Bietigheim-Bissingen / Von Andreas Eberle

Das Beste kommt zum Schluss“ heißt eine Tragikomödie von Regisseur Rob Reiner aus dem Jahr 2007. Unter dieses Motto könnte man auch das Oberliga-Derby am Samstag zwischen dem FSV 08 Bissingen und dem SGV Freiberg stellen, denn in der Endphase überschlugen sich die Ereignisse, wurden die 830 Zuschauer am Bruchwald bestens unterhalten. Erst gelang Pascal Hemmerich in der 81. Minute per Kopf das letztlich entscheidende 1:0 für das Heimteam. Doch in der Nachspielzeit hing der vierte Bissinger Derbytriumph in Folge an einem seidenen Faden.

Der SGV drückte nun mit purer Verzweiflung auf den Ausgleich. Nachdem Duc Thanh Ngo und dessen Freiberger Innenverteidiger-Kollege Maximilian Rohr an der Strafraumgrenze zusammengeprallt waren – wobei sich der Bissinger verletzte –, pfiff Schiedsrichter Dennis Bauer einen Strafstoß für die Wasen-Elf. Spetim Muzliukaj schritt zur Tat, seinen flach in die Mitte getretenen Elfmeter wehrte 08- Keeper Sven Burkhardt aber mit dem Fuß ab (90.+1). Kurz darauf köpfte der eingewechselte Marco Pischorn einen Freistoß von Denis Zagaria ins Netz. Das Gespann gab den Treffer aber wegen einer Abseitsstellung nicht – eine ganz knappe Entscheidung. Und bei der letzten Aktion des Spiels tauchten plötzlich Pischorn und Marcel Sökler frei vor Burkhardt auf, behinderten sich jedoch gegenseitig, sodass auch diese Riesenchance verpuffte.

„Die Schlussphase war sehr emotional. Ich werde dieses Jahr 50 und weiß nicht, ob das noch lange etwas für mich ist. Es ist schon sehr aufregend dort draußen“, kommentierte der Bissinger Trainer Alfonso Garcia die späten Turbulenzen. In der Tabelle sprang sein Team auf Rang drei und überflügelte somit auch den Lokalrivalen. Nach nur zwei Zählern aus den ersten vier Partien seit der Winterpause ist Herbstmeister SGV nur noch Sechster.

Freiberger Personalprobleme

Gästecoach Ramon Gehrmann musste kurzfristig auf Sven Schimmel verzichten. Der Flügelspieler stand zwar bereits auf dem Spielberichtsbogen, winkte dann aber wegen einer Oberschenkelverhärtung ab. Für ihn rückte Ali Ferati auf die linke Außenbahn. Mit David Müller und Hakan Kutlu fehlten den Freibergern ohnehin zwei spielstarke Akteure verletzungsbedingt – und damit ein gutes Stück Spielkultur, auch wenn Denis Zagaria auf der Sechserposition eine starke Leistung zeigte.

Garcia bot derweil überraschend Anil Sarak im defensiven Mittelfeld auf und verpasste seinem besten Torschützen Simon Lindner eine extrem defensive Rolle – der 24-Jährige agierte zeitweise als Linksverteidiger, wo er den gesperrten Pierre Williams vertrat. Auf der Bank mussten nach dem 2:4-Desaster in Backnang Oskar Schmiedel und Sebastian Gleißner Platz nehmen.

Bei trübem Regenwetter spielten beide Mannschaften lange mit angezogener Handbremse. Die Nullachter  hatten auf dem Kunstrasen mehr Ballbesitz und Offensivaktionen. Ein Fehlpass des nervös beginnenden SGV-Kapitäns Thomas Gentner am eigenen Strafraum leitete die beste Bissinger Chance in der ersten Hälfte ein: Nutznießer Riccardo Gorgoglione tanzte Tobias Fausel aus und schoss knapp am langen Pfosten vorbei (17.).  Kurz vor der Pause verfehlten sowohl Gorgoglione als auch Lindner eine Hereingabe von Lukas Buck. Auf der Gegenseite zielte Top-Torjäger Sökler vom Strafraumeck knapp vorbei.

Götz’ Ecke leitet das Siegtor ein

Nach dem Seitenwechsel traute sich Freiberg  öfter nach vorne, und so musste zum Beispiel Tim Reich nach einem Querschläger in höchster Not gegen Sökler retten. Wenig später flog Bucks Direktabnahme aus spitzem Winkel über die Latte. Vollends Fahrt nahm das Derby aber erst auf, nachdem Hemmerich eine Ecke von Alexander Götz aus fünf Metern zum 1:0 eingenickt hatte.

In der Endphase mussten die Kicker vom Bruchwald noch mal kräftig um die drei Punkte bangen – und Muzliukajs verschossener Elfmeter war dabei der dramatische Höhepunkt. „Ich habe mich nicht sicher gefühlt“, erklärte Sökler, warum er zugunsten seines Sturmpartners verzichtet hatte. Freibergs Ausnahmestürmer hatte selbst drei Wochen zuvor gegen Villingen vom Punkt gepatzt und sprach darum aus eigener leidvoller Erfahrung: „Kein Vorwurf an Spetim. Das passiert selbst einem Cristiano Ronaldo oder einem Lionel Messi.“