Vielleicht sollten die Fußballer des FSV 08 Bissingen unmittelbar vor einem Oberliga-Spiel immer ein Video anschauen. Denn nach den schwachen Heimauftritten zuletzt zeigte Trainer Alfonso Garcia ihnen einen Zusammenschnitt mit vielen schön herausgespielten Toren und jubelnden 08-Kickern. Eine Motivationsspritze, die wirkte: Mit 3:0 schoss die Bruchwald-Elf den bisherigen Spitzenreiter 1. Göppinger SV am Samstag vom Kunstrasen und verhalf dem VfB Stuttgart II so auf den letzten Drücker noch zur Herbstmeisterschaft. Die vom Bissinger Ex-Coach Gianni Coveli trainierten Gäste rutschten auf den dritten Platz ab, während die Nullachter die Vorrunde nach einem ständigen Auf und Ab nun auf Rang neun abschließen.

Burkhardt wieder im 08-Tor

Die Partie begann mit einer kleinen Überraschung: Sven Burkhardt kehrte ins Bissinger Tor zurück und ersetzte dort Dominik Ferdek. Damit wollte Garcia einen weiteren Impuls setzen. Burkhardt hatte die sechs Oberliga-Duelle zuvor verpasst und stattdessen in der Bezirksliga bei der zweiten Mannschaft ausgeholfen. Viel bekam der 36-jährige Routinier allerdings nicht auf seinen Kasten. Seine Vorderleute leisteten ganz Arbeit und ließen kaum etwas zu. Eine Ausnahme war die einzige Göppinger Chance in der ersten Hälfte, als Marcel Avdic Tim Reich überlief und dann aus 15 Metern knapp neben das Gehäuse schoss (10.).

Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase übernahmen die Hausherren das Kommando. Sie spielten mit Mut und Selbstvertrauen nach vorne, gingen entschlossen in die Zweikämpfe, feuerten sich ständig gegenseitig an – nur mit dem Toreschießen klappte es noch nicht. Die größte Gefahr ging nach Ecken von Alexander Götz aus, aber sowohl Anil Sarak als auch Reich köpften vorbei. Dass die Bissinger ersatzgeschwächt in die Begegnung gegangen waren, wäre einem uneingeweihten Beobachter nie und nimmer aufgefallen. Pascal Wolter, der erst zum zweiten Mal in der Startelf stand, bot im zentralen Mittelfeld ebenfalls eine überzeugende Leistung und empfahl sich für weitere Einsätze. Aus einer starken Bissinger Mannschaft ragte Pierre Williams heraus. Der Linksverteidiger gewann fast jeden Zweikampf und setzte mit seiner Dynamik auch in der Offensive Akzente. Wie gut die 08-Defensive diesmal funktionierte, belegen zwei Tatsachen: Erstens machte Göppingens Torjäger Kevin Dicklhuber (bisher zehn Saisontore) gar keinen Stich, und zweitens schafften es die Bruchwald-Kicker im 17. Anlauf tatsächlich, zum ersten Mal in dieser Saison zu Null zu spielen.

In Durchgang zwei schlug sich die Dominanz der Garcia-Schützlinge dann auch in Toren nieder – und alle drei Treffer gingen auf das Konto von Stürmern. Pascal Hemmerich, der bis dato kaum aufgefallen war, stand in der 67. Minute nach einer Flanke von Götz goldrichtig und köpfte den Ball freistehend zum 1:0 ein. Kurz darauf bewies Garcia ein gutes Händchen, indem er Marco Rienhardt für den nach einem groben Foul angeschlagenen Kapitän Simon Lindner aufs Feld schickte. Der 20-jährige Youngster setzte in der 83. Minute gleich seinen Körper energisch gegen Chris Loser ein, erkämpfte sich so die Kugel und überwand GSV-Keeper Kevin Rombach vom Torraumeck – das 2:0. „So eine Situation habe ich erst in der Halbzeitpause mit Thanh (08-Verteidiger Duc Thanh Ngo, d. Red.) trainiert“, freute sich Rienhardt später. Gleichwohl hätten wohl 99 von 100 Schiedsrichtern in jener Szene auf Stürmerfoul entschieden. In der Nachspielzeit schlug der Joker nach Sebastian Gleißners Ecke erneut zu und schob den Ball am langen Pfosten zum 3:0-Endstand über die Torlinie – sein bereits vierter Saisontreffer.

Am nächsten Samstag (14 Uhr) kommt zum Rückrundenstart nun der 1. CfR Pforzheim an den Bruchwald – und dort herrscht seit Samstag wieder neuer Optimismus. „Wenn wir so weitermachen, haben wir gegen jede Mannschaft eine Chance und können bestehen“, sagte Doppeltorschütze Rienhardt.