Fußball Jugendarbeit gehört zur Klub-DNA

Der TV Pflugfelden hält sich gut in der Fußball-Landesliga und steht für offensiven Fußball. Hier schießt Leonard Badeke (links) im Spiel gegen den FV Löchgau aufs gegnerische Tor.
Der TV Pflugfelden hält sich gut in der Fußball-Landesliga und steht für offensiven Fußball. Hier schießt Leonard Badeke (links) im Spiel gegen den FV Löchgau aufs gegnerische Tor. © Foto: Martin Kalb
Von Jan Fedra 21.04.2018

Johannes Rossbacher ruht in sich. Auch an seinem 65. Geburtstag. Der Jubilar schüttelt unzählige Hände an diesem sommerlichen Nachmittag im Kleinen Feldle, dem Sportgelände des TV Pflugfelden. Rossbacher, den hier alle nur mit „Otto“ ansprechen, nimmt die respektvoll geäußerten Glückwünsche ruhig, hin und wieder von einem lockeren Spruch begleitet, an. Der Geschäftsführer der Ludwigsburger Rockfabrik ist gleichzeitig der Leiter der 1949 gegründeten Fußball-Abteilung des TVP. „Man hat gesagt, dass ich jetzt alt genug für den Posten bin, und dann habe ich mich vor einem Jahr wählen lassen“, sagt  der große Mann mit der blauen Schildmütze schmunzelnd.

Schon über zwei Jahrzehnte bevor er die Fußball-Abteilung, „die Bagage“, wie er sagt, in  leitende Funktion zusammenhielt, war Rossbacher anderweitig im Verein tätig. Als Spielleiter der aktiven Mannschaft und bis zum vergangenen Jahr als Trainer der A-Jugend. Und das überaus erfolgreich. Unter dem gebürtigen Österreicher aus Leoben in der Steiermark stiegen die ältesten Junioren in die Verbandsstaffel auf und treten nun unter anderem gegen die SG Sonnenhof Großaspach oder den FSV Hollenbach an. Aktuell steht die Mannschaft mit Spielern der Jahrgänge 1999 und 2000 auf dem zwölften Tabellenplatz der Verbandsstaffel Nord. 24 Punkte haben die Schützlinge der Brüder Daniel und Wasilios Zmpitas nach einem Sieg beim Konkurrenten Normannia Gmünd bisher gesammelt, der Klassenerhalt ist machbar. „Das ist eine gute Truppe. Wir hatten am Anfang Verletzungspech, aber jetzt ist die Mannschaft vollständig. Ich denke, dass wir die Klasse halten“, prophezeit Helmut Orlowsky. Der Spielleiter, schon beinahe ein halbes Jahrhundert in Pflugfeldens TV aktiv, zeigt sich zufrieden mit der Situation der Jugend-Mannschaften: Denn neben der A-Jugend spielen nach Aufstiegen auch die B-, C-, und D-Jugend in der höchsten Klasse des Bezirks Enz/Murr. Es läuft rund in der Fußball-Abteilung.

Alle Jahrgänge besetzt

Die Jugendarbeit spielt eine zentrale Rolle im Ludwigsburger Vorort. Der TVP schickt in allen Jahrgängen bis zur F-Jugend eigene Teams an den Start. In Zeiten von abnehmenden Mitglieder- und Spielerzahlen eine beachtliche Leistung. Oberstes Credo ist es dabei, die selbst ausgebildeten Kicker später in die erste Mannschaft einzubauen. „Das ist meine Aufgabe hier,“ sagt Rossbacher, „zu schauen, dass die Integration von der Jugend zu den Aktiven funktioniert, dass wir weiter Ausbildungs- und kein Söldnerverein sind. Das ist nicht immer leicht und manchmal auch mit Risiko verbunden.“

Natürlich holt auch der seit 1907 bestehende Turnverein Kicker von außerhalb zum Landesliga-Team. „Aber 70 Prozent der Spieler haben bei uns in der Jugend gespielt“, erläutert Spielleiter Orlowsky stolz. „Da waren wir sehr erfolgreich in den letzten Jahren.“

Von dieser gezielten Nachwuchsförderung profitiert früher oder später Markus Fendyk. Vier letztjährige A-Jugend-Bezirksmeister hat der Trainer in seine Landesliga-Mannschaft integriert. Fendyk kam nach sechs Jahren beim SV Salamander Kornwestheim im vergangenen Sommer zum TVP. Er trat damit die Nachfolge von George Carter an, der die erste Mannschaft zum Abschluss seiner vierjährigen Amtszeit in Pflugfelden in die Landesliga geführt hatte. „Es gab Verschleißerscheinungen, das ist ganz normal nach einer gewissen Zeit“, kommentiert Abteilungsleiter Rossbacher den Wechsel an der Seitenlinie. Als Carter sein Amt aus freien Stücken niederlegte und zu NK Croatia Bietigheim weiterzog, kontaktierten die Pflugfelder Verantwortlichen den ehemaligen Drittligaspieler Fendyk: „Er ist ein erfahrener Trainer und passt menschlich gut zur Mannschaft“, so Rossbacher. „Das war immer unser Bestreben: Bei allem Erfolgsdruck, den man so hat, sollte es menschlich bleiben und eine gute Kommunikation stattfinden.“

Dass die Verantwortlichen mit seiner Arbeit zufrieden sind und es Markus Fendyk selbst großen Spaß macht, den TVP zu trainieren schlägt sich auch in der frühzeitigen Vertragsverlängerung mit dem Coach nieder. Auch in der nächsten Saison soll der 54-Jährige die Integration der Jugendspieler und die erste Mannschaft insgesamt vorantreiben – am liebsten für alle Beteiligten weiter in der Landesliga. „Das Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt“, lassen Rossbacher, Orlowsky und Fendyk unisono wissen. Nach einer tabellarischen Achterbahnfahrt – zwischenzeitlich standen die Pflugfelder auf Rang vier – ist die Fendyk-Elf inzwischen in der unteren Hälfte des Tableaus zu finden. „Wenn man auf die Tabelle schaut, kann man mit nichts zufrieden sein, das ist trügerisch. Wir müssen unsere Spiele selbst entscheiden und schauen, dass wir auf einen einstelligen Tabellenplatz kommen“, gibt Rossbacher vor. Gemeinsam mit dem Stadtteil-Verein im Abstiegskampf steckt auch die Spvgg 07 Ludwigsburg. Über viele Jahre waren die Schwarzgelben so etwas wie der große Bruder im fußballerischen Bereich. Doch die Verhältnisse in der Barockstadt haben sich geändert.

Von einer Wachablösung möchte Orlowsky aber nicht sprechen. „Wir haben immer das Problem, dass wir gegen 07 einfach nicht gewinnen“, sagt der Spielleiter lachend. „In der Jugend sind wir aber vor 07. Es ist uns sehr wichtig, dass wir im Stadtbezirk Ludwigsburg die beste Jugendarbeit, die meisten Jugendmannschaften haben. Es ist unser Ziel, das beizubehalten. Mit Blick auf die erste Mannschaft können wir uns aber schon so selber einschätzen, dass die Landesliga zum jetzigen Zeitpunkt das Nonplusultra ist.“

Dabei hat die Mannschaft vor allem in der Offensive das Talent für mehr. Torjäger Dimitris Karagiannis bekommt seit Jahren Angebote aus höheren Ligen, Ertan Bozkurt besticht durch seine technischen Fähigkeiten und mit dem pfeilschnellen Nachwuchsmann Dennis Shala verfügt Coach Fendyk über vielseitige Waffen. Die zweitmeisten Tore aller Landesliga-Teams erzielte der TVP, Karagiannis steht mit zwölf Treffern auf Rang vier der Torschützenliste. „Ich will Torschützenkönig werden. Das ist auch ohne die Elfmeter zu schießen machbar“, sagt Karagiannis, der seit der D-Jugend im Verein ist und für den es laut Fan-Stimmen keine Ablösesumme gibt: „Er ist wie der Müller bei Bayern.“ Die personifizierte Lebensversicherung Karagiannis richtig ins Spiel einzubinden und gleichzeitig die Defensive zu stabilisieren – das hat sich Fendyk seit seiner Ankunft im Sommer 2017 zur Aufgabe gemacht. „Dimi braucht Platz, dann ist er einer der besten Stürmer der Landesliga. Er ist ein Aushängeschild des Vereins.“

Angriffsfußball mit Tempo

Zur Mannschaftstaktik sagt der erfahrene Coach und frühere Auswahlspieler: „Ich will der Mannschaft die Spielfreude nach vorne überhaupt nicht nehmen. Wir wollen Angriffsfußball spielen, mit Tempo über die Außen, das ist unser Motto. Aber: Wir müssen die Balance finden. Hier spielen viele Türken, Italiener, es geht heißblütig nach vorne. Nach hinten muss man sich quälen. In der Defensive müssen wir arbeiten und uns verbessern.“

Eines ist sicher beim TV Pflugfelden: Auf dem Weg zu einer stabileren Defensive und der damit verbundenen Etablierung in der Landesliga sollen auch zukünftig junge Spieler helfen und für frischen Wind sorgen. Denn das liegt in der DNA des Klubs: Die Durchlässigkeit aus der Jugend in die erste Mannschaft, die im Kreis vorbildliche Förderung der Nachwuchsteams und der Angriffsfußball mit Spezialisten wie Torgarant Karagiannis.

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