Der SGV Freiberg wollte im Spitzenspiel der Fußball-Oberliga gegen den 1. Göppinger SV unbedingt drei Punkte holen und diesen damit von der Tabellenspitze stoßen. So jedenfalls hatte sich SGV-Trainer Mario Estasi im Vorfeld geäußert. Sein Team spielte da allerdings nicht mit, ging auch in dieser Höhe durchaus verdient mit 0:5 (0:3) gegen den Klassenprimus unter.

„Der Kunstrasen-Trick hat diesmal nicht geklappt. In Zukunft muss Freiberg mit uns wohl auf den Parkplatz gehen, um zu gewinnen“, sagte ein sichtlich gut gelaunter Göppinger Trainer Gianni Coveli vor der Pressekonferenz. Der Spruch zielte darauf ab, dass der SGV Freiberg die letzten beiden Heimspiele gegen die Kicker aus der Stauferstadt extra auf den Kunstrasen verlegt und mit 6:1 und 4:2 gewonnen hatte.

Davon war das Estasi-Team bei Dauerregen am Sonntagnachmittag um Lichtjahre entfernt. Auf dem seifigen Kunstrasen hatten die Gastgeber nicht nur augenscheinlich mehr Standprobleme, über die gesamten 90 Minuten schafften es die Freiberg eigentlich auch nie, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, was ja ein Kern von Estasis Spielphilosophie ist.

In den Anfangsminuten versuchte es der SGV aber wenigstens und erspielte sich so eine leichte optische Überlegenheit, die man sich allerdings schon nach elf Minuten durch eine beinahe slapstickhafte Defensivaktion zunichte machte. Bei einem langen Pass der Göppinger aus der eigenen Hälfte war der Ruf von SGV-Schlussmann Alexander Michalik, dass er zum Ball geht, wirklich über das gesamte Spielfeld zu hören. Nur Filip Milisic reagierte nicht und stand seinem Torhüter an der Strafraumkante im Weg. Die Abwehr geriet so viel zu kurz und das Leder landete direkt vor den Füßen von Tomislav Ivezic. Der hatte keine Probleme, den Ball aus 25 Metern ins leere Tor zu schieben. Der Treffer war auch deshalb so ärgerlich, weil für Michalik eigentlich keine Notwendigkeit bestand, so weit aus seinem Gehäuse zu eilen.

Das 0:1 warf die Gastgeber ziemlich aus der Bahn, und schon drei Minuten später hatte der Ex-Freiberger Morgan Faßbender das 2:0 auf dem Fuß, als er nach einem Diagonalball auf Linksaußen durchbrach und den Ball über den herausstürzenden Michalik, aber auch knapp am Tor vorbei hob. Das Spiel der Estasi-Elf wurde nicht besser, und in der 25. Minute leistete man sich erneut so einen kollektiven Aussetzer. Wieder war ein langer Schlag der Göppinger Ausgangsstation. Diesmal verlängerte Kapitän Steven Kröner den Ball in Richtung eigenes Tor. Erneut gab es ein Missverständnis zwischen Milisic und Torhüter Michalik. Ex-Drittligaspieler Kevin Dicklhuber war der Nutznießer, ging dazwischen und verlängerte den Rückpass zum 0:2 ins Netz.

Wenn es überhaupt eine Szene gab, in der Freiberg wieder ins Spiel zurückfinden hätte können, dann in der 28. Minute, als Volkan Celiktas den Ball von rechts scharf in den Strafraum schlug. Die Flanke rutschte komplett durch bis zum langen Pfosten, wo Spetim Muzliukaj völlig blank stand, aber das Kunststück fertig brachte, das Leder aus nicht einmal zwei Metern über die Latte zu grätschen. Wie es besser geht, zeigten die Göppinger zehn Minuten später, als Schlussmann Marcel Schleicher einen langen Ball abfing und das Spiel nach vorne schnell machte. Am Ende steckte Faßbender  auf Lukas Rösch durch und der überwand aus zwölf Metern halblinks Michalik zum 0:3. Celiktas hatte dann noch quasi mit dem Pausenpfiff eine Doppelchacne, zunächst völlig ungedeckt per Kopf, dann noch im Nachschuss, scheiterte aber zweimal Schleicher.

Nach dem Seitenwechsel war der SGV durchaus bemüht, aber selten zwingend. Die erste große Chance hatte sogar Faßbender, als er Michalik nach einer Ecke regelrecht abschoss (60.). Zweimal war aber auch Schleicher glänzend zur Stelle, als Ouadie Barini (64.) und Celiktas (87.) mutterseelenallein vor ihm auftauchten. Der GSV konterte da wesentlich effektiver. Tarik Serour wurde zweimal am und im Freiberger Strafraum kaum angegriffen, schob einmal neben den linken, einmal neben den rechten Pfosten ein (83./89.).

Die beiden späten Gegentreffer waren für SGV-Trainer Estasi nur halb so schlimm, weil sein Team fast die gesamte zweite Hälfte schon aufgemacht hatte. Doch insgesamt war er mit der Defensive überhaupt nicht zufrieden. „Da müssen wir ansetzen. Die Denkweise vieler meiner Spieler ist das feine Fußballspiel. Dabei vergessen sie nach hinten zu verteidigen. Das ist der Unterschied zu Göppingen. Dort wird Männerfußball gespielt.“