Zwischen Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit und Entsetzen schwankte am Samstagnachmittag die Stimmungslage am Bruchwald. Mit 0:4 hatte zuvor der FSV 08 Bissingen sein Oberliga-Heimspiel gegen den FV Ravensburg verloren, nach einer katastrophalen Leistung vor allem in der Defensive. „Sogar in dieser Höhe war der Sieg für Ravensburg verdient. Wir waren heute in allen Belangen nicht nur eine, sondern zwei Klassen schlechter“, sagte 08-Trainer Alfonso Garcia ernüchtert. „Es wird immer desaströser. Ich habe lange nicht mehr ein Spiel gesehen, in dem wir so chancenlos waren“, klagte Oliver Dense, der Sportliche Leiter.

33 Gegentore in 15 Spielen

Sogar das Wort Abstiegskampf machte am Samstag erstmals in dieser Saison die Runde, gerade mit Blick auf die fleißig punktende Konkurrenz im Tabellenkeller. Der Rückstand der (noch) siebtplatzierten Bissinger zu den Fahrstuhlrängen gen Verbandsliga beträgt nur noch vier Zähler. Da viele Vereine aus der Spitzengruppe wieder mal patzten, verpassten die Nullachter umgekehrt die große Chance, in der Tabelle weiter Boden gutzumachen. Nur neun Punkte aus den bisher acht Heimspielen und bereits 33 Gegentreffer in 15 Partien zeigen, wo bei der Garcia-Elf der Schuh drückt. Hochstimmung herrscht dagegen im Ravensburger Lager: Mit dem achten Saisonerfolg übernahmen die Oberschwaben die Tabellenführung, auch wenn deren Coach Steffen Wohlfarth sogleich relativierte: „Das ist nur eine schöne Momentaufnahme.“

Vor der Saison waren beide Mannschaften in die Kategorie „Topteams“ eingruppiert worden, mit dem Potenzial, oben mitzumischen. Doch derlei Erwartungen erfüllte auf dem Kunstrasen am Bruchwald vor den 300 Zuschauern nur Ravensburg. Einsatz- und spielfreudig, fokussiert und abwehrstark, kombinationssicher und torhungrig – der mit zwei Niederlagen in die Saison gestartete FVR trat wie ein Aufstiegskandidat auf. Und die Bissinger? Die schienen vom Anpfiff an gar nicht richtig auf dem Platz. In der Abwehr schossen sie einen Bock nach dem anderen und servierten dem Gegner immer wieder selbst die Torchancen auf dem Silbertablett. Seltsam mut- und leblos wirkte das Team. Im Spiel nach vorne fehlten ebenfalls die Ideen, etwa eines Alexander Götz – der wiedergenesene Kreativspieler saß bis zur 59. Minute auf der Bank, weil Garcia der siegreichen Elf aus dem Neckarsulm-Spiel vertraut hatte.

Nachdem die Gastgeber die ersten Aussetzer noch schadlos überstanden hatten, gab es in der 24. Minute die erste Quittung: Innenverteidiger Tim Reich vertändelte die Kugel rechts außen an Daniel Schachtschneider. Ravensburgs Torjäger schlug noch einen Haken und setzte den Ball dann flach zum 0:1 ins lange Eck. Drei Minuten später klärte Schlussmann Dominik Ferdek nicht sauber und brachte so Reich in Bedrängnis. Dieser konnte sich nur noch mit einem Foul an Felix Hörger helfen – Schiedsrichter Tobias Doering pfiff Strafstoß. Immerhin machte Ferdek seinen Patzer sofort wieder wett und fischte den von Schachtschneider keineswegs schlecht getretenen Elfmeter aus dem Eck (28.). In der 41. Minute kam noch Pech dazu, als Reich einen Schuss von Moritz Jeggle unhaltbar zum 0:2 abfälschte. Weitere gute Chancen der Gäste vereitelte Ferdek.

Auch nach der Pause war von einem Bissinger Aufbäumen nichts zu sehen. Ravensburg behielt jederzeit die Kontrolle über das Geschehen. Zwei Einwechselspieler der Oberschwaben machten in der Endphase das 08-Debakel perfekt. Zunächst passierte Jonas Wiests Freistoß vom rechten Strafraumeck Freund und Feind und schlug im langen Eck ein (83.). Dann köpfte Manuel Geiselhart eine Ecke kaum gestört zum 0:4 ins Netz (85.).

Natürlich könnte man als Entschuldigung für den desolaten Auftritt der Nullachter ins Feld führen, dass ihnen zurzeit mit Kapitän Marius Kunde und Duc Thanh Ngo zwei Leitwölfe verletzt fehlen. Doch dies wollte Garcia nicht als Alibi gelten lassen. „Auch die Spieler, die jetzt im fünften, sechsten oder siebten Jahr hier sind, müssen mehr Führungsarbeit leisten und vorangehen – auch verbal. Heute war’s auf dem Platz ein bisschen taubstumm“, befand der Trainer.