Freiberg Interview mit Marco Pischorn: Neubeginn beim SGV Freiberg nach Ende der Profikarriere

Zurück in der Heimat:  Der profierfahrene Defensivspezialist Marco Pischorn spielt künftig für den Verbandsligisten SGV Freiberg.
Zurück in der Heimat:  Der profierfahrene Defensivspezialist Marco Pischorn spielt künftig für den Verbandsligisten SGV Freiberg. © Foto: Zurück in der Heimat: Marco Pischorn spielt künftig für den Verbandsligisten SGV Freiberg. Martin Kalb
Freiberg / DANIEL HAUG 04.08.2016
Nach Proijahren beim VfB Stuttgart, dem SV Sandhausen und dem SC Preußen Münster kehrt Marco Pischorn in die Heimatregion zurück und spielt künftig beim SGV Freiberg.

Herr Pischorn, haben Sie sich nach zwei Wochen in der neuen alten Heimat schon eingelebt?

MARCO PISCHORN: Da hier in der Umgebung die Familien von meiner Frau und mir sowie viele Freunde leben, fiel das Ankommen nicht so schwer. Im Moment wohnen wir noch bei meiner Schwiegermutter in Bietigheim.

Ihr Vertrag in Münster lief am Saisonende aus. Hat sich der Verein nicht frühzeitig um eine Vertragsverlängerung von Ihnen als Stammspieler bemüht?

PISCHORN: In Münster kommt das immer etwas später (schmunzelt). Gegen Ende der Saison hat Sportvorstand Carsten Gockel mit meinem Berater und später auch mit mir gesprochen, es dann aber rausgeschoben.

Haben Sie daraufhin nach anderen Angeboten innerhalb der Dritten Liga geschaut?

PISCHORN: Ja, der Berater schaut sich sowieso die ganze Zeit um. Wir haben uns in Münster total wohl gefühlt, hatten ein schönes Haus und gute Nachbarn. Deshalb war unsere erste Hoffnung, dass wir in unserem Haus in Münster bleiben können und ich in der Nähe irgendwo spielen kann. Da wären in der Dritten Liga am ehesten der VfL Osnabrück oder der Aufsteiger Sportfreunde Lotte in Frage gekommen.

Dann kam ein Angebot vom Regionalligisten FC Homburg.

PISCHORN: Der Verein wollte mich sehr gerne verpflichten. Allerdings hätten wir dafür nochmal umziehen müssen. Deshalb habe ich mir da mit meiner Familie intensiv Gedanken gemacht, ob es Sinn macht mit 30 Jahren und drei kleinen Kindern für zwei Jahre nochmal umzuziehen. Deshalb habe ich mich letztendlich dazu entschieden, meine Profikarriere zu beenden und eine Ausbildung anzufangen.

Unmittelbar nach dieser Entscheidung ging die Tür zur Dritten  Liga aber doch nochmal auf.

PISCHORN: Mit Münsters Co-Trainer Sreto Ristic, den ich aus meiner Sandhäuser Zeit kenne, stand ich immer in Kontakt. Er meinte, dass es schon sein kann, dass sie noch einen Innenverteidiger brauchen und ich Geduld haben müsse. Der Verein kam dann tatsächlich nochmals mit einem Angebot auf mich zu, da war die Entscheidung aber schon gefallen. Ich wäre vermutlich in Münster geblieben. Aber in zwei Jahren wäre der Einstieg in eine Ausbildung auch nicht unbedingt einfach geworden. So ist die Situation jetzt ein Jackpot für mich.

Jackpot bedeutet, dass Sie eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann beginnen und beim SGV Freiberg weiter Fußball spielen können?

PISCHORN: Genau. Mein Schwiegervater ermöglicht mir den Einstieg in seinem Unternehmen. Außerdem kann ich in Freiberg mit einer ambitionierten Mannschaft, in der ich viele Spieler kenne, in der Verbandsliga spielen.

Klingt nach einem vollen Zeitplan.

PISCHORN: Ab 1. September werde ich von neun bis 18 Uhr arbeiten und danach geht es für zwei Stunden ins Training. Es wird keine Rücksicht darauf genommen, dass ich weiter Fußball spiele. Auch möchte ich keine Sonderstellung, nur weil ich der Schwiegersohn vom Chef bin.

Freiberg ist aus der Oberliga abgestiegen. Gab es nicht die Möglichkeit, noch ein paar Ligen höher zu spielen und trotzdem nebenbei zu arbeiten?

PISCHORN: Ich hatte ein gutes Gespräch mit Großaspachs Sportdirektor Joannis Koukoutrigas, der mir angeboten hat weiter Dritte Liga zu spielen und die Ausbildung zu beginnen. Ich denke aber, dass es hier schwierig geworden wäre, sich voll auf den Beruf zu konzentrieren. Außerdem war der FSV 08 Bissingen als Oberligist im Gespräch. Freiberg gab mir aber das Gefühl, dass sie mich unbedingt wollen und sich auf mich freuen. Außerdem haben meine Frau und ich dort geheiratet und wir werden ab Herbst auch wieder dort wohnen.,mit extrem kurzen Wegen. Deshalb passt das einfach perfekt.

Wie blicken Sie auf Ihre  Profizeit zurück?

PISCHORN: Als ich 2005, gemeinsam mit Julian Schuster, von Löchgau zum VfB gewechselt bin, habe ich mir nie erträumt, dass ich eine solche Karriere hinlegen werde. Ich habe Bundesligaspiele absolviert und mit Wahnsinnsfußballern gespielt, von denen man schon im Training viel lernt. In Sandhausen hatten wir ein super Team und der Aufstieg in die Zweite Bundesliga war fast noch schöner, als mein erstes Bundesligaspiel. Auch die Zeit in Münster war insgesamt sehr positiv.

Die Dritte Liga hat begonnen.  Spüren Sie etwas Wehmut?

PISCHORN: Anfangs hatte ich schon den Gedanken, dass ich mich noch zu fit fühle, um aufzuhören, deshalb habe ich mich damit zunächst schwer getan. Ich bereue die Entscheidung aber auch nicht. Durch Kontakte zu einigen Spielern, bekomme ich auch noch genug mit und kann das Geschehen jetzt etwas entspannter verfolgen. Ich freue mich, wie es jetzt ist, auch weil mein Vater aus Sersheim und alte Kumpels jetzt öfters zu meinen Spielen kommen.

Was wird in nächster Zeit die größte Umstellung für Sie?

PISCHORN: Ich muss mich an den neuen Alltag gewöhnen. Zur Arbeit im Unternehmen und dem Fußball kommt noch die Berufsschule in Pforzheim. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich nur meinen Hochzeitsanzug habe. Deshalb werde ich in den nächsten Tagen noch ein paar Anzüge einkaufen gehen müssen.

Herr Pischorn, vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Viermal Bundesliga Der 30-jährige Marco Pischorn spielte in der Jugend beim VfR Sersheim und beim FV Löchgau, für den er auch bei den Aktiven zum Einsatz kam. Im Januar 2005 wechselte er zum VfB Stuttgart II und hatte  für den VfB vier Einsätze in der Bundesliga. 2010/2011 folgte der Wechsel zum SV Sandhausen (Aufstieg in die Zweite Liga), von Januar 2014 bis Juni 2016 spielte er beim Drittligisten Preußen Münster.

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