Bietigheim-Bissingen / Von Claus Pfitzer

Da staunten die am Oberligaspiel interessierten Besucher am Samstagnachmittag in Spielberg nicht schlecht, als sie vor ihrem kleinen Stadion den Tourbus von Andrea Berg entdeckten. Mit dem komfortablen Gefährt der Schlagerkönigin aus Kleinaspach waren die Fußballer des FSV 08 Bissingen angereist. „Wenn wir gewinnen, hören wir auf der Rückfahrt ihre Musik“, scherzte der verletzte 08-Torhüter Sven Burkhardt vor dem Anpfiff. Grund dafür hätten die Nullachter gehabt, denn sie gewannen beim Tabellenletzten SV Spielberg mit 1:0 und verkürzten den Rückstand auf den Spitzenreiter SV Stuttgarter Kickers auf nur noch drei Punkte. Am Samstag (15.30 Uhr) steht den Bissingern das Verfolgerduell gegen den SSV Reutlingen ins Haus.

Die Reutlinger, die am Sonntag in Friedrichstal (0:3) erneut gegen ein Kellerkind patzten, hätten den Nullachtern einiges erzählen können von der Widerstandskraft der Spielberger, die in der Woche zuvor in Reutlingen ein 1:1 erkämpft hatten. Schwer tat sich auch der FSV 08, denn die Mannschaft von Interimstrainer Sebastian Weber ließ sich trotz der aussichtslosen Lage am Tabellenende und des nahezu sicheren Abstiegs aus der Oberliga nicht hängen. Tags zuvor waren bei der Mitgliederversammlung personelle Weichen für einen Umbruch zur neuen Runde gestellt worden.

Leimenstoll scheitert an Welz

Am verdienten Sieg der Gäste gab es keine Zweifel, aber trotz einer Vielzahl herausgespielter Tormöglichkeiten mussten ein verwandelter Elfmeter von Riccardo Gorgoglione in der 50. Minute und zwei tolle Rettungstaten von Schlussmann Moritz Welz herhalten, um die drei Punkte zu holen. In der dritten Minute lag der Führungstreffer der Gastgeber in der Luft. Nach einer Flanke von Manuel Hasel über die 08-Abwehr hinweg kam Philipp Leimenstoll am langen Pfosten frei zum Kopfball. Burkhardt-Vertreter Welz lenkte den Ball reaktionsschnell ins Toraus. Schon diese erste Aktion der Spielberger war symptomatisch für ihr Spiel. Sie versteckten sich nicht, spielten im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten mutig nach vorne. Vor allem das mit Hasel, Alexander Schoch und Dominik Fetzner engmaschig besetzte zentrale Mittelfeld leistete gute Arbeit. Hinten räumten die langen Stefan Müller und Georgios Roumeliotis resolut auf.

Die Nullachter probierten es mit einem variablen Offensivspiel und vor allem über die rechte Seite. Dort brach der pfeilschnelle Gorgoglione mehrfach durch und servierte den Ball vors Spielberger Tor. Da fehlte es den Gästen aber etwas an der Entschlossenheit gegen die mit viel Einsatz und stellungssicher verteidigenden Gastgeber. Einmal klärte Matthias Fixel nach einer Gorgoglione-Flanke in höchster Not vor Pascal Hemmerich und hätte beinahe ein Eigentor fabriziert, einmal schoss Manuel Sanchez in bester Position knapp am Pfosten vorbei. Kein Glück hatte auch Tim Reich mit einem Kopball im Anschluss an einen Eckball von Alexander Götz. Am Außennetz des SVS-Tores landete zudem ein Schuss von Pierre Williams.

Malsam vergibt Riesenchance

Ab Mitte der ersten Halbzeit nahm der Druck der Bissinger aufs Tor des SVS zu, aber in eine Abschlusssituation kamen sie nicht mehr. Dass sie sich auf ihren Torhüter Welz verlassen können, bewies der 23-Jährige kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit. Nach einem Fehlpass von Oskar Schmiedel im Mittelfeld hatte Jan Malsam freie Bahn Richtung Bissinger Tor. Welz klärte die Situation weit vor seinem Strafraum mit einem beherzten Einsatz per Fußabwehr.

Drei Minuten später ging der haushohe Favorit dann doch in Führung. Nach einem Foul an Götz im Strafraum entschied der nicht immer sichere Schiedsrichter Dennis Boyette auf Elfmeter, den Gorgoglione verwandelte. Praktisch vom Anpfiff weg wackelte die Führung, denn Hasel hatte sich über die linke Seite durchgespielt, dann aber aus spitzem Winkel nur das Außennetz des 08-Tores getroffen. Die Gäste hatten die Partie unter Kontrolle, taten sich aber schwer, gegen die auf eine Fünferkette umgestellte Spielberger Defensive in den Strafraum zu kommen und großartig Torchancen herauszuspielen. Bei den vereinzelten Kontern der Gastgeber und zwei, drei Standards, bei denen Müller und sein Nebenmann Roumeliotis aufgerückt waren, blieb es nicht ungefährlich für das Spitzenteam.

Das Zittern um den Sieg hätte Simon Lindner seinem Team, den Trainern und Betreuern sowie den mitgereisten Fans um ein paar Minuten verkürzen können. Nach einem Ballverlust von Fixel im Mittelfeld steuerte Lindner allein aufs Spielberger Tor zu, aber SVS-Keeper Valentin Heß ließ sich nicht locken, blieb cool und wehrte den Schuss mit den Fäusten ab (84.). Doppeltes Pech für Lindner: Kurz vor Schluss sah er Gelb-Rot und fehlt damit gegen Reutlingen.