Das Malheur eines Einlaufkindes stand am Samstagnachmittag spiegelbildlich für den Auftritt des SGV Freiberg im Oberliga-Heimspiel gegen den SV Sandhausen II: Der Knirps mit der Trikotnummer zwölf stolperte kurz vor dem Anpfiff beim Verlassen des Spielfelds und stürzte auf den Rasen. Sofort raffte sich der Bub auf und folgte seinen Teamkollegen, die alle schon an ihm vorbeigerannt waren. Auch die Wasen-Elf geriet zunächst aus dem Tritt und lag nach 130 Sekunden mit 0:1 hinten. Doch dann rappelte sich der Favorit auf und spielte den Aufsteiger ab der zehnten Minute an die Wand. Endresultat: 5:1 für Freiberg.

Mit dem ersten Heimsieg in dieser Saison kletterte der SGV auf den zweiten Platz. Große Töne spuckte am Samstag im Wasenstadion allerdings niemand. „Wir können von einem guten Start reden, aber es bringt nichts, jetzt schon nach oben zu schauen“, sagte Rechtsverteidiger Volkan Celiktas. „Wir müssen weiter Woche für Woche hart arbeiten. Was am Ende herauskommt, haben wir selbst in der Hand.“

Keeper Loch verschuldet das 0:1

Die Partie begann für die Hausherren katastrophal. In der dritten Minute flutschte Schlussmann Alexander Loch der Ball nach einer eigentlich harmlosen Hereingabe von Konstantin Schiler noch aus der Hand – genau vor die Füße von Georgios Spanoudakis, der nur noch einschieben musste. Drei weitere brenzlige Situationen überstanden die in der Anfangsphase konfusen Freiberger, auch mit etwas Glück, schadlos.

Spätestens mit dem Ausgleich in der 22. Minute war die Sicherheit zurück im SGV-Spiel. Celiktas düpierte Sandhausens Keeper Benedikt Grawe mit einem Freistoß-Aufsetzer aus 27 Metern, der im Torwarteck einschlug. Eigentlich war Hakan Kutlu als Schütze vorgesehen, verriet der Neuzugang später. „Es kommt immer darauf an, wer sich gerade gut fühlt und die Eier hat, zu schießen – und auch darauf, wie der Torwart steht“, bekannte Celiktas, der sein erstes Oberliga-Tor für Freiberg erzielte.

„Das 1:1 durch die Standardsituation war unser Dosenöffner“, analysierte Trainer Mario Estasi. Allein bis zur Pause verbuchte sein Team ein halbes Dutzend bester Chancen, immerhin eine führte zum Erfolg: Spetim Muzliukaj köpfte eine Ecke von Niklas Pollex kaum bedrängt aus sechs Metern zum 2:1 ein (33.).

Für das 3:1 brauchte der Gastgeber im zweiten Durchgang nur 17 Sekunden. Pollex bediente Kutlu mit einem öffnenden Pass, bei dem der Vorlagengeber allerdings gefoult wurde. Schiedsrichter Philipp Hofheinz ließ Vorteil laufen – und Kutlu lief weiter und knallte die Kugel ins Netz (46.). Nun ging es für die junge Sandhausener Mannschaft, die ohne einen Akteur aus dem Zweitliga-Profikader nach Freiberg gereist war, eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung.

Das 4:1 fiel wieder nach einem Standard: Celiktas verlängerte eine Pollex-Ecke, und von Muzliukajs Brust flog der Ball in den Kasten – der bereits dritte Saisontreffer des Mittelstürmers (63.). Mit einem Traumtor stellte Pollex in der 81. Minute den 5:1-Endstand her: Der linke Flügelspieler traf mit einem Schuss aus 24 Metern ins rechte obere Tordreieck, nachdem er kurz zuvor noch an der Latte gescheitert war.

Bei einer besseren Freiberger Chancenverwertung hätte das ungleiche Duell sogar zweistellig ausgehen können. „Das sind alles gute und schnelle Kicker, die richtig gute Anlagen haben. Vielleicht sind sie manchmal noch zu naiv“, urteilte Celiktas über den letztlich chancenlosen Gegner aus Nordbaden, der zuvor in fünf Begegnungen nur acht Gegentore kassiert und zum Beispiel bei 08 Bissingen am ersten Spieltag ein 1:1 geholt hatte. Nach der Klatsche am Wasen rutschte Sandhausen auf den letzten Platz ab. Ob auch der SVS II wieder aufsteht?