In einer denkwürdigen Pokalschlacht voller Dramatik und Spannung behielt nach drei Stunden der Regionalligist SSV Ulm knapp die Oberhand und besiegte den FSV 08 Bissingen aus der Oberliga im Achtelfinale des WFV-Pokals mit 9:8 nach Elfmeterschießen. Bundesliga-Schiedsrichter Martin Petersen aus Stuttgart verhängte vier Strafstöße, drei davon für die Bissinger, die zwei nutzen konnten. Neben viel Tempo, hohem Einsatz und viel Kampf bekamen die 350 Zuschauer bei teilweise strömendem Regen neben den am Ende 17 Treffern noch viele packende Torraumszenen, zahlreiche Chancen hüben wie drüben, tolle Torhüterparaden und damit das volle Programm geboten, das den Fußball und speziell den Pokal ausmacht. Da durfte auch ein Platzverweis nicht fehlen. In der 111. Minute erwischte es den Ulmer Burak Coban mit Gelb-Rot.

„Hut ab vor meiner Mannschaft. Sie hat bis zur letzten Minute aufopferungsvoll gekämpft. Da ist es schon ein bisschen schade, dass wir ausgeschieden sind“, meinte 08-Trainer Alfonso Garcia nach dem Pokal-Krimi.

Seine Mannschaft lag früh 0:1 in Rückstand, ging mit einem Doppelschlag innerhalb von 100 Sekunden mit 2:1 in Führung, schaffte kurz vor der Pause das 3:1 und hatte die Chance zum vierten Treffer. Im Dauerregen holten die Ulmer in der zweiten Halbzeit auf und glichen zum 3:3 aus. Drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit scheiterte Bissingens Riccardo Gorgoglione, der per Strafstoß in der 18. Minute zum 1:1 ausgeglichen hatte, mit einem weiteren Elfmeter an der Querlatte und vergab das 4:3. Das schafften die Ulmer in der 104. Minute. Sekunden vor Ablauf der Verlängerung verhängte Referee Petersen Elfmeter Nummer drei gegen die Ulmer. Yannick Toth behielt die Nerven und glich zum 4:4 aus und brachte seine Mannschaft damit ins Elfmeterschießen.

Kunde scheitert an Torwart

Die ersten vier Schützen beider Teams verwandelten, dann scheiterte Bissingens Kapitän Marius Kunde an SSV-Schlussmann David Hundertmark. Haris Hyseni, der schon zum zwischenzeitlichen 4:3 für den Regionalligisten getroffen hatte, verwandelte als letzter Schütze des ersten Durchgangs zum 9:8 und sorgte so für den Einzug der Ulmer ins Pokal-Viertelfinale, das am 8. April ausgetragen wird.

„Wir hätten das 4:1 machen können, waren dann schon tot und  sind zurückgekommen. Diese Leidenschaft und diesen Willen müssen wir in die Liga mitnehmen. Dann sieht es gut aus“, hatte 08-Coach Garcia nach dem Pokal-Aus die nächsten Aufgaben in der Oberliga im Blick. Da treffen die Nullachter am Samstag (14 Uhr) am Bruchwald auf den SSV Reutlingen.  „Da war alles drin. In der zweiten Halbzeit sind wir mit Moral zurückgekommen. Drei Elfmeter hat es gegen uns auch noch nicht gegeben. Wir haben schlecht verteidigt und sind mit einem blauen Auge davongekommen“, meinte hinterher Ulms Trainer Holger Bachthaler.

Beide Trainer hatten einige Änderungen in ihren Startformationen gegenüber dem Wochenende vorgenommen. Bei 08 stand mal wieder Dominik Ferdek im Tor und rechtfertigte das Vertrauen des Trainers mit einer starken Leistung und mehreren Paraden. Bei Ulm fehlten Stammkeeper Christian Ortega und Abwehrchef Florian Krebs, auch einige etatmäßige Angreifer saßen zunächst auf der Bank. Sie brachte Coach Bachthaler in der zweiten Halbzeit nach und nach und setzte auf totale Offensive.

Beide Mannschaften hielten sich nicht lange mit Abtasten auf, sondern gaben von Beginn an Gas. In der achten Minute steckte Johannes Gutjahr den Ball genial in die Tiefe auf Alessandro Abruscia durch, dessen Querpass der frei vor dem 08-Tor auftauchende Felix Higl zum 0:1 nutzte. Die Gäste hatten erhebliche Probleme mit dem schnellen Umschaltspiel der Bissinger und deren weite Pässe in die Spitze. So auch, als Alexander Götz auf und davon lief und im Strafraum von Marcel Schmidts gefoult wurde. Klare Sache für Schiri Petersen: Elfmeter. Den versenkte Gorgoglione zum 1:1 (17.). Der nächste Angriff der Gastgeber brachte schon das 2:1. Simon Lindner überwand SSV-Keeper Hundertmark mit einem satten Schuss aufs kurze Eck.

Die Führung und viele gewonnen Zweikämpfe gaben den Nullachtern Sicherheit, die mit einer 3:1-Führung in die Pause gingen. Das lag zum einen am dritten Bissinger Tor durch Kunde. Das leitete Pierre Williams mit einem Diagonalball ein, bei dem sich Ulms Schmidts böse verschätzte und so dem 08-Kapitän freie Schussbahn ermöglichte. Kunde hätte beinahe noch das vierte Tor vor der Pause erzielt, sein Schuss strich aber knapp am Ulmer Tor vorbei. Die Zwei-Tore-Führung lag aber auch an Schlussmann Ferdek, der vor dem 3:1 zweimal glänzend bei Schüssen von Steffen Kienle (26.) und Abruscia (35.) reagiert hatte.

Reichert gleicht aus

In der zweiten Halbzeit drängten die Ulmer vehement auf den Anschlusstreffer, die Bissinger konnten sich nur noch sporadisch befreien. Das 2:3 ging wieder auf das Konto von Higl, der eine Rechtsflanke von Schmidts nur noch einschieben musste (59.). Den Ausgleich erzielte Johannes Reichert per Elfmeter, nachdem Anil Sarak der Ball im 08-Strafraum an die Hand gesprungen war (72.). Gutjahr per Fallrückzieher (78.) und Hysin nach einem Alleingang (80.) scheiterten danach ebenfalls an 08-Keeper Ferdek. Dann bot sich Gorgoglione die Riesenchance zum möglichen Siegtreffer, er ballerte den Elfmeter aber an die Latte. Weil er die Strafraumlinien auf dem nassen Platz nicht mehr erkennen konnte, ließ der Unparteiische in der Pause vor der Verlängerung nacharbeiten und pfiff erst nach 18 Minuten wieder an.

In der ausgeglichenen Verlängerung geriet Bissingen durch Hysenis Treffer mit 3:4 in Rückstand, nachdem Sekunden zuvor Coban den Innenpfosten getroffen hatte. Als der runter musste, drängte Bissingen in Überzahl auf den Ausgleich, den Toth nach einem Foul an Kunde per Strafstoß auch tatsächlich noch erzielte.