Fußball Fünftligist holt Exprofi Tobias Weis aus Hall

Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 09.01.2018
Der einmalige Nationalspieler Tobias Weis unterschreibt beim Oberligisten FSV 08 Bissingen einen Vertrag bis Sommer 2020. Der Verein spricht von einer „Sensation“.

Pünktlich zum Auftakt der Wintervorbereitung wartet der FSV 08 Bissingen mit einer spektakulären Verpflichtung auf: Der amtierende Vizemeister der Fußball-Oberliga stellte am Montagabend bei einer Pressekonferenz Tobias Weis (32) als Neuzugang vor. Der langjährige Bundesliga-Profi unterschrieb am Bruchwald einen Vertrag bis Sommer 2020. „Das ist für uns ein Quantensprung und eine Sensation“, kommentierte Steffen Vahldiek, Vorstand Herren und Finanzen, den Transfercoup und berichtete von „zwei tollen, offenen und ehrlichen Gesprächen“.

Weis will mit FSV 08 aufsteigen

Weis selbst hat mit seinem neuen Klub in den nächsten zweieinhalb Jahren Großes vor. „Mein persönliches Ziel ist es, mit Bissingen in die Regionalliga aufzusteigen“, sagte der gebürtige Schwäbisch Haller und betonte: „Ich brenne noch immer für den Fußball. Sonst wäre ich nicht hier.“ Ähnlich sieht es offenbar seine derzeit schwangere Frau Derya. „Sie hat zu mir gesagt: ‚Du gehörst auf den Fußballplatz’ – und dass es für mich noch zu früh sei, um aufzuhören“, erzählt Weis.

Der 1,70 Meter große und 67 Kilogramm schwere Mittelfeldspieler hat eine bewegte Karriere hinter sich. Ausgebildet wurde er beim VfB Stuttgart, 2007 wechselte er zum damaligen Zweitligisten TSG 1899 Hoffenheim, bei dem ihm der Durchbruch gelang. Weis gehörte zu dem Team, das unter Trainer Ralf Rangnick in die Bundesliga stürmte und auch dort auf Anhieb für Furore sorgte und Herbstmeister wurde. 118 Partien bestritt er für die Kraichgauer, ehe er in Ungnade fiel und in die berühmt gewordene „Trainingsgruppe 2“ verbannt wurde. Weitere Profistationen waren Eintracht Frankfurt und der VfL Bochum. Insgesamt kam Weis auf 128 Einsätze in der Ersten und Zweiten Bundesliga.

Sogar ein Länderspiel steht in seiner Vita: Ende Mai 2009 nahm ihn Joachim Löw auf die Asien-Reise der Nationalmannschaft mit. Beim deutschen 7:2-Sieg in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate wurde er in der 66. Minute eingewechselt, danach aber nie mehr in die DFB-Auswahl berufen.

Eigentlich wollte Weis im vergangenen Sommer für drei Jahre zum FC Homburg wechseln. Doch der Kontrakt galt nur für die Regionalliga und war nach dem Abstieg der Saarländer hinfällig. Stattdessen zog es Weis in die Gastronomie. In Ludwigsburg machte er mit Geschäftspartnern ein Lokal auf, das sich auf die aus dem alten Rom stammende Pizza-Variante „Pinsa“ spezialisiert hat. In Würzburg gibt es inzwischen ein zweites Restaurant, zwei weitere sind in Stuttgart und Pforzheim geplant. „Ich werde auch künftig noch in der Küche stehen, nur vielleicht einen Tick weniger“, sagt der in Heilbronn wohnende Weis.

Eingefädelt hatte den 08-Deal Vahldieks Ehefrau Monika, die Weis aus Hoffenheimer Tagen kennt und auch schon mit ihrer Clique in dessen Restaurant gespeist hat. Da habe sie ihn Anfang November einfach mal gefragt, ob er nicht Lust habe, nach Bissingen zu kommen, wie Steffen Vahldiek erzählt. Der Rest ergab sich. „Beim ersten Gespräch hatte ich schon nach zehn Minuten das Gefühl: Wir passen zueinander“, sagt das FSV-Vorstandsmitglied.

Bei den Nullachtern erhält Weis das Trikot mit der Nummer 27 – weil seine Wunschzahl 17 schon an Luca Wöhrle vergeben ist. „Ich will hier Verantwortung übernehmen und vor allem auch den jungen Spielern helfen. Dafür lege ich gerne auch Extraschichten ein“, sagt der Routinier, der nach eigenem Bekunden auch die eine oder andere Anfrage aus der Dritten Liga und Regionalliga gehabt habe, aber: „Ich wollte nicht mehr umziehen.“

Ein Testspiel führt Weis in der Vorbereitung zurück an die alte Wirkungsstätte: Am 3. Februar tritt er mit der Bruchwald-Elf bei seinem Ex-Verein 1899 Hoffenheim an – allerdings beim Regionalliga-Team der Nordbadener.

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