Wenn der Tabellenführer beim Sechsten zu Gast ist, dann darf man dies schon einmal getrost als Spitzenspiel bezeichnen. Die Oberliga-Begegnung zwischen dem SGV Freiberg und dem 1. Göppinger SV am Sonntag (14 Uhr) steht aber aus mehreren Gründen im Fokus. Einerseits trifft eine der besten Angriffsreihen (Freiberg, 22 Treffer) auf eine der besten Abwehrreihen (Göppingen, acht Gegentore). Andererseits kennen sich die Trainer sehr gut, sodass es kaum einen Kniff geben dürfte, den der andere noch nicht kennt. „Gianni Coveli ist ein Freund von mir. Wir tauschen uns oft über Fußball aus“, sagt SGV-Coach Mario Estasi.

Für 90 Minuten wird am Sonntag jedoch die Männerfreundschaft ruhen. Dann geht es nur um Tore und Punkte – und Estasi schickt schon einmal eine klare Ansage an Coveli. „Ich will 17 Punkte. Die Platzierung ist mir dabei egal“, so Freibergs Trainer. Momentan steht sein Team noch bei deren 14 und damit fünf Zähler hinter dem Gegner. Dass der schlagbar ist, zeigte am Donnerstag Verbandsligist TSG Hofherrnweiler-Unterrombach im WFV-­Pokal. Bis zur 86. Minute stand es 1:1, ehe die Göppinger auf 3:1 davonzogen und in der dritten Minute der Nachspielzeit noch einen Treffer kassierten. Das 2:1 für den GSV hatte Kevin Dicklhuber erzielt. Und obwohl Estasi betont, dass er gerne sein eigenes Spiel durchzieht und sich nicht nach dem Gegner richtet, warnt er vor dem aktuellen Oberliga-Top-Torjäger, der einst für die Stuttgarter Kickers in der Dritten Liga aufgelaufen ist: „Dicklhuber ist ein Ausnahmespieler in dieser Liga. Er hat eine brutale Qualität.“

Doch auch der SGV-Coach kann qualitativ und quantitativ viel dagegenstellen. Die anfängliche Verletzungsmisere ist fast komplett überstanden. Nur Daniel Kaiser und Patrick Fossi fehlen noch verletzt, Hakan Kutlu sitzt noch seine Rotsperre ab. Ansonsten kann Freiberg aus dem Vollen schöpfen. „Es fühlt sich gut an, wenn man den einen oder anderen Spieler auf der Bank sitzen hat, der eigentlich potenziell in die Startelf gehören würde. So kann ich quasi wöchentlich nach Form und Taktik entscheiden, wer spielt“, sagt Estasi. „Das ist eine sehr erfahrene Truppe, körperlich robust und ausgebufft. Wir sind dagegen eher jung“, sagt der SGV-Trainer über Göppingen. Wobei er nicht unerfahren sagt. Es geht ihm nämlich auch um die Vorteile, die Jugend mit sich bringt. „Bei uns fallen immer viele Tore – vorne wie hinten.“

Beim Nachbarn FSV 08 Bissingen trauert man noch etwas den zwei verlorenen Punkten durch das 3:3 gegen Villingen hinterher – erst recht, nachdem mit dem 1. Göppinger SV, den Stuttgarter Kickers und dem VfB II am neunten Spieltag drei Topteams überraschende Niederlagen einstecken mussten. Die unverhoffte Chance, noch etwas näher an die Spitzengruppe heranzurücken, ließen die Nullachter aus. „Wir haben uns ein paar Tage geärgert“, gibt der Bissinger Trainer Alfonso Garcia zu.

Nun sollen eben am Sonntag (15 Uhr) im Duell beim Aufsteiger 1. FC Rielasingen-Arlen drei Zähler her. Gerade im Defensivverhalten mahnt Garcia bei seinen Schützlingen eine deutliche Steigerung an: „19 Gegentore sind viel zu viel. Die Arbeit gegen den Ball muss besser werden – und zwar nicht erst hinten, sondern auch schon vorne“, sagt der Ex- Profi. Am Dienstag hat er die Gegentore aus dem Villingen-Spiel mit seiner Mannschaft auf Video genau analysiert.

Im Aufwärtstrend

Beide Klubs weisen eine positive Tendenz auf: Die Bissinger sind seit vier Partien ungeschlagen und belegen mit 13 Zählern aktuell Rang acht. Der Neuling aus Rielasingen-Arlen, der zuletzt den Freiburger FC (4:2) und den FV Ravensburg (3:1) bezwungen hat, steht punktgleich auf dem 13. Platz. Am Donnerstag war das Team um Torjäger Nedzad Plavci im südbadischen Verbandspokal im Einsatz – und kam mit einem lockeren 4:0 beim FV Schutterwald eine Runde weiter.

Beim FSV 08 sind fast alle Mann an Bord. Nur Moritz Haile, der aufgrund von Knieproblemen mit dem Training ausetzte, wird am Bodensee nicht dem Aufgebot angehören.