Der VfB Stuttgart II war für den SGV Freiberg eine Woche nach dem Trainerwechsel noch eine Nummer zu groß, und holte sich mit dem 6:2-Sieg zum Vorrundenabschluss Tabellenplatz eins und damit die Herbstmeisterschaft.

Die Freiberger lagen nach einer erneut desolaten Abwehrleistung zur Halbzeit mit 1:4 in Rückstand. Bereits nach acht Minuten führten die Gäste mit 2:0. Allerdings wäre nach dem Anschlusstor in der zwölften Minute  der Ausgleich möglich gewesen. Mit zwei haltbaren Treffern zog der VfB II auf 4:1 davon und kontrollierte mit seiner Ballsicherheit und technischen Klasse in Überzahl die Partie, ohne allerdings zu Chancen zu kommen. Der SGV verkürzte auf 2:4 und fing sich dann gegen die wieder zielstrebiger nach vorne agierenden Stuttgarter noch zwei Tore. Damit erhöhte sich die Anzahl der Freiberger Gegentore aus den letzten vier verlorenen Partien auf 21.

„Wir müssen uns nicht schämen, gegen eine so starke Mannschaft, die voraussichtlich aufsteigen wird, verloren zu haben“, meinte der neue Freiberger Trainer Milorad Pilipovic nach dem Heimdebakel zu seinem Einstand. Der 61-jährige Nachfolger von Mario Estasi, von dem sich der SGV vor zwei Wochen getrennt hatte, sah einige gute Ansätze und hob das Potenzial und die Qualität seiner neuen Mannschaft hervor. Der VfB Stuttgart II ist zum Vorrundenausklang dort angelangt, wo die Mannschaft von Trainer Paco Vaz auch am Saisonende gerne stehen würde: auf Platz eins. Punktgleich dahinter folgen die Stuttgarter Kickers. Damit haben sich die Verhältnisse in der Oberliga so entwickelt, wie das viele Experten schon vor der Saison erwartet hatten.

Blitzstart mit zwei Toren

Der VfB Stuttgart II, mit Tanguy Coulibaly und Matteo Klimowicz aus dem Zweitliga-Kader in der Startelf, legte forsch los, ließ Ball und Gegner laufen und erspielte sich zahlreiche Chancen. Bei der ersten parierte SGV-Schlussmann Alexander Loch den Flachschuss von Marcel Sökler (4.). Bei der zweiten Gelegenheit traf Klimowicz mit einem artistisch ausgeführten Aufsetzer zum 1:0 (7.). Die Gäste legten sofort nach. 80 Sekunden später nutzte David Tomic ein Missverständnis zwischen dem SGV-Keeper und Kapitän Steven Kröner zum 2:0.

Die Gastgeber versuchten, den offensiven Spielstil ihres neuen Trainers umzusetzen und kamen schnell zum Anschlusstor. Marc Stein zog im Stuttgarter Strafraum den auf der Zehnerposition wirkenden Freiberger Hakan Kutlu die Beine weg, und Zagaria verwandelte den Strafstoß zum 1:2 (12.). Simon Klostermann hatte  den Ausgleich auf dem Fuß und auf dem Kopf. Einmal hämmerte er den Ball ans Lattenkreuz, dann köpfte er ihn übers Tor.

Danach allerdings mischten die spielfreudigen und blitzschnell nach vorne kommenden Stuttgarter den SGV gehörig auf. Der Ex-Freiberger Sökler scheiterte an Schlussmann Loch und schob dann den Ball knapp am SGV-Gehäuse vorbei. Sökler war dann am 1:3 beteiligt, indem er den Ball für Tomic auflegte, der mit einem haltbaren Flachschuss aus 22 Metern traf (24.). Bravourös rettete Loch gegen den durchgestarteten VfB-Kapitän Lukas Kiefer (28.), sah dann beim 1:4 durch einen von Tomic aus rund 25 Metern direkt ins obere Toreck verwandelten Freistoß erneut nicht glücklich aus.

Um die Viererkette nach der Gelb-Roten Karte für Volkan Celiktas in der 44. Minute wieder zu komplettieren, wechselte Pilipovic zur zweiten Halbzeit für Stürmer Klostermann Savino Marotta ein, der den Job von Celiktas übernahm. In der zweiten Halbzeit hatten sich die Freiberger dann defensiv stabilisiert und kamen nach einem schönen Angriff über die linke Seite und einen Rückpass von Kreshnik Lushtaku durch Kutlus Direktabnahme im Fallen zum 2:4 (69.). Bis dahin hatten die Stuttgarter teilweise wie im Training agiert, hatten den Ball kontrolliert, ihn in den eigenen Reihen gehalten, dabei  allerdings den Zug zum Tor vermissen lassen.

Sökler trifft gegen Ex-Verein

Das änderte sich mit einigen Einwechslungen. Der hochtalentierte Nick Bätzner machte Tempo, und vorne sorgte der wuchtige Jan Kliment für Betrieb. Auf Vorlage von Nikos Zografakis gelang Sökler doch noch ein Tor an alter Wirkungsstätte (78.). Er verzichtete nach seinem siebten Saisontreffer aber auf den Jubel. Zografakis war auch am 6:2 für den neuen Spitzenreiter beteiligt. Seinen Schuss wehrte SGV-Torhüter Loch ab, im Nachsetzen  traf Kliment (88.). Zuvor hatte Freibergs Niklas Pollex den Innenpfosten des VfB-Tores getroffen (86.).

Vor der Winterpause haben es die Freiberger mit Teams aus den unteren  Tabellenregionen zu tun. Am Freitag (19 Uhr) spielen sie bei der Neckarsulmer Sport-Union, am 7. Dezember kommt der SV Linx an den Neckar.