Fußball FV Löchgau setzt ein Ausrufezeichen

Defensivspieler Simon Herbst (rechts), hier im Relegationsspiel gegen Rutesheim, war im Löchgauer Team in der abgelaufenen Landesliga-Saison eine feste Größe – so wie auch Salvatore Langella (links), der seine Karriere mit dem Aufstieg beendet hat.
Defensivspieler Simon Herbst (rechts), hier im Relegationsspiel gegen Rutesheim, war im Löchgauer Team in der abgelaufenen Landesliga-Saison eine feste Größe – so wie auch Salvatore Langella (links), der seine Karriere mit dem Aufstieg beendet hat. © Foto: Avanti
Löchgau / Jan Fedra 28.06.2018

Sie haben es geschafft. Aus eigener Kraft. Nicht nach einem, sondern gleich drei Kraftakten. Die Fußballer des FV Löchgau sind nach dem 3:2-Sieg im Relegationsspiel gegen die SKV Rutesheim in die Verbandsliga aufgestiegen. Ausschlaggebend dafür war eine interessante Mixtur an verschiedenen Dingen: Zusammenhalt im ganzen Verein, eine Mannschaft mit hungrigen Routiniers und frischen Talenten – und ein Trainer, der all die unterschiedlichen Charaktere so zusammenfügte, dass die Roten nach einem Jahr Pause wieder in der höchsten Spielklasse des Württembergischen Fußball-Verbands (WFV) antreten dürfen. Das Fragezeichen, das vor der Saison stand, wurde umgewandelt in ein Ausrufezeichen.

„Ich brauche das nicht noch einmal, dass wir dreimal durch die Verlängerung müssen. Das war schon hart für die Nerven“, sagt Manuel Rückle, der Teammanager der Löchgauer mit Blick auf die 90 Extraminuten, die der FVL in Summe in drei Relegationsspielen durchgestanden hat. „Ein großes Kompliment an die Mannschaft für das, was sie dieses Jahr geleistet hat. Für so ein junges Team ist das nicht selbstverständlich. Nach dem Abstieg war für uns schon ein gewisses Fragezeichen da, wie sich alle einfügen und wie es läuft“, meint Rückle und erklärt weiter: „Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir noch einmal viel enger zusammengerückt. Die Neuen haben sich super integriert. Wenn man überlegt, dass das Durchschnittsalter bei Anfang 20 liegt, muss man den Hut ziehen.“

Für Akteure wie Kubilay Baki, Jannik Trautwein oder Sven Altmann war es die erste Saison im Herrenbereich. Ob der stets engagierte Stürmer Tim Schwara, Mittelfeldregisseur Pascal Wolter, Tempofußballer Mario Andric oder Abräumer Janis Feufel: Viele weitere Stützen sind gerade einmal um die 20 Jahre alt. Da sind Leistungsschwankungen eigentlich normal. Thomas Herbst aber hat es geschafft, dass sein Team in der Rückrunde mit beeindruckender Konstanz auftrat.

Seit Dezember 2017 verlor die neu formierte Elf nur ein Spiel. Mitte Mai war das, und es schien, als ob dem FVL in der Schlussphase der Runde ein wenig der Sprit ausgeht. Im Spitzenspiel beim späteren Meister SV Breuningsweiler zeigten die Löchgauer eine aufstiegsreife Leistung, mussten aber sechs Minuten vor Spielende den Ausgleich hinnehmen. Platz eins rückte in weite Ferne. In der Woche darauf dann die kalte Dusche gegen den in der Rückrunde überragenden TSV Pfedelbach – ein 0:4.

„Nach dieser Niederlage haben wir uns wieder gefangen, und dann hat alles angefangen“, sagt Salvatore Langella, für den die letzte Saison vor dem Karriereende „ein Traum“ war. Elf Jahre spielte der Italiener ununterbrochen für die Roten. Auch an seinem dritten Aufstieg war Langella entscheidend beteiligt. Zusammen mit Torhüter Markus Brasch, der Abwehrreihe um Riccardo Macorig, Simon Herbst und Tom Kühnle bildete der Sechser die erfahrene Achse der Mannschaft. „Mit dem Umbruch, den wir vor der Saison hatten, ist es nicht selbstverständlich, so weit oben mitzuspielen. Respekt deshalb an die junge Truppe“, sagt Kapitän Macorig. Simon Herbst, der zusammen mit Kühnle die beste Innenverteidigung der Liga bildete, ergänzt: „Wir sind eine außergewöhnlich eingeschworene Mannschaft dieses Jahr. Das macht wahnsinnig viel Spaß und hat sich am Ende ausgezahlt.“

Abwehr ist das Prunkstück

Der Zusammenhalt zeigte sich auch im entscheidenden dritten Relegationsspiel gegen Rutesheim. Die Defensive, die ganze Runde über Trumpf der Löchgauer (26 Gegentore, Ligabestwert), wurde vom Verbandsligisten schwer unter Druck gesetzt. Doch der wie gehabt Sicherheit ausstrahlende Brasch im Tor, der von Krämpfen geplagte Feufel, Fabian Gurth und Cahit Gündüzalp mit ihren Läufen über rechts oder die Stabilisatoren Herbst und Kühnle als Torschützen führten die Löchgauer zurück in die Verbandsliga. In die Klasse, aus der man im vergangenen Jahr auf besonders bittere Weise am letzten Spieltag abgestiegen war.

Sinnbildlich für die abgelaufene Aufstiegssaison war auch die spielentscheidende Aktion in Marbach: Der von Coach Herbst erstmals eingewechselte Youngster Jonas Engler brachte in der 95. Minute einen Freistoß gefährlich in den Strafraum, und Simon Herbst verlängerte ins Tor. „Man träumt immer davon, dass man einmal in so einem Moment so ein Tor macht“, ließ der Siegtorschütze wissen. Trainer Thomas Herbst ordnete den Treffer seines Bruders und den damit verbundenen Wiederaufstieg später ein: „Für die Mannschaft und den Verein ist es eine Riesengeschichte. Was wir für einen Aufwand geleistet haben, war unglaublich. Jetzt feiern wir erst mal – und dann werden wir uns langsam der Größe der Aufgabe bewusst, die nächstes Jahr auf uns wartet.“

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