Fußball Götz beendet Torflaute und erlöst die Bruchwald-Elf

Der Bissinger Alexander Götz reißt sich nach seinem Tor zum 1:1-Ausgleich vor Freude fast das Trikot vom Leib. Um keine Gelbe Karte zu riskieren, belässt er es bei einer Andeutung und präsentiert seinen Waschbrettbauch.
Der Bissinger Alexander Götz reißt sich nach seinem Tor zum 1:1-Ausgleich vor Freude fast das Trikot vom Leib. Um keine Gelbe Karte zu riskieren, belässt er es bei einer Andeutung und präsentiert seinen Waschbrettbauch. © Foto: Hansjürgen Britsch
Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 26.11.2018

Den Titelfavoriten eine Hälfte an die Wand gespielt, ein 1:1 vor der ungewohnten Kulisse von 2450 Zuschauern erbeutet, die Torflaute beendet – eigentlich hätten die Fußballer des FSV 08 Bissingen am Samstag genügend Gründe gehabt, sich über das 1:1 bei den Stuttgarter Kickers und die eigene Leistung zu freuen. Doch wirklich glücklich sah nach dem Oberliga-Topspiel unterm Fernsehturm kein 08-Kicker aus. „Wir hätten heute einfach drei Punkte mitnehmen müssen“, sagte Alexander Götz.

Mit dieser Einschätzung lag der Bissinger Torschütze durchaus richtig. Die Bruchwald-Elf hatte nach einem schwachen Auftritt im ersten Durchgang den Schalter umgelegt und nach der Pause ihr anderes Gesicht gezeigt: Der FSV 08 dominierte den bisherigen Spitzenreiter von der Waldau und war dem Siegtor näher als der Ex-Bundesligist. Pech hatte Simon Lindner, der in der 63. Minute beim Stand von 1:0 nur die Latte traf. Pech hatten die Gäste. dass weder ein Assistent noch Schiedsrichter Benjamin Kammerer ein offensichtliches Handspiel von Patrick Auracher im Kickers-Strafraum registriert hatte und der Elfmeterpfiff ausblieb. Glück hatten die Degerlocher, dass Bissingen aus seiner Überzahl in der Schlussphase kein Kapital schlug – der bereits verwarnte SVK-Kapitän Tobias Feisthammel hatte nach einem Fehlpass Götz umgerissen und dafür Gelb-Rot gesehen.

Einen Treffer brachten die zuletzt wenig durchschlagskräftigen Nullachter aber doch zustande: Auracher fälschte einen 21-Meter-Schuss von Götz ab, und der Ball hoppelte zum 1:1 ins rechte Toreck – Kickers-Keeper Ramon Castellucci war in die andere Ecke unterwegs und auf dem falschen Fuß erwischt worden. Für die Bissinger war es das erste Erfolgserlebnis nach 283 torlosen Minuten. „Vielleicht haben wir genau so einen abgefälschten Schuss gebraucht. Ich hoffe, dass bei uns jetzt der Knoten geplatzt ist“, sagte Götz. Der Edeltechniker genoss das Spiel im Gazi-Stadion aber nicht nur wegen seines Tors in vollen Zügen: „Es war geil hier, eine ganz andere Atmosphäre als sonst. Vor so einer Kickers-Wand zu spielen, macht Spaß.“ Wenig Spaß hatte dagegen der Bissinger Trainerstab und die mitgereisten Fans an der ersten Hälfte. Denn da zeigten die Gäste Angsthasenfußball und viel zu viel Respekt vor dem Gegner. „Ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, dass wir unsere Angst ablegen und mutig nach vorne spielen müssen, um noch was zu holen“, verriet Coach Alfonso Garcia später Auszüge aus seiner Kabinenansprache.

Langer Einwurf führt zum 1:0

Mit dem 0:1-Rückstand zur Pause waren seine Schützlinge jedenfalls noch gut bedient. In der 32. Minute war den Gästen wieder mal eine Standardsituation, ein Bissinger Dauerproblem, zum Verhängnis geworden: Stuttgarts Torjäger Mijo Tunjic verlängerte einen weiten Einwurf von Johannes Ludmann per Kopf an den langen Pfosten. Dort stand Abdenour Amachaibou ungedeckt und schoss die Kugel aus fünf Metern unter die Latte. „Vor dem Spiel haben wir noch darüber geredet, dass die Kickers so eine Waffe haben“, lamentierte Götz.

Dank der Steigerung in der zweiten Hälfte reichte es für Bissingen aber immerhin noch zu einem Zähler. Es war das dritte Remis in Serie. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen sieben Partien sind die Nullachter, die Anfang Oktober noch Erster waren, nun auf Rang sieben abgerutscht. „In der Tabelle bewegt sich durch die Unentschieden nicht so viel, aber auf dieser zweiten Hälfte können wir aufbauen. Jetzt bereiten wir uns gut aufs letzte Spiel in diesem Jahr in Pforzheim vor und versuchen eben dort die drei Punkte zu holen“, sagte Garcia mit Trotz in der Stimme.

Bissinger Groll über nicht gepfiffenen Handelfmeter

Der nicht gegebene Handelfmeter beim Stand von 1:1 war nach dem Schlusspfiff das Gesprächsthema Nummer eins. In der 77. Minute war Kickers-Profi Patrick Auracher die Kugel nach einer Hereingabe von Alexander Götz im eigenen Strafraum an den Arm gesprungen. Der Unparteiische Benjamin Kammerer ließ weiterspielen, ungerührt von den vehementen Protesten der Bissinger. „Ich habe meine Hand extra nach hinten getan, aber der Ellenbogen stand ab – und dahin ist der Ball gegangen“, schilderte Auracher später die Situation und gab zu: „Wenn der Schiedsrichter Elfmeter pfeift, kann ich mich nicht beschweren.“ Der Ärger im 08-Lager war entsprechend groß: „Jeder im Stadion hat’s gesehen, nur das Schiedsrichtergespann nicht“, klagte Mittelfeldmann Oskar Schmiedel. Auch Alfonso Garcia sprach bei der Pressekonferenz die Szene an. „Das war ein ganz, ganz klarer Elfmeter. So etwas ist natürlich bitter“, sagte der Trainer und mutmaßte: „Ich weiß nicht, ob dem Schiri oder dem Assistenten hier einfach der Mumm gefehlt hat.“ ae

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