh

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