Ausnahmezustand in Aspach: Nach der 1:2-Niederlage der SG Sonnenhof Großaspach im Kellerduell gegen das Tabellenschlusslicht FC Carl Zeiss Jena gab es massive Fanproteste – erstmals in der fünfeinhalbjährigen Drittliga-Geschichte des Dorfklubs. „Wir haben die Schnauze voll“, skandierten gut 20 Anhänger aus der Kurve am Kunstrasen, in Rufweite zur Kabine. Sie wollten mit den Spielern nach einer erneut enttäuschenden Heimvorstellung Tacheles reden. Tatsächlich kam kurz darauf fast die komplette Mannschaft aus den Katakomben, um sich zu stellen und, mitunter sehr hitzig, mit den erbosten Fans zu diskutieren.

Die Situation ist verfahren. Nach der schwächsten Vorrunde in der dritthöchsten Spielklasse seit dem Aufstieg 2014 steht die SG auf dem vorletzten Platz. Gerade mal 16 Punkte hat Großaspach aus den bisherigen 19 Partien geholt. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt fünf Zähler, der Druck auf Trainer Oliver Zapel und seine Kicker nimmt zu. Nur die zuletzt stark aufholenden Jenaer sind aktuell mit zwölf Zählern schlechter und der Regionalliga noch näher. „Jeder Spieler im Kader steht in der Pflicht und muss sich an die eigene Nase fassen“, stellte Kapitän Julian Leist fest.

Doppelschlag in 60 Sekunden

Eine verkorkste erste Hälfte und ein Jenaer Doppelpack innerhalb von 60 Sekunden wurden den Aspachern im Dauerregen zum Verhängnis. In der 39. Minute zirkelte Dominik Bock einen Freistoß aus 25 Metern ins linke Eck – ein Traumtor, das wohl auch ein Manuel Neuer nicht hätte verhindern können. Mit dem ersten Gegenangriff nach dem Wiederanstoß erhöhten die Thüringer auf 2:0: Julian Günther-Schmidt ließ einen Querpass raffiniert durch die Beine zu Ole Käuper schlüpfen. Dieser spielte sogleich einen Doppelpass mit Günther-Schmidt und vollstreckte mit einem platzierten Schuss – Tiki-Taka made in Jena (40.). Dagegen wirkte das Sonnenhof-Ensemble gehemmt, ließ jegliches Feuer vermissen und hatte in der Offensive wenig zu bieten. Vor allem aus dem Mittelfeld fehlten die Impulse. Einen besonders schwarzen Tag hatte Timo Röttger erwischt, der zur Halbzeit auch in der Kabine blieb.

Dass sie es besser können, zeigten die Zapel-Schützlinge dann im zweiten Durchgang und speziell nach dem 1:2-Anschlusstreffer. Nun gingen sie endlich mit der im Abstiegskampf nötigen Leidenschaft und viel Power zur Sache. Längst hielt es auch Innenverteidiger Leist nicht mehr hinten. Der 31-jährige Spielführer zeigte seinen Vorderleuten in der 76. Minute, wie man Tore schießt, indem er die Kugel nach Dimitry Imbongo Boeles Rückpass von der Torauslinie aus fünf Metern zum 1:2 ins lange Eck schob – Flemming Niemann hatte keine Abwehrchance. Der Ersatzkeeper des FC Carl Zeiss war in der 55. Minute ins Tor gegangen, nachdem sich Jo Coppens bei einem Luftkampf mit Kai Brünker an der Schulter verletzt hatte.

In der Endphase schnürte das Heimteam die Thüringer in deren Hälfte ein. Allein in der siebenminütigen Nachspielzeit lag noch dreimal das 2:2 in der Herbstluft: Kopfbälle von Panagiotis Vlachodimos und Brünker verfehlten das Gästegehäuse, und zwischendurch feuerte Vlachodimos aus 16 Metern knapp drüber. „Jena hat uns am Anfang den Schneid abgekauft. Das waren verkehrte Rollen“, klagte Leist. „Wir sind zu spät aufgewacht.“

Zum Jahresausklang trifft die SG am Samstag (14 Uhr) auf den souveränen Spitzenreiter MSV Duisburg, ebenfalls in der Mechatronik-Arena, die künftig Wir-machen-Druck-Arena heißen wird. „In der Dritten Liga kommen immer wieder komische Ergebnisse zustande“, sagte Leist. „Jetzt müssen wir gucken, dass wir noch einigermaßen heil in die Winterpause kommen und da die Akkus wieder ganz aufladen – und dann in der Rückrunde die nötigen Punkte holen.“