Vermutlich werden sich die Fans des FV Löchgau in nächster Zeit damit abfinden müssen, dass die Landesliga-Mannschaft nicht mehr in der Vereinsfarbe Rot aufläuft, sondern in Grau. Denn in dem ungewohnten Outfit feierten die Löchgauer am sechsten Spieltag ihren ersten Saisonsieg – und das nach einem unterhaltsamen Torspektakel. Mit 5:3 bezwangen sie den gut gestarteten TSV Schornbach auf dem heimischen Kunstrasen. Damit verbesserte sich der FVL vom letzten auf den 14. Platz. „Das hat sich die Sportliche Leitung überlegt. Am Freitagabend sind die neuen Trikots gekommen, und dann hingen sie in der Kabine“, sagte Trainer Thomas Herbst, angesprochen auf das mausgraue Dress. „Das war der Versuch, den Jungs etwas Frisches zu geben – und das waren dann eben frische Trikots.

Schlag auf Schlag ging es in der ersten Hälfte. Beide Abwehrformationen hatten nicht ihren besten Tag erwischt und luden den Gegner an diesem sonnigen Samstagnachmittag zum Toreschießen ein. Nachdem Schornbachs Timo Morawietz mit einer ungeschickten Aktion Mario Andric im Strafraum von den Beinen geholt hatte, gab es Elfmeter für die Heimelf – ein Fall für Kapitän Peter Wiens, der den Ball halbhoch ins rechte Toreck setzte (22.) Kurz darauf war Löchgau dem 2:0 ganz nah, doch der Schuss von Cihat Aytac krachte an den Pfosten. Mit einem Aufsetzer aus 20 Metern, der nicht unhaltbar schien, gelang Dennis Lednig der 1:1-Ausgleich (30.). Beim 1:2 war der aus seinem Kasten stürzende FVL-Keeper Sven Altmann dann aber machtlos: Der von Dominik Parham mit einem Steilpass bediente Pascal Hasert spitzelte den Ball an ihm vorbei ins lange Eck (39.).

Es folgte Wiens’ zweiter Streich: Nach einem Traumpass von Jannik Wieland in die Spitze nahm der Ex-Bissinger die Kugel elegant mit, ließ TSV-Schlussmann Carl-Anders Zimmermann stehen und vollendete zum 2:2 (39.). Doch noch vor dem Pausenpfiff mussten die Herbst-Schützlinge den nächsten Nackenschlag einstecken: Patryk Ferraro hebelte mit einem Steilpass die Löchgauer Defensive aus, und Robin Eißele stupfelte den Ball über Altmann hinweg zum 2:3-Halbzeitstand ins Netz (44.). Wie schon beim zweiten Gegentreffer hatte sich Herbsts Hintermannschaft ganz einfach ausspielen lassen.

FVL schlägt nach Pause zurück

Anders als zum Beispiel beim 0:6 eine Woche zuvor in Satteldorf fiel das FVL-Team diesmal aber nicht auseinander. Fast schon trotzig nahm der Verbandsliga-Absteiger im zweiten Durchgang den Kampf an – und drehte mit viel Kampfgeist und durchaus ansehnlichem Fußball die Partie. In der 50. Minute fasste sich Andric nahe der Strafraumgrenze ein Herz und hämmerte den Ball zum 3:3 ins Schornbacher Gehäuse. Nach einem Doppelpass mit Wiens schoss Cedric Cramer den FVL mit 4:3 in Front (67.). Den ersten Dreier in dieser Landesliga-Saison besiegelte schließlich Tim Schwara mit dem 5:3. Der Stoßstürmer war nach einer flachen Andric-Hereingabe eine Fußspitze eher am Ball als Gästekeeper Zimmermann (73.). Obendrein landete in der Endphase noch ein 20-Meter-Freistoß des eingewechselten Kubilay Baki an der Latte.

Die Erleichterung war im Löchgauer Lager nach dem Befreiungsschlag und zuvor nur einem Punkt aus den ersten fünf Begegnungen groß. „So eine Situation hatten bisher nur wenige von uns erlebt – und auch ich selbst noch nie“, sagte Coach Herbst. „Es gilt, daraus zu lernen und damit umzugehen.“ Und im Zweifelsfall muss eben ein Griff in die Trickkiste her wie die Ausstattung der Kicker mit einem Satz neuer Trikots. Herbst: „Manchmal sind es dann Kleinigkeiten, die etwas bewegen.“ Andreas Eberle