Um ausgefallene Ideen und flotte Sprüche ist Markus Lang nie verlegen. Vor dem Heimspiel der SG Sonnenhof Großaspach am Samstag (14 Uhr) gegen Hansa Rostock hat der Interimstrainer den Resetknopf gedrückt, frei nach dem Motto: Was davor war, zählt nicht mehr, es geht nur noch um das hier und jetzt – und darum, in der Rest-Rückrunde noch den Klassenerhalt in der Dritten Liga zu schaffen. „Wir beginnen eine neue Zeitrechnung. Die Tabelle wird auf null gestellt. Wir haben jetzt noch 15 Spiele, und in diesen 15 Spielen wollen wir versuchen, unter die ersten Acht zu kommen“, legt Lang sein ambitioniertes Ziel dar.

Nach dem Rauswurf des Trainerduos Mike Sadlo und Heiner Backhaus (die BZ berichtete) springt er bei der SG zum bereits dritten Mal als Retter in der Not ein. In der Vorsaison führte er den Dorfklub mit zwei Siegen an den letzten beiden Spieltagen noch zum Klassenverbleib. Nach der Trennung von Oliver Zapel Mitte Dezember holte Lang zum Jahresabschluss 2019 ein respektables 1:1 gegen den Spitzenreiter MSV Duisburg. Das macht in der Summe sieben Zähler unter Langs Regie aus drei Partien im Profifußball. „Wenn ich die Mannschaft gehabt habe, waren wir punktemäßig gut unterwegs. Das stimmt mich zuversichtlich, ohne arrogant klingen zu wollen“, sagt der 43-jährige Kirchheimer und hofft auf eine weitere Steigerung: „Meinen Punkteschnitt wollen wir am Wochenende wieder verbessern.“ Und dies geht, Adam Riese lässt grüßen, eben nur mit einem Erfolg über Rostock.

Wieder einmal wartet auf Lang eine Herkulesaufgabe. Der Großaspacher Rückstand zu einem Nichtabstiegsrang beträgt inzwischen bereits neun Zähler, hinzu kommt eine desaströse Tordifferenz von minus 26. Erst vier Siege hat der Tabellenvorletzte aus dem Fautenhau in dieser Saison geholt, den letzten am 1. November 2019 in Zwickau (1:0).

Am Mittwoch hat Lang mit seinem neuen alten Team das erste Training absolviert. „Ich bin absolut überzeugt von der Mannschaft“, sagt der A-Lizenz-Inhaber fast schon trotzig. „Wir wollen versuchen, eine kleine Serie zu starten und in eine Positivspirale hineinzukommen.“ Die anstehenden drei Aufgaben daheim gegen zwei Klubs aus dem Tabellen-Niemandsland (Rostock, Halle) und zwischendurch beim Abstiegsrivalen FC Viktoria Köln scheinen dafür prädestiniert.

Mentale Aufbauarbeit

Für diese Woche plane er aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit nur wenige Veränderungen, wie Lang verrät. Nach den vielen Nackenschlägen und neun sieglosen Drittliga-Duellen in Folge ist von ihm nun in erster Linie mentale Aufbauarbeit bei seinen Kickern gefragt. „Zum einen muss ich sie stark reden und ihnen immer mal wieder sagen, wie gut sie sind – das hört jeder gern. Zum anderen bekommen sie von mir in der Kabine aber auch einen Arschtritt, wenn etwas nicht passt“, stellt Lang fest. Besonders am Herzen liegen ihm der zwischenmenschliche Bereich und eine positive Atmosphäre im Team. „Ich habe bei dem einen oder anderen wieder ein Schmunzeln und ein Lächeln erkennen können, als ich in die Kabine gekommen bin“, sagt der Interimscoach erfreut. „Das wird sicherlich bei einzelnen Spielern ein, zwei Prozent freisetzen.“

Das Problem mit der fehlenden Trainer-Lizenz


Wer auf Dauer eine Mannschaft in den drei deutschen Profiligen trainieren möchte, muss laut DFB-Statuten eine Fußball-Lehrer-Lizenz vorweisen. Doch über eine solche verfügt Markus Lang nicht, weshalb seine Zeit als Interimstrainer der SG Sonnenhof nun bis zum 4. März begrenzt ist. Ein Ausweg für die Zeit danach wäre ein Strohmann, der über den Fußball-Lehrer verfügt und offiziell als Coach fungiert, während Lang aber im Hintergrund weiter das Sagen hat. Wie schon 2019 hat sich der 43-Jährige nun erneut für den Fußball-Lehrer- Lehrgang an der Sportschule Hennef beworben. Mitte Januar ist die Bewerbungsfrist abgelaufen, in zwei Wochen findet eine viertägige Aufnahmeprüfung statt. Laut Lang haben sich etwa 150 Personen auf die 20 Plätze beworben, darunter auch renommierte frühere Bundesliga-Profis. ae