Freiberg / Andreas Eberle  Uhr

Wenn der SGV Freiberg am 3. August beim SV Linx in die neue Oberliga-Spielzeit startet, wird mit Mario Estasi ein neuer Cheftrainer an der Seitenlinie die Kommandos geben. Der bisherige Assistenzcoach löste Ramon Gehrmann als Übungsleiter ab, der insgesamt sieben Jahre lang am Wasen tätig war. Die BZ sprach mit Estasi über grundlegende Punkte.

...seine Fußball-Philosophie

„Mir ist ein 1:0 lieber als ein 5:3. Ich ärgere mich über jedes Gegentor, selbst beim Stand von 5:0.“ Schon diese zwei Sätze zeigen, dass Mario Estasi seinen Fokus auf die Abwehrarbeit richtet. „Der Defensivbereich ist mir besonders wichtig“, bekräftigt der 45-Jährige. Darum habe der SGV zuletzt auch die Innenverteidiger Filip Milisic und Volkan Celiktas für die Hintermannschaft verpflichtet. Sie sollen den Weggang von Maximilian Rohr (zu Carl Zeiss Jena in die Dritte Liga) kompensieren. In seiner aktiven Karriere war Estasi selbst als beinharter Innenverteidiger bekannt und gefürchtet. Mit den Attributen diszipliniert, kompromisslos, kompakt, selbstbewusst und dominant beschreibt er seine Vorstellung, wie der SGV unter seiner Federführung auftreten soll. „Ich will eine Mannschaft mit Mentalität auf dem Platz sehen“, sagt der A-Lizenz-Inhaber. Darüber hinaus setzt er auf ein variables Spiel mit vielen flachen Bällen, vielen vertikalen Bällen, Ballbesitzfußball und Ballzirkulation.

...die Zusammenarbeit mit Vorgänger Ramon Gehrmann

„Wir haben uns super ergänzt und verstanden. Ich mag Ramon ohne Ende“, sagt Estasi über Gehrmann, in dessen große Fußstapfen er als neuer Freiberger Chefcoach tritt. Der zu den Stuttgarter Kickers abgewanderte Fußball-Lehrer hatte sich am Wasen für seinen Assistenten stark gemacht, nachdem sein Ausstieg zum Saisonende beschlossene Sache war. Letztlich entschieden sich die SGV-Verantwortlichen um Präsident Emir Cerkez tatsächlich für eine interne Lösung.

Estasi schätzt an Gehrmann vor allem die Trainingsarbeit und die „sympathische Art, wie er auf die Menschen zugeht“. „Er ist ein richtiger Sympathiebrocken. Dennoch ist er sehr verbissen, denn er will immer auf Teufel komm raus gewinnen – genau wie ich“, meint der jetzige Übungsleiter. Dennoch gebe es zwischen ihm und Gehrmann auch unterschiedliche taktische Ansichten. Denn während Gehrmann den Ansatz verfolgt, jede Situation spielerisch zu lösen, auf Ballbesitz pochte und darum auch bei einer knappen Führung entsprechend wechselte, würde er in solchen Situationen eher einen groß gewachsenen Spieler bringen – um so bei Standards noch robuster zu stehen. „Ich finde es gut, wenn man diskutiert und auch mal anderer Meinung ist“, sagt Estasi, der mit Marcel Ivanusa und Ferdinand Groß das neue Freiberger Trainerteam bildet.

...seine neue Rolle als Chefcoach

Bei der SV Böblingen, den Young Boys Reutlingen und dem TV Echterdingen fungierte Estasi bereits jahrelang als Cheftrainer, allerdings „nur“ in der Verbands- und der Landesliga. Für ein Oberliga-Team verantwortlich zu sein, ist für ihn dagegen Neuland. Als Spieler war der gebürtige Stuttgarter selbst lange in der Oberliga am Ball und hatte bei den TSF Ditzingen sogar 52 Einsätze in der damals drittklassigen Regionalliga. Im Umgang mit der Mannschaft werde sich nicht viel ändern. „Vielleicht ist man etwas distanzierter – aber nicht bewusst, sondern weil man noch fokussierter arbeitet. Als Co-Trainer bist du der verlängerte Arm zur Mannschaft und machst dann auch mal einen Spaß mit“, sagt Estasi. Dass er wie unter Gehrmann noch bei einem Ballhaltespiel („Ecklespiel“) oder einem Trainingskick mitmacht, schließt er für die Zukunft aus. „Nicht, weil ich es nicht mehr möchte oder nicht mehr fit bin, sondern einfach, weil ich mich aufs Training konzentrieren möchte.“

... über die Anforderungen an die Spieler

Ehrlichkeit sowie Leidenschaft und hundertprozentigen Einsatz verlangt Estasi von seinen Schützlingen – in jedem Training, in jedem Spiel. Im Gegenzug sei er auch bereit, einen Akteur bei privaten oder beruflichen Verpflichtungen und Problemen freizustellen. „Das ist mir dann lieber, bevor ein Spieler, der nicht ganz bei der Sache ist, die Mannschaft durcheinanderbringt“, sagt Estasi. Ihm liegt der Teamgedanke besonders am Herzen. Starallüren kann er nicht leiden: „Kein Spieler soll sich wichtiger nehmen als die Mannschaft. Ich war selbst ein Teamplayer, der als Innenverteidiger die Fehler der Mitspieler ausgebügelt hat.“

...die letzten personellen Baustellen

Nach dem überraschenden Weggang von Stammkeeper Thomas Bromma und Mittelfeldmann Leon Braun (beide zu den Kickers) sucht der Verein noch auf mehreren Positionen Spieler. Ein erfahrener Torhüter neben den Talenten Alexander Michalik und Ruben Volkert (beide 19), ein Linksverteidiger sowie ein flexibler Angreifer, der sowohl Außenstürmer als auch zentral spielen kann, stehen noch auf Estasis Wunschliste. Gerade der Verlust von Torschützenkönig Marcel Sökler (zum VfB Stuttgart II) treibt ihn um: „So einen Spieler zu ersetzen, ist für den Verein und mich als Trainer nicht einfach.“

...das Saisonziel des SGV

„Unsere Ziele werden wir nach der Vorbereitung festlegen. Darüber jetzt schon zu sprechen, macht keinen Sinn“, sagt Estasi. Er will erst abwarten, welche Mannschaft ihm tatsächlich zur Verfügung steht, wie stark die Liga letztlich ist und in welchem Ausmaß sich die Konkurrenz noch verstärkt. Ein Wunsch hat der Gehrmann-Nachfolger allerdings: „Wir wollen sehr gut in die Runde starten. Das war in den letzten Jahren ja nicht der Fall.“

Testspiele und Oberliga-Auftaktprogramm von Freiberg und Bissingen

Der SGV Freiberg bestreitet an diesem Samstag (17 Uhr) in Hegnach das dritte Testspiel im Rahmen der Vorbereitung. Gegner ist der Verbandsliga-Aufsteiger SV Fellbach. Seinen ersten Test absolviert der FSV 08 Bissingen. Die Bruchwald- Elf erwartet am Sonntag (14 Uhr) die SKV Rutesheim, ebenfalls aus der Verbandsliga Württemberg.

Der vorläufige Spielplan sieht vor, dass die Nullachter am 3. August mit einem Heimspiel gegen den Aufsteiger SV Sandhausen II in die Oberliga-Spielzeit 2019/20 starten. Eine Woche später geht es zum 1. CfR Pforzheim, ehe am dritten Spieltag (17. August) bereits der Knaller gegen die Stuttgarter Kickers steigt – laut 08-Sportdirektor Oliver Dense wahrscheinlich am heimischen Bruchwald und nicht in Aspach. Es folgt ein Duell bei den Sportfreunden Dorfmerkingen (24. August). Freiberg beginnt mit einem Gastspiel beim SV Linx. Zur Heimpremiere kommt am Samstag, 10. August, die Neckarsulmer SU. Eine Woche später spielt die Wasen-Elf beim FV Ravensburg, ehe am 24. August der Freiburger FC im Wasenstadion antritt. Die beiden Derbys zwischen dem SGV und dem FSV 08 sind für den 31. August (in Bissingen) und den 14. März 2020 (in Freiberg) vorgesehen. Die endgültige Terminierung und Verabschiedung des Spielplans erfolgt am Mittwoch beim Staffeltag in der Sportschule Schöneck. ae