Der SGV Freiberg durchlebt in der Fußball-Oberliga eine schwere Zeit: Vier Pleiten setzte es zuletzt – und das bei einem desolaten Torverhältnis von 2:21. Abgerutscht ist das Team inzwischen auf Rang 13, nur drei Punkte beträgt der Vorsprung auf die Abstiegszone. An diesem Freitag (19 Uhr) bekommt die Mannschaft nun eine weitere Möglichkeit, das Ruder herumzureißen. Diesmal bei der Neckarsulmer SU, die genau diese drei Zähler weniger als der SGV auf dem Konto hat und ebenfalls alles andere als gefestigt in die Partie gehen dürfte. Aus den vergangenen sechs Partien holte die NSU nur einen Punkt. Das einzige Freitagabend-Spiel ist also gleichzeitig ein Krisengipfel, in dem es für beide auch darum geht, in der unteren Tabellenhälfte einen Befreiungsschlag zu landen.

Keine Begegnung wie jede andere ist das Duell für Freibergs Stürmer Ouadie Barini. Der 28-Jährige wechselte im Sommer aus Neckarsulm an den Wasen, nachdem er fast seine ganze Laufbahn dort verbracht hatte – abgesehen von einem ersten Wechsel nach Freiberg in der Saison 2013/14. „Ich war auch schon in der Jugend in Neckarsulm und bin damals dort auch zu den Aktiven gekommen“, erzählt Barini, der selbst von sich sagt „im Herzen noch Neckarsulmer“ zu sein. Immerhin gelangen ihm mit dem Team auch die Aufstiege in die Verbands- und Oberliga. Am Freitag kommt es für ihn also zu einem „sehr besonderen Spiel“. Er kenne auch noch 90 Prozent des Neckarsulmer Kaders, sei mit Spielern, dem Trainer und dem Sportlichen Leiter auch weiterhin eng verbunden. Am Freitag für die 90 Minuten wird das aber alles ruhen. „Dann geht es natürlich einzig und allein darum, fürs eigene Team zu gewinnen.“

Das wird für die Freiberger nicht einfach, wie der Offensivmann warnt: „Bei Flutlichtspielen haben sich die Gegner dort immer sehr schwer getan. Neckarsulm wird kämpferisch alles reinwerfen und geschlossen als Mannschaft auftreten. Also genau das tun, was wir zuletzt nicht geschafft haben“, macht Ouadie Barini deutlich. Der neue Trainer Milorad Pilipovic habe deshalb nach der jüngsten 2:6- Pleite gegen den VfB Stuttgart II auch deutliche Worte gefunden und Disziplin sowie mannschaftliche Geschlossenheit eingefordert.

Da beide Teams zuletzt keine Erfolgserlebnisse feierten, stellt sich die Frage, wer seinen Negativlauf durchbrechen kann – und wie sich diese Konstellation aufs Spielgeschehen auswirken wird. Barini geht davon aus, dass beide Teams erst einmal darauf bedacht sein werden, kein Gegentor zu fangen, also abwartend beginnen. „Neckarsulm ist in der Defensive stabiler als wir, dafür haben wir in der Offensive mehr Qualität. Ich denke, gewinnen wird, wer weniger Fehler macht“, so der Stürmer, der hofft, dass sich die Anzahl der Patzer bei seinem SGV deutlich reduzieren wird. „Machen wir wieder so viele Fehler wie zuletzt, wird das Neckarsulm bestrafen. Dafür haben sie die Qualität.“

Eine weitere Hoffnung des Freibergers, der bislang fünf Saisontore erzielte, ist es, am Freitag auch auflaufen zu dürfen. Zuletzt gegen den VfB Stuttgart II wurde er erst in der Nachspielzeit eingewechselt. „Ich hoffe natürlich, von Beginn an ranzudürfen. Aber das entscheidet der Trainer“, sagt Barini, der von einer Sache überzeugt ist: „Sowohl Freiberg als auch Neckarsulm haben mit ihrer Qualität da unten eigentlich nichts verloren und werden im Laufe der Saison in der Tabelle sicherlich noch weiter nach oben klettern.“ Gespannt sein darf man, wer am Freitag den ersten Schritt macht.